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Widerstand gegen Transall-Flüge in Roitzschjora wächst – Entscheidung vertagt

Widerstand gegen Transall-Flüge in Roitzschjora wächst – Entscheidung vertagt

Eine Entscheidung, ob die Bundeswehr in Roitzschjora landen und starten darf, soll in der kommenden Woche fallen. Gegen die Pläne des Heeres formiert sich Widerstand, seit die LVZ darüber berichtete, dass die Militärs im Löbnitzer Ortsteil Roitzschjora für den Einsatz in Afghanistan üben möchten.

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Quelle: dpa

Roitzschjora. Der Vorsitzende des Fliegerklubs Roitzschjora relativiert den öffentlichen Aufschrei.

Der Antrag der Bundeswehr, die mit der C-160 auf dem unbefestigten Flugplatz in Nordsachsen üben möchte, wird derzeit vom sächsischen Ministerium für Wirtschaft und Arbeit geprüft, wie

Martina Pirk,

Pressesprecherin im Ministerium, am Mittwoch auf LVZ-Nachfrage informierte. „Wir gehen davon aus, dass die Entscheidung Anfang bis Mitte nächster Woche fällt“, so Pirk.

Gerold Weber,

Vorsitzender des Fliegerklubs Roitzschjora, ist überrascht, in welcher Breite das Thema in der Öffentlichkeit diskutiert wird. „Wir wussten, dass es Bedenken geben wird, haben aber nicht damit gerechnet, wie das Ganze jetzt politisch ausgeschlachtet wird.“ Sein Verein ist nicht nur Betreiber des Verkehrslandeplatzes, sondern auch der Eigentümer des Flugfeldes. 2006 erwarb der Fliegerklub die Flächen vom Landkreis Delitzsch. Er selbst sei kein Fan des Militärischen, aber als „Flieger wissen wir, was es für Piloten bedeutet, auf unbefestigten Pisten starten und landen zu müssen. Das muss geübt werden“, so Weber. Deshalb sei die Entscheidung des Vereins von der Einsicht in die Notwendigkeit getragen. Kein Verständnis hat Weber für Politiker, die die Übungsflüge jetzt ablehnen, deren Parteien aber für den Afghanistan-Einsatz verantwortlich sind. Großen Gewinn erwartet der Fliegerklub im Übrigen nicht, denn die Militärs wollen den Platz kostenlos nutzen. „Wir bekommen keine öffentlichen Gelder, müssen für alles selbst aufkommen, deshalb wollen wir zumindest unsere Unkosten gedeckt sehen“, erklärt der Vereinschef.

Bezüglich der Lärmbelästigung teilt Weber nicht die Befürchtung vieler anderer. „Im November hat die Bundeswehr mit der Transall fünf Anflüge geprobt, ohne zu landen. Und keiner hat es bemerkt, zumindest gab es keine negativen Reaktionen aus dem Dorf.“ Letztlich handele es sich um zwölf Starts und Landungen im Monat und das nur wochentags. Und er bricht noch eine Lanze für die Transportflieger: „Häufig fliegen sie auch humanitäre Einsätze im Ausland. Das wird oft vergessen“, argumentiert Weber.

Der Flugplatz liegt auf Gemarkung der Gemeinde Löbnitz und teilweise auf Bad Dübener Boden. Das Ministerium hat der Stadt Bad Düben am Mittwoch den Antrag der Bundeswehr auf Nutzung des Verkehrslandeplatzes Roitzschjora übermittelt. Der Antrag betreffe einen „eng befristeten Zeitraum“, bestätigte Bürgermeisterin

Astrid Münster

(FW). Gleichzeitig erging die Aufforderung an die Stadt Bad Düben, bis Freitag zu diesem Antrag Stellung zu nehmen. Dieser Aufforderung werde die Stadt fristgemäß nachkommen.

Die Bürgerinitiative (BI) Tiglitzer Forst, die sich gegen eine militärische Nutzung des Waldgebiets nahe der Stadt Bad Düben engagiert, hat nunmehr das Augenmerk ihrer Arbeit auf die angekündigten Bundeswehr-Übungsflüge in Roitzschjora gerichtet. Wie der evangelische Pfarrer

Ralf Kühlwetter-Uhle

vom Kirchspiel Authausen, der zugleich Sprecher der BI ist, mitteilte, bereite die BI derzeit eine Unterschriftenaktion vor. „Wir wollen außerdem eine Bürgerversammlung in Tiefensee veranstalten“, erklärte der Pfarrer. Die BI verstehe sich als Friedensinitiative und lehne grundsätzlich die „Durchführung aller militärischen Übungen“ ab. Die Stadt Bad Düben liegt etwa zehn Kilometer vom Flugplatz entfernt, der Stadtteil Tiefensee gar nur vier Kilometer. In der Kurstadt befürchten die Bürger unter anderem Einbußen in der Lebensqualität durch mögliche Tiefflüge, die Lärm verursachen könnten.

Und auch die Grünen und die Linke sprechen sich gegen die Übungsflüge aus. „Bei allem Verständnis dafür, dass Soldaten das Fliegen mit Transall-Maschinen üben müssen, ist mir unklar, warum nicht mit offenen Karten gespielt wird. Politik und betroffene Bewohner gehören rechtzeitig informiert“, kommentiert

Gisela Kallenbach

, umweltpolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im sächsischen Landtag, den Bericht in der Leipziger Volkszeitung. Wenn die Bundeswehr Militärflüge auf dem Flugplatz Roitzschjora in der Dübener Heide plane, müsse sie mit Widerstand rechnen. Eine öffentliche Diskussion über die Gesamtstrategie der Militärflüge sei überfällig.

Für

Michael Friedrich

, Vorsitzender der Linksfraktion im Kreistag und Gemeinderat in Löbnitz, ist Nordsachsen kein Kriegsübungsplatz. Er spricht von einem „Affront gegen die Mehrheitsmeinung der Bevölkerung“ und habe noch keinen getroffen, der diese Pläne gut findet. „Es ist naiv, wenn Bürgermeister Wohlschläger glaubt, bei zu großer Lärmbelästigung die Übungsflüge noch abbrechen zu können. Bei jedem Windrad gibt es zuvor eine Anhörung“, so der Sausedlitzer. Er regt fraktionsübergreifend eine Willensbekundung an, in der sich Löbnitz strikt gegen die militärischen Übungsflüge aussprechen werde.

pfü/nf/ts

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