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Wenig Job-Chancen für Langzeitarbeitslose in Sachsen – 81.000 Menschen betroffen

Wenig Job-Chancen für Langzeitarbeitslose in Sachsen – 81.000 Menschen betroffen

Knapp 41 Prozent der Arbeitslosen in Sachsen sind länger als ein Jahr ohne Job - und der Anteil wäre noch höher, wenn nicht immer wieder Langzeitarbeitslose aus der Statistik herausfallen.

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Das Vorhaben der Agentur für Arbeit, Arbeitslose zu Erziehern umzuschulen, ist höchst umstritten.

Quelle: Uwe Anspach

Nürnberg/Berlin. Die wenigsten tun das allerdings, weil sie eine Stelle auf dem ersten Arbeitsmarkt gefunden haben, wie aus einer aktuellen Übersicht der Bundesagentur für Arbeit hervorgeht. Demnach hat in der ersten Jahreshälfte gerade einmal jeder achte der knapp 50.000 aus der Statistik verschwundenen Langzeitarbeitslosen einen regulären Job gefunden. Dabei handelte es sich um 6085 Rückkehrer (12,3 Prozent) nach mindestens zwölfmonatiger Arbeitslosigkeit.

Fast genauso viele (5803, das sind 11,7 Prozent) fanden lediglich eine Beschäftigung am zweiten Arbeitsmarkt. Wegen des Beginns einer Ausbildung oder einer anderen arbeitsmarktpolitischen Maßnahme wurden 8622 Menschen (17,4 Prozent) nicht mehr erfasst. Mehr als jeder Dritte (34,7 Prozent) aller abgängigen Langzeitarbeitslosen wurde hingegen wegen Arbeitsunfähigkeit nicht mehr mitgezählt.

Erfragt hat die Daten die Zwickauer Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann. Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linksfraktion verwies darauf, dass die Job-Chancen für die Langzeitarbeitslosen „deutlich schlechter“ seien als für diejenigen, deren Arbeitsplatzverlust noch nicht so weit zurück liegt - hier gingen 41 Prozent der Abgänge aus der Arbeitslosenstatistik auf einen neuen regulären Job zurück.

Zimmermann warnte davor, den Spielraum für Arbeitsagenturen und Jobcenter zur Förderung von Erwerbslosen immer mehr einzuengen, indem die Politik weniger Geld für die Arbeitsmarktpolitik zur Verfügung stelle. Von Juni 2010 bis Juni 2012 sank einer weiteren BA-Statistik zufolge in Sachsen allein die Zahl der Teilnehmer an beruflicher Weiterbildung von 13.400 um ein Drittel auf 8944. „Die Hälfte der Langzeitarbeitslosen verfügt aber nicht über eine abgeschlossene Berufsausbildung“, betonte Zimmermann. Um jemals wieder die Chance auf einen Job zu haben, benötigten gerade sie dringend Weiterbildung und Qualifizierung.

„Langzeitarbeitslose dürfen nicht abgeschrieben werden“, forderte die Linke-Parlamentarierin, die auch DGB-Regionalchefin in Südwestsachsen ist. Sie spricht unter Verweis auf den Bundesvergleich zugleich von einer „Verhärtung“ der Langzeitarbeitslosigkeit in Sachsen. Von den insgesamt knapp 199.000 Arbeitslosen im Juni - bejubelt als erster Monatswert seit Beginn der Statistik 1991 unter 200.000 - waren knapp 81.000 mindestens zwölf Monate ohne Job. Das machte 40,6 Prozent aller registrierten Arbeitslosen im Freistaat aus.

Einen höheren Anteil an Langzeitarbeitslosen verzeichneten im vergangenen Monat nur noch der Stadtstaat Bremen (44,4 Prozent), Nordrhein-Westfalen (41,7 Prozent) und Brandenburg (41,2 Prozent) - während der Bundesdurchschnitt bei 36,6 Prozent lag (Ost: 37,6 Prozent).

Sowohl die sächsische Regionaldirektion der BA in Chemnitz als auch Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) hatten zuletzt von grundsätzlich guten Aussichten gesprochen, jetzt einen Job zu finden. Zimmermann forderte die Landesregierung dazu auf, „sich einzubringen, damit mehr Langzeitarbeitslose wieder in den Arbeitsmarkt integriert werden können“. Zugleich sieht sie aber auch die Unternehmer gefordert: „Anstatt sich über einen Fachkräftemangel zu beklagen, sollten die Arbeitgeber in größerem Maße als bislang Langzeitarbeitslosen eine Chance geben“, sagte sie.

Tino Moritz, dpa

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