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Wer krallt sich Deutschlands größtes Katzenmuseum?

Wer krallt sich Deutschlands größtes Katzenmuseum?

Leipzig/Katzenstein/Bobenneukirchen. Berlin hat das Brandenburger Tor, Dresden den Zwinger und Görlitz seine Altstadt. Für Städte, die noch nach einem Alleinstellungsmerkmal suchen, böte sich in jedem Fall das größte deutsche Katzenmuseum an.

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Ausgewiesene Katzenexpertin: Renate Oeser wollte die versprengten Samtpfoten ins Vogtland holen.

Quelle: Roland Herold

Das existiert nämlich bisher nur auf dem Papier. Und sein Inventar sucht gerade eine Bleibe.

"Nach der Sage sollen in Katzenstein zwölf mit Gold und Edelstein gefüllte Truhen vergraben sein, die aber der Burggeist Baldrian so gut bewacht, dass der Schatz wohl auf ewige Zeiten verborgen bleibt." Geradezu prophetisch lesen sich die Zeilen auf der Internetseite der imposanten Burg Katzenstein, die schon vor vielen Jahren ins Netz gestellt wurden.

Aber nur wenige Auserwählte und Eingeweihte wissen, dass hier im Baden-Württembergischen tatsächlich eine Art Bernsteinzimmer schlummert. Genau genommen müsste man von einem ­Katzengoldzimmer sprechen. Denn hoch über dem rauschenden Katzenbach lagern schätzungsweise 70 Kartons mit insgesamt rund 15000 Katzenfiguren! Nur so zum Vergleich: Im Deutschen Katzenmuseum im bayrischen Traunstein befinden sich nach eigenen Angaben gerade mal 6000 Exemplare.

Eigentlich kommen sie aus Frankfurt/M., wo ein rühriger Förderkreis Katzenmuseum seit 1994 auf Märkten, Auktionen und in Läden alle Samtpfoten, die nicht bei drei unter dem Ladentisch sind, mit dem Ziel sammelt, sie in einem Museum zu vereinen. Bisher allerdings vergeblich. Ein geeigneter Standort ließ sich nicht finden.

Auch die Bemühungen der einstigen Leipziger Professorin an der Hochschule für Musik und Theater, Renate Oeser (79), den Schatz nach Kürbitz ins Vogtland zu holen, schlugen fehl. Und wenn man Kürbitz heute nicht in einem Atemzug mit New York, Moskau oder Sidney nennt, könnte das unter Umständen auch daran liegen, dass der Ort die ihm gebotene historische Chance leichtfertig ungenutzt ließ.

"Ich schätze den Gesamtwert der Sammlung, die da jetzt auf Burg Katzenstein liegt, auf rund 200000 Euro", sagt Oeser. Sie selbst hat (katzenschlau) sich über 1500 Stubentiger-Figuren gesichert und damit im nahe gelegenen Bobenneukirchen einen Katzenerlebnispark mit Katzen-Café, Katzen-Kunst-Kabinett, Katzen-Souvenir-Verkauf und Katzenpension eröffnet. Der geht - wem wundert's - ab wie Schmidts Katz'!

Doch zurück zur Burg Katzenstein. Dorthin also war die Sammlung der Frankfurter Samtpfoten-Gemeinde gekommen, in der Hoffnung auf eine Dauerausstellung. "Ein Glücksfall", jubelte die Frankfurter Katzenlobby auf ihrer Internetseite. Aber zu früh, wie sich bald herausstellte.

Mittlerweile nämlich zeigt man sich die Krallen und verkehrt nur noch über Anwälte. Was ist geschehen? Die Familie Walter, der Betreiber der Burg, will die Sammlung nämlich geschenkt oder zumindest zu einem symbolischen Preis erwerben.

"Wir bauen doch hier kein Museum für was-weiß-ich-viele hunderttausend Euro, wenn dann irgendein Enkel vielleicht das Recht hat, Exponate zurückzuholen", faucht die Burgherrin. Nach langem Katz-und-Maus-Spiel ist das Tischtuch nunmehr entgültig zerschnitten und die klare Botschaft der Katzensteiner lautet: "Wir wollen die Sammlung nicht mehr. Die Kisten stehen zur Abholung bereit!"

Nun streunen die Frankfurter Katzenfreunde erneut durch die Lande auf der Suche nach einem Quartier. Die Odyssee geht weiter. Burg Scharfenstein bei Leinefelde-Worbis im Eichsfeld schien kurzzeitig eine gute Alternative. Die Thüringer bekundeten durchaus Interesse - aber nur gegen Miete!

So bleibt der Katzenschatz vorerst weiter ungehoben. Denn dass es einer ist, kann nicht bestritten werden. Wenn es auch noch keinen Internationalen Verband der Katzenmuseen gibt, so ist doch bekannt, dass in Moskau in einer Sammlung 7000 Figuren stehen, im spanischen Lloret de Mar 6000 und in Amsterdam 5000. Aber 15000 Katzenfiguren würden eben nicht nur passionierte Katzenfreunde schnurren lassen. Sie wären in jedem Klein-Paris der Louvre.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.05.2013

Roland Herold

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