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Zu große Schnitzel im Vogtland - Gastwirt steht in Chemnitz vor Gericht

Zu große Schnitzel im Vogtland - Gastwirt steht in Chemnitz vor Gericht

Wirt Gerhard Kaltscheuer tischt seine Speisen so auf, wie seine Kunden sie lieben: üppig und günstig. Sein Lokal im vogtländischen Hammerbrücke bei Chemnitz liege nun mal ziemlich abgelegen, sagt der gebürtige Rheinländer.

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Der Gastwirt Gerhard Kaltscheuer hat ein mächtiges Problem: Seine Schnitzel sind zu groß. Was hungrige Arbeiter in sein Bistro im Vogtland lockt, weckte beim Finanzamt den Verdacht auf Steuerhinterziehung.

Quelle: dpa

Dresden/Hammerbrücke. „Da muss man dem Kunden schon was bieten für sein Geld, wenn er extra von der Bundesstraße abbiegt.“

Reich wird man damit wohl nicht - allerdings verdächtig für das Finanzamt. Die zuständige Plauener Behörde befand, dass die eingekauften Mengen Lebensmittel auffällig wenig Umsatz und Gewinn erwirtschafteten - und schickte einen Steuerprüfer.

Der stellte nach seinem Besuch im Juli 2010 eine ganz eigene Rechnung über die Einnahmen des Bistros auf. Er vermutete, dass Schnitzel und andere Speisen viel kleiner verkauft würden, Kaltscheuer und seine Lebensgefährtin und Lokalinhaberin Regina Unger also in Wahrheit viel mehr verkauften und sich einen Teil des Erlöses am Fiskus vorbei in die Tasche steckten.

Als reinen „Willkürakt“ empfindet Kaltscheuer die Prüfung des Behördenmannes. Gern lässt er die Riesenschnitzel filmen, die in seiner Pfanne zischen und oft mehr als 200 Gramm auf die Waage bringen sollen. Seine Stammkunden arbeiten in der Forstwirtschaft oder auf dem Bau, sie kämen mit großem Hunger, sagt Kaltscheuer.

Der Prüfer allerdings, sagt Kaltscheuers Anwalt Heinz-Dieter Gollmar, glaubt in seinem Bericht an 166-Gramm-Schnitzel und 80-Gramm-Nudelportionen. Kaltscheuer hat mal nachgerechnet. „Von seiner ursprünglichen Höhe für eine Steuernachzahlung ausgehend“, sagt er, „hätten wir täglich 270 Gerichte verkaufen müssen“. Sein Bistro zähle vielleicht 60 Gäste. An guten Tagen.

Mittlerweile sind es laut Anwalt nach ersten Abschlägen 25.000 Euro Steuern, die die Staatsanwaltschaft Chemnitz von den Wirtsleuten einfordert. Hinzu kämen rund 9000 Euro Strafe für die angeblich falschen Angaben auf den Einkommen- und Umsatzsteuererklärungen von drei Jahren.

Kaltscheuer wirft dem Finanzamt Plauen vor, ihn vernichten zu wollen, er fühlt sich von der Behörde unter Generalverdacht gestellt, „dass alle, die mit Bargeld arbeiten, Steuersünder sind“. 2006 hatten er und seine Lebensgefährtin die „Futterstube“ als eigenen Laden eröffnet, davor hatten sie ein anderes Gebäude für die Wirtschaft gepachtet. Mittlerweile schreibe der Laden bescheidene schwarze Zahlen, aber natürlich seien noch Kredite offen. Kaltscheuer: „Wenn wir das Geld wirklich zahlen sollen, können wir zusperren“.

Das Finanzamt Plauen will den Vorgang nicht kommentieren, für die Amtsleitung ist der sogenannte Schnitzel-Krieg eine „rein strafrechtliche Angelegenheit“. Doch widerspruchslos will sich der 50-Jährige nicht zum Steuersünder stempeln lassen. Dreimal hat er bereits auf dem Plauener Altmarkt demonstriert, die Presse kontaktiert, den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft abgelehnt.

Mittlerweile habe er ähnlich Betroffene kennengelernt. Er sei kein Einzelfall, es sei „typisch, dass das Finanzamt die Kleinen ruiniere, weil sie an die Großen nicht rankämen“. So sieht er das. So sieht es auch sein Anwalt. Für das Verfahren vor dem Amtsgericht am Mittwoch geben sich beide kämpferisch.

Juliane Wienß, dpa

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