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Wieder Protest gegen Flüchtlinge in Freital – Gegendemonstranten stellen sich vor Unterkunft

Fremdenfeindliche Demos Wieder Protest gegen Flüchtlinge in Freital – Gegendemonstranten stellen sich vor Unterkunft

Lutz Bachmann nennt es das „Glücksritter-Heim“. Seine Anhänger ruft er auf, sich gegen die Asylbewerberunterkunft in der Pegida-Hochburg Freital bei Dresden zu wehren. Doch sie stoßen auf Widerstand.

Protest von Flüchtlingsuntersützern gegen fremdenfeindliche Demo vor dem Hoten in Freital.

Quelle: dpa

Dresden/Freital . „Auf die Straße, Leute! Wehrt Euch!“: Dem Facebook-Aufruf von Lutz Bachmann folgen am Dienstagabend rund 80 Menschen. Sie stehen in Gruppen auf dem Rasen und vor den hellen Wohnblocks in der Straße Am Langen Rain in Freital – der Stadt nahe der sächsischen Landeshauptstadt Dresden, zu der auch der Pegida-Gründer enge Verbindungen hat. „Wir haben nichts gegen Bürgerkriegsflüchtlinge“, sagt Sebastian. „Aber die da hinten sind keine Bürgerkriegsflüchtlinge. Das sind Wirtschaftsflüchtlinge, die denken, sie könnten hier machen was sie wollen.“

Die da hinten – das sind die Bewohner des ehemaligen Hotels „Leonardo“. Seit Wochen gibt es gegen die Unterbringung der Asylbewerber Proteste in der nur 20 Autominuten vom Zentrum Dresdens entfernten Stadt. Seit die Landesdirektion am Montag angekündigt hat, hier neben den rund 100 bereits vom Landkreis untergebrachten Flüchtlingen noch Platz für bis zu 280 weitere zur Erstaufnahme zu schaffen, schlagen die Wellen hoch.

„Die sind doch alle kriminell“, tut eine Frau mit schwarz-rot-goldenem Deutschland-Hut kund. „Sie beobachten die Mädchen beim Sportunterricht in der Schule.“ Ihre Begleiter nicken zustimmend, sprechen zynisch von „Kulturbereicherern“ und „Fachkräften“, die „hier nicht hergehören“. „Alle haben ein Messer in der Tasche“, weiß einer zu berichten. Und natürlich immer die neuesten Handys. „Aber das dürfen sie ja nicht schreiben, sonst verlieren sie ihren Job“, sagt er den Journalisten von der „Lügenpresse“.

Es sind dieselben Vorurteile, das selbe Vokabular, das man auch montags bei den Pegida-Kundgebungen in Dresden hört, zu denen allwöchentlich noch immer zwischen ein- und zweitausend Menschen strömen, darunter nicht wenige aus Freital. Bachmann selbst nennt die Flüchtlingsunterkunft dort bei Facebook ein „Glücksritter-Heim“.

„Lutz B. auch vor Ort“, postete die Initiative „Freital wehrt sich. Nein zum Hotelheim“ schon während der ersten Proteste gegen die Erstaufnahmeeinrichtung am Montagabend. Vier Dutzend Polizisten stehen zwischen den Unterkunftsgegnern und etwa 200 Gegendemonstranten, die nach eigenem Bekunden die Asylsuchenden in ihrem Hotel gegen „rechte Angriffe“ schützen wollen. Zunächst bleibt es bei Beschimpfungen, vereinzelt fliegen Eier.

Auf ihrer Rückfahrt nach Dresden werden aber später in der Nacht mehrere Flüchtlingsunterstützer in ihrem Auto von zwei Fahrzeugen verfolgt und bedrängt. An einer Tankstelle schlägt ein Angreifer mit einem Baseballschläger auf die Frontscheibe des Wagens ein. Ein Insasse wird leicht verletzt. Inzwischen ermittelt das für Extremismus zuständige Operative Abwehrzentrum. Auch Sachsens Ausländerbeauftragter Geert Mackenroth (CDU) ist besorgt, sieht die zunehmende Aggressivität bei den Protesten. „Manche Formulierungen der Rädelsführer enthalten zumindest zwischen den Zeilen Aufrufe zu Gewalt gegen Personen und Sachsen - dies ist inakzeptabel“, meint er.

„In Freital haben wir seit Wochen ein echtes Problem“, sagt Sachsens Grünen-Landesvorsitzender Jürgen Kasek, der Dienstagabend nach Freital gefahren ist, „um klar Position gegen Rassismus zu beziehen.“ Doch ungeachtet dieses Problems habe die Staatsregierung hier eine Erstaufnahmeeinrichtung eröffnet, „ohne eine Sicherheitskampagne zu fahren“. Deshalb habe er größten Respekt vor den Menschen, die sich schützend vor die Flüchtlinge stellen. „Das, was hier geschieht, macht mir Angst“, sagt Kasek. In Sachsen erlebe man seit Pegida eine „Verschiebung des Diskussionsrahmens“. Positionen, die sonst nicht offen geäußert wurden, würden nun offensiv ausgesprochen. „Und wenn das dann noch durch die Politik transportiert wird, schafft das die Stimmung für eine Eskalation.“ Zwei junge, dunkelhäutige Männer stehen vor dem Hotel und schauen dem Treiben lächelnd zu.

„Seit zwei Tagen sind wir hier“, sagen sie. Aus Indien seien sie gekommen, um in Deutschland Asyl zu beantragen. Geflohen vor der Unsicherheit in ihrer Heimat. Die Verständigung ist holprig. Was die Demonstranten da hinten auf dem Rasen vor den Wohnblocks wollen, scheinen sie nicht wirklich zu verstehen. „Wir fühlen uns gut, wir sind sicher hier in Deutschland.“

Martin Fischer

Freital 51.000867 13.651241
Freital
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Rassistische Demonstrationen
Asylfeindlicher Protest vor dem ehemaligen Hotel in Freital.

Seit Tagen wird vor dem Asylbewerberheim in Freital demonstriert. Die einen wollen die Flüchtlinge am liebsten weghaben, die anderen stellen sich schützend vor sie. In dieser aufgeheizten Stimmung besucht der Ministerpräsident das Heim.

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