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Wohnungsmarkt in Leipzig: Verdeckter Wahlkampf mit Linken-Politikerin?

Redaktion verschweigt Tätigkeit Wohnungsmarkt in Leipzig: Verdeckter Wahlkampf mit Linken-Politikerin?

Blogger haben im Netz eine Debatte um einen Beitrag der MDR-Umschau losgetreten. Darin ging es um Mietsteigerungen in Leipzig. Zitiert wird Franziska Riekewald als „Normalverdienerin“. Dass sie Bundestagskandidatin der Linken ist, bleibt unerwähnt.

Franziska Riekewald (Die Linke) wurde von der MDR-Redaktion nicht als Politikerin gekennzeichnet.

Quelle: Screenshot

Blogger haben im Netz eine Debatte um einen Beitrag der Umschau des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) losgetreten. Darin ging es um Mietsteigerungen in Leipzig. Zitiert wird die Leipzigerin Franziska Riekewald als „Normalverdienerin“. Dass sie auch Bundestagskandidatin der Linken ist und stellvertretende Fraktionschefin im Stadtrat, bleibt unerwähnt.

Der Beitrag stammt vom 22. August. Titel: „Was die Mieten steigen lässt“. Die Linken-Bundestagskandidatin für den Wahlkreis 152 (Leipzig-Nord) Franziska Riekewald wird darin zitiert – allerdings als „Normalverdienerin“. Dass die 37-jährige Angestellte und Mutter von zwei Kindern auch Politikerin ist und sich gerade im Wahlkampf befindet, bleibt unerwähnt. Eine ursprüngliche Version des Beitrags, in dem Riekewald noch den Vornamen „Anja“ trug, hat der MDR inzwischen korrigiert und sich auf seiner Homepage entschuldigt. Im Untertitel trägt Riekewald jetzt den richtigen Vornamen, wird aber weiterhin nicht als Direktkandidatin identifiziert.

Pikant: Das Thema Mietsteigerung und Gentrifizierung ist in Großstädten das Leib- und Magenthema der Linken, spätestens seitdem es in Berlin gut lief. „Ich sehe eigentlich keinen Fehler auf meiner Seite“, sagte Riekewald am Sonntag auf LVZ-Anfrage. Aber aus ihrer Sicht spiele ihre politische Funktion für den Beitrag keine Rolle. „Ich bin eine ehrenamtliche Stadträtin, normale Angestellte und Mutter.“ Insofern stehe sie für die „ganz normale Mittelschicht“. Kritikpunkt im Beitrag: Der vierköpfigen Familie ist ihre 90-Quadratmeter-Wohnung im Waldstraßenviertel zu klein; bezahlbare Alternativen gebe es nicht. Auch Normalverdiener müssten sich geeigneten Wohnraum im Waldstraßenviertel leisten können, so Riekewald.

CDU sucht Fehler bei den Linken - MDR antwortet nicht

In einem Blog der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wurde das Thema am Wochenende groß aufgegriffen. Als Erstes war dem Autoren des Blogs „Scheidende Geister“ die Ähnlichkeit zwischen „Anja Riekewald“ und der Linken-Politikerin „Franziska Riekewald“ aufgefallen. Er fragte: Lässt der MDR eine Politikerin der Partei Die Linke unter falschem Namen über Mieten im Osten jammern? Im Netz kochte das Thema hoch. Thomas Feist sprach bei Facebook von „Propaganda live“. Das sei „fairer Wahlkampf und Transparenz in der Lesart der Linken“, so der CDU-Direktkandidat im Leipziger Süden.

„Ich habe mich ganz normal auf eine öffentliche Suche hin gemeldet“, erklärte Riekewald ihren Auftritt im MDR-Beitrag. Auf einen über die Linken gespielten Aufruf für den Beitrag per Twitter hatte der MDR offenbar keine „normalen“ Familien gefunden, die Probleme bei der Wohnungssuche haben. Bleibt also die Frage, wie gravierend das Problem tatsächlich ist. Der Branchenverband IVD Mitte-Ost hatte vor Kurzem zwar auf steigende Mieten auch in Leipzig hingewiesen. So werden hier für neu gebaute Wohnungen in Toplagen Spitzenmieten von 13,60 Euro verlangt (2013: zwölf Euro). Insgesamt bewege sich das hiesige Mietniveau aber weiter deutlich unter dem Bundesdurchschnitt, so der IVD. Hier kostet der Quadratmeter bei mittlerem Wohnwert 6,54 Euro; in Leipzig sind es 5,85 Euro.
Eine Anfrage beim MDR blieb am Sonntag unbeantwortet.

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