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Wenig Kaiserschnitte im Osten - Kliniken setzen auf traditionelle Geburt

Wenig Kaiserschnitte im Osten - Kliniken setzen auf traditionelle Geburt

Kliniken im Osten entscheiden sich eher selten für einen Kaiserschnitt. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen liegt die Quote deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von rund 32 Prozent, ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa.

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Ein Kaiserschnitt in der Frauenklinik der Universität in Leipzig (Archivbild).

Quelle: dpa

Dresden. Demnach entbindet fast jede Dritte in Deutschland mit einem Kaiserschnitt - in einigen westlichen Bundesländern liegt die Kaiserschnitte-Rate sogar darüber. „Es gibt ein deutliches Ost-West-Gefälle“, sagte Pauline Wimberger, Direktorin der Dresdner Universitäts-Frauenklinik. In Sachsen gab es 2012 im bundesweiten Vergleich mit 23,7 Prozent sogar die wenigsten Kaiserschnitte.

In Sachsen-Anhalt lag die Quote mit 29,7 Prozent ebenfalls unter dem Bundesdurchschnitt. Von 16.246 Entbindungen verliefen 4823 per Kaiserschnitt. In Thüringen wurde 2012 bei 26,8 Prozent der Geburten auf die operative Methode zurückgegriffen (Entbindungen gesamt: 15.928). Deutschlandweite Vergleichszahlen von 2013 liegen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes noch nicht vor.

Dennoch macht sich auch in den östlichen Bundesländern der allgemeine Trend bemerkbar. Ärzte entscheiden sich immer öfter für einen Kaiserschnitt: Im Jahr 2000 gab es in Sachsen mit 15,5 Prozent noch deutlich weniger operative Eingriffe bei Geburten. In Sachsen-Anhalt lag die Kaiserschnitt-Rate 2000 bei 17,5 Prozent, in Thüringen waren es 17,2 Prozent.

Dass viele Kliniken im Osten eher auf die traditionelle Geburt setzen, sieht der sächsische Hebammenverband unter anderem in der Geschichte begründet. Ein Kaiserschnitt sei zu DDR-Zeiten und auch später nie „in Mode“ gewesen, erklärt die Vorsitzende Grit Kretschmar-Zimmer. Regionale Unterschiede hätten zudem mit der Ausbildung und Einstellung der Ärzte zu tun. Letztlich treffen sie die Entscheidung über die Geburtsmethode. Der

Kaiserschnitt rette vielen Kindern und Müttern das Leben, so Kretschmar-Zimmer. Der Eingriff sei eine Notfall-OP - und das sollte er auch bleiben. Frauen, die gezielt mit dem Wunsch nach einem Kaiserschnitt in die Klinik kommen, erlebt Professorin Pauline Wimberger von der Dresdner Universitäts-Frauenklinik nur selten. „Dann klären wir die Frauen intensiv über die Risiken auf.“

Eine Geburt zum Wunschtermin, etwa weil den Eltern der 9.9. gefalle, gebe es nicht. Wenn ohnehin ein Kaiserschnitt anstehe, könne man zwar über den einen oder anderen Tag reden. „Aber Sicherheit von Mutter und Kind gehen vor.“ Die Dresdner Frauenklinik behandelt viele Risikoschwangerschaften und schwierige Fälle - die Kaiserschnittrate liegt bei rund 30 Prozent. 751 Babys von insgesamt 2275 wurden im Vorjahr per Kaiserschnitt geholt.

„Bei Frühgeburten oder Entbindung von Mehrlingen gibt es oft keine andere Möglichkeit“, so Wimberger. Dennoch räumten die Ärzte so oft es gehe einer natürlichen Geburt Vorrang ein. Das zeigen auch die aktuellen Zahlen, die für Sachsen bereits vorliegen: Im Vorjahr kamen im Freistaat 23,8 Prozent und damit 8066 der Kinder per Kaiserschnitt zur Welt. Insgesamt wurden laut Statistischem Landesamt 33.903 Mädchen und Jungen in sächsischen Krankenhäusern geboren.

Am Universitätsklinikum Leipzig liegt die Rate der Kaiserschnitte bei rund 28 Prozent. Angesichts der großen Zahl an Frühgeburten von jährlich mehr als 700 sei das ein geringer Anteil, hieß es. „Als großes Geburtszentrum mit viel Erfahrung können wir auch bei besonderen Fällen wie Beckenendlagen oder Zwillingsschwangerschaften oft eine natürliche Geburt ermöglichen“, erklärt Holger Stepan, Direktor der Geburtsmedizin.

Bei der Beckenendlage kommt das Kind mit dem Po zuerst auf die Welt. Das Klinikum Chemnitz zählte im Vorjahr 1414 Geburten; davon wurden 26 Prozent operativ unterstützt. In ländlich gelegenen Kliniken ist die Quote meist geringer, weil hier weniger Frühgeburten behandelt werden. So sank sie in der Helios Klinik Leisnig (Mittelsachsen). Lag sie vor drei Jahren noch bei etwa 30 Prozent, kommen mittlerweile weniger als 18 Prozent der Babys per Kaiserschnitt zur Welt.

Am Klinikum Görlitz wurden im Vorjahr bei 755 Geburten 185 Schnitte vorgenommen. Das entspricht rund 24 Prozent. Torsten Nadler, Chefarzt der Frauenklinik, will auch künftig unter 25 Prozent bleiben: „Die Spontangeburt liegt uns am Herzen, da es - sofern kein Risiko vorliegt - der natürliche Weg für Mutter und Kind ist.“

Der Kaiserschnitt verdankt seinen Namen Julius Caesar. Der Legende nach soll der spätere römische Imperator durch einen Kaiserschnitt auf die Welt gekommen sein. In der Deutung von Plinius ist „Caesar“ von „der aus dem Mutterleib Geschnittene“ abgeleitet. Aus „Caesar“ entwickelte sich der Begriff Kaiser - so wurde später aus dem „cäsarischen Schnitt“ der Kaiserschnitt.

Dass Caesar wirklich per Schnittentbindung zur Welt kam, ist aber eher unwahrscheinlich. Bis ins 19. Jahrhundert führten Kaiserschnitte meist zu einem qualvollen Tod der Mutter. Die erste bekanntgewordene erfolgreiche „Sectio caesarea“ an einer Lebenden soll um 1500 in der Schweiz vorgenommen worden sein.

Den ersten für Mutter und Kind erfolgreichen Kaiserschnitt in Deutschland nahm Jeremias Trautmann 1610 in Wittenberg vor. Mittlerweile kommen in Deutschland immer mehr Babys auf diesen Weg zur Welt. Lag die Kaiserschnitt-Quote 1991 noch bei 15,3 Prozent, stieg sie 2012 bundesweit auf 31,9 Prozent.

dpa

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