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Zentrales Frauengefängnis für Mitteldeutschland soll 2014 fertig sein

Zentrales Frauengefängnis für Mitteldeutschland soll 2014 fertig sein

Chemnitz. Die 23-jährige Stefanie sitzt wegen wiederholten Schwarzfahrens im Knast. Die Kellnerin aus Chemnitz hat es vergleichsweise gut, da sich ihr Gefängnis am Wohnort befindet.

Durch Arbeit in der Wäscherei hat sie sich die 70 Hafttage verkürzt, am kommenden Montag will sie die Justizvollzugsanstalt (JVA) an der Reichenhainer wieder von außen sehen. „Ich gehe dann erstmal zu McDonalds", sagt Stefanie. So toll sei das Essen im Gefängnis nicht. Ansonsten scheint sie zufrieden. Die Beamten seien nett. Ihre Freunde weiß sie in der gleichen Stadt, sie können schneller mal kommen.

Für das Gros der reichlich 200 Frauen in der JVA Chemnitz ist das anders. 2008 hatten Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen vereinbart, alle ihre weiblichen Häftlinge an einem Ort zu konzentrieren. Während Frauen aus den beiden Freistaaten schon längere Zeit zusammen „sitzen", sind die aus Sachsen-Anhalt erst seit einem halben Jahr dabei. Dem längeren Anfahrtsweg nach Chemnitz stellt die am Montag aus Magdeburg angereiste Justizministerin Angela Kolb (SPD) Vorteile gegenüber. Man brauche nun mal eine bestimmte Anzahl von Gefangenen, um sie differenziert unterzubringen und ihnen Angebote zu machen. „Ich habe mich mit zwei Frauen unterhalten. Sie möchten nicht wieder zurück", berichtet Kolb.

Gemeinsam mit ihrem sächsischen Kollegen Jürgen Martens (FDP) und Thüringens Justizminister Holger Poppenhäger (SPD) ist sie in Chemnitz, um das länderübergreifende Gefängnis kennenzulernen und über dessen Zukunft zu reden. Denn die JVA soll größer werden und ab 2014 dann 410 Haftplätze statt der derzeit 240 bieten.

Thüringen und Sachsen planen zudem einen Männer-Knast im Grenzgebiet beider Länder. Dafür hätten schon einige Städte Interesse angemeldet, hieß es. Einen Zeitplan gibt es indes noch nicht. Während die Chemnitzer JVA für Minister Martens das „größte funktionierende Beispiel einer Zusammenarbeit der mitteldeutschen Bundesländer" ist, bleibt er für die Insassen „Freiheitsentzug". Wer die Zeit hier nutzt, kann sich aber für das spätere Leben in Freiheit gut rüsten. Das Angebot reicht von Haupt- und Realschulkursen und beruflicher Ausbildung über Schuldnerberatung und soziales Kompetenztraining bis hin zu Kunsttherapie, Sport, Yoga, Strickkurs oder Theater. 80 Prozent der Frauen sind zudem in gefängniseigenen Werkstätten wie der Näherei beschäftigt.

Das neueste Angebot heißt etwas sperrig „tiergestützte Maßnahme". Hier arbeiten die „Underdogs" mit Hunden. Es geht um Kompetenzen wie Ausdauer, Einhalten von Regeln oder Selbstwertgefühl. „Sie müssen dabei auch auf Körpersignale der Hunde achten. Gerade Gewalttäter haben oft ein Problem, Kommunikationssignale richtig zu deuten", weiß der Psychologe Tobias Berndt. Außerdem helfen Gefangene bei der Ausbildung von Blindenhunden. Sie bringen ihnen einfache Kommandos bei und erhalten dabei zugleich eine Lehrstunde in eigener Sache - so die Einsicht, dass autoritäres Auftreten allein kaum effektiv ist.

„Wir möchten den Willen zur Mitwirkung stärken", sagt JVA-Leiter Frank Wigger und spricht von einem differenzierten Strafvollzug. Frauen mit langen Haftstrafen werden von denen mit kurzen getrennt, Ersttäterinnen von erfahrenen „Knastis", Jugendliche von Älteren. Perspektivisch soll es einen Raum für Langzeitbesuche geben, die berühmte Liebeszelle. Eine Mutter-Kind-Station ist auch für den „geschlossenen Vollzug" geplant. Dort dominiert die Modefarbe grün in einem grellen Ton. Nach Angaben von Wigger findet das keine einhellige Zustimmung. Dabei steht grün für Hoffnung.

dpa

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