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Zu konservativ? Sächsische Pfarrer kritisieren Landesbischof

Kurs der Landeskirche Zu konservativ? Sächsische Pfarrer kritisieren Landesbischof

Reformation 2.1 in der evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsen: Fast auf den Tag genau ein Jahr nach Einführung von Carsten Rentzing (48) als neuem Bischof regt sich in Pfarrer- und Gemeindekreisen Widerstand gegen das konservative Erscheinungsbild der Landeskirche.

Die Leipziger Peterskirche (Archivbild)

Quelle: André Kempner

Leipzig. Reformation 2.1 in der evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsen? Fast auf den Tag genau ein Jahr nach Einführung von Carsten Rentzing (48) als neuem Bischof regt sich in Pfarrer- und Gemeindekreisen Widerstand gegen das überwiegend konservative Erscheinungsbild der sächsischen Landeskirche und Rentzings Ablehnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. Für kommenden Sonnabend, 27. August, laden Kritiker des Bischofs daher zu einem 1. Offenen Forumstag in die Leipziger Peterskirche ein. Ziel sei eine „tolerante, weltoffene und menschliche“ Kirche, betonte Christoph Maier, Pfarrer der Leipziger Bethlehemgemeinde in der Südvorstadt, für die Initiative „Forum für Gemeinschaft und Theologie“.

Um der Zukunft Willen brauche es einen Dialog zwischen den verschiedenen Geisteshaltungen innerhalb der Landeskirche, so der 41-jährige Maier. „Allerdings sind liberale Positionen, etwa in der Debatte um homosexuelle Paare in evangelischen Pfarrhäusern, momentan arg unterrepräsentiert.“ Der Forumstag in der Peterskirche, zu dem sich bis Dienstag 130 Gemeindeglieder und Geistliche aus ganz Sachsen angemeldet hatten, wolle sich – „in dem Versuch, Einheit in der Vielfalt zu leben“ – um einen neuen Geist, um frischen Wind bemühen, so Maier.

„Uns eint das Bewusstsein, dass sich Kirche stets verändern muss, um sich treu zu bleiben“ – so jedenfalls lautet das Credo der Initiative, die seit Pfingsten im Internet unter www.frei-und-fromm.de firmiert. „Mich schmerzt gerade besonders, wie die Landeskirche Sachsen von außen wahrgenommen wird“, sagte Initiativensprecher Maier. Natürlich solle auch das Altbewährte in ihr weiter seinen Platz haben, „aber augenblicklich trennen Liberale und Konservative tiefe Gräben. Und Grabenkämpfe wollen wir nicht.“

Ungeachtet dessen sehen er und seine Mitstreiter es als problematisch an, dass Bischof Rentzing auch nach seiner Amtsübernahme im August 2015 „das Gesicht der Sächsischen Bekenntnisinitiative geblieben ist“. Für diese kirchliche Strömung, die unter anderem den Missionsauftrag der Christen betont, hatte er im Vorfeld seiner Wahl maßgebliche Schriften verfasst. „Unser Landesbischof bemüht sich zwar, alle zu repräsentieren, doch das führt dazu, dass er zu den drängenden innerkirchlichen und gesellschaftlichen Themen überwiegend nichts mehr sagt“, monierte Maier.

Erst am Dienstag hatte sich Rentzing in einem Interview für die LVZ zu Wort gemeldet – und dabei betont, „mit meinen theologischen Einsichten nicht hinter dem Berg zu halten“. Zugleich dürfe in der evangelischen Welt widersprochen werden. Zum Thema Homosexualität merkte der gebürtige West-Berliner und promovierte Theologe an, dass er wegen seiner ablehnenden Haltung zur gleichgeschlechtlichen Liebe in Sachsen kaum angefeindet werde. „Die Zustimmung überwiegt deutlich. In diesen klassischen Lebensfragen denken weite Teile der Basis offenbar sehr traditionell“, sagte er. Zur Kritik aus dem Kirchenbezirk Leipzig – und damit implizit zum geplanten Forumstag in der Peterskirche – meinte Rentzing: „Ich begrüße den theologischen Diskurs ausdrücklich. Leipzig, das habe ich mir von meinen Amtsvorgängern sagen lassen, war schon immer etwas unbequem. Vielleicht ist es für eine Landeskirche aber gar nicht schlecht, Orte zu haben, an denen sehr frei gedacht wird.“

Dominic Welters und Matthias Pankau

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