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"Wettlauf mit der Zeit" - Hochwasser tränkt Brandenburgs Deiche

"Wettlauf mit der Zeit" - Hochwasser tränkt Brandenburgs Deiche

Das Hochwasser im Osten Deutschlands hält Anwohner und Krisenstäbe in Atem. Der Hochwasserscheitel mehrerer Flüsse erreichte - aus Sachsen kommend - am Donnerstag den Süden Brandenburgs und bewegte sich flussabwärts.

Cottbus/Herzberg. Auch Sachsen-Anhalt war am Donnerstag vom Hochwasser betroffen. Dort war in dem kleinen Ort Meuselko ein Deich gebrochen. Häuser mussten evakuiert werden.

„Wir müssen die kommende Nacht noch überstehen“, sagte Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) der Nachrichtenagentur dpa. „Es ist ein Wettlauf mit der Zeit.“ Immer mehr Sorgen bereitet den Fachleuten der mehrtägige Druck auf die Dämme.

Nach einem Deichbruch an der Schwarzen Elster bei Meuselko rief der Landkreis Wittenberg Katastrophenalarm aus. Betroffen sei ein Gebiet beiderseits des Flusses von der Landesgrenze zu Brandenburg bis zum Stadtgebiet von Jessen. Rund 200 Einwohner der Orte Meuselko und Löben sollten deshalb in Sicherheit gebracht werden.

Das Brandenburger Innenministerium warnte derweil in Bad Liebenwerda und in Herzberg vor Dammrutschungen wegen des Hochwassers. Am gesamten Verlauf der Schwarzen Elster hätten zahlreiche Sickerstellen an den Dämmen mit Sandsäcken gesichert werden müssen, teilte das Ministerium am Donnerstagabend mit. Auch an der Neiße bei Klein Bademeusel seien Stellen entdeckt und gesichert worden, an denen Wasser durchsickerte. Die Helfer seien immer wieder von Schaulustigen bei ihrer Arbeit behindert worden, hieß es. Insgesamt seien am Donnerstag mehr als 2000 Helfer im Einsatz gewesen.

Seit Dienstag wurden nach Angaben des Ministeriums 860.000 Sandsäcke, 300 Feldbetten sowie eine Sandsackfüllmaschine und andere Materialien in die verschiedenen Hochwasserregionen in Südbrandenburg transportiert. Besonders kritisch sei die Lage nach wie vor an der Schwarzen Elster im Kreis Elbe-Elster. Betroffen seien aber auch die Landkreise Oberspreewald-Lausitz, Dahme-Spreewald und Spree-Neiße. In dem Ort München bei Bad Liebenwerda musste unterdessen das dortige Oktoberfest abgesagt werden - die Festwiese stand unter Wasser.   

Die hohen Wasserstände könnten noch bis zum Wochenende anhalten, sagte Wolfgang Genehr vom Landesumweltamt in Cottbus. Auch im Westen Polens war die Situation angespannt. Die Flutwelle auf der Lausitzer Neiße traf Gubin und Umgebung. In der Stadt an der Grenze zu Deutschland seien 14 Straßen unterspült worden, meldete die polnische Nachrichtenagentur PAP. Der Fluss stieg am Donnerstagnachmittag auf 6,17 Meter, das waren nur 12 Zentimeter weniger als bei der Flut im August.   

In Sachsen entspannte sich die Lage. Noch sei aber nicht abzuschätzen, welche Folgen die Überflutung von Feldern in der Landwirtschaft haben werde, sagte der Landrat des Kreises Görlitz, Bernd Lange (CDU). Auch an der Oder wurde die erste Stufe des Hochwasseralarms ausgelöst. In ihrem Quellgebiet und den Nebenflüssen hatte der Regen der vergangenen Tage das Wasser steigen lassen.   

Die zeitweise überflutete Autobahn A 13 wurde am Donnerstag wieder in beiden Richtungen freigegeben. Auch die Bundesstraße B 169 zwischen Lauchhammer und Plessa war wieder für den Verkehr frei. Die Bundeswehr kündigte den Einsatz von Hubschraubern an, um Material zu Sickerstellen bei Bad Liebenwerda zu transportieren.   

Deutschland braucht nach Ansicht der brandenburgischen Umweltministerin Anita Tack (Linke) dringend einen nationalen Plan zum Hochwasserschutz. „Es ist höchste Eisenbahn“, sagte sie der dpa.   

Für Elsterwerda und Bad Liebenwerda wurden unterdessen stagnierende Wasserstände der Schwarzen Elster von rund 3,50 Meter gemeldet. Das ist doppelt so hoch wie sonst. Derweil stieg der Pegelstand im flussabwärts gelegenen Herzberg weiter leicht an und lag Donnerstagmittag bei 3,65 Meter.   

Die Deiche bereiteten den Verantwortlichen Sorgen. „Die Dämme der Schwarzen Elster sind viele Jahrzehnte alt“, sagte ein Sprecher des Katastrophenstabes in Herzberg.

Von der am Mittwoch eingeleiteten freiwilligen Evakuierung in der Innenstadt von Elsterwerda in Brandenburg waren nach Angaben des Katastrophenstabes etwa 2700 Personen betroffen. „Wir wissen aber nicht, wie viele Bewohner ihre Wohnungen verließen und wann sie wieder zurückkehren können“, sagte der Sprecher. „Wegen der angespannten Lage können wir noch keine Entwarnung geben.“

Mehr als 100 Patienten eines Krankenhauses wurden in andere Kliniken gebracht. Vorsorglich für etwa 500 Bewohner eingerichtete Notunterkünfte seien nicht genutzt worden. In dem Landkreis blieben 16 Schulen gesperrt. Einige sollten am Freitag wieder öffnen.   

An der Talsperre Spremberg wird zur Entlastung der Spree wieder wie beim Hochwasser im August kontrolliert Wasser abgelassen. Die Menge wurde schrittweise auf 65 Kubikmeter pro Sekunde erhöht. Das ist fast das Zehnfache wie zuvor.

dpa

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