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Zu wenig Vorsorgeuntersuchungen bei Vierjährigen in Sachsen

Zu wenig Vorsorgeuntersuchungen bei Vierjährigen in Sachsen

In Sachsen werden die gesetzlichen Forderungen für Vorsorgeuntersuchungen bei Kindern nicht erfüllt. Besonders schlecht schneiden dabei neben Nordsachsen die Landkreise Meißen, Bautzen und Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ab.

Dresden. Laut Kindertagestättengesetz soll es für Kinder im Alter von vier Jahren eine Vorsorgeuntersuchung geben. Verantwortlich ist dafür der medizinische Dienst der Landkreise und Kreisfreien Städte (Dresden, Leipzig, Chemnitz). Es geht um Hör- und Sehtests, motorische und sprachliche Fähigkeiten und viele mehr.

"Diese Untersuchung ist wichtig, weil eventuelle Defizite in den zwei Jahren bis zur Schule noch ausgeglichen werden können", erklärt der Sozialpolitiker der CDU-Landtagsfraktion Alexander Krauß. Eine Anfrage von ihm beim sächsischen Sozialministerium legt jedoch offen, dass landesweit nur 87,9 Prozent der Kinder eine entsprechende Untersuchung angeboten bekommen. Landkreise wie Nordsachsen, Meißen oder Sächsische Schweiz-Osterzgebirge liegen teilweise noch deutlich darunter.

Für Krauß ist das eigentlich "nicht hinnehmbar". Bei eigenem Ärztemangel könnten die Kommunen die Aufgabe auch an niedergelassene Mediziner übertragen. Krauß befürchtet aber, die Sache werde "nicht ganz so ernst genommen". Für die Kinder sei das fatal. Schließlich würden sich Defizite bei der Sprache oder der Bewegung, wenn sie nicht abgebaut werden, über Jahre fortschleppen und die Kinder auch noch in ihrer Entwicklung an der Schule beeinträchtigen. Das kann auch lebenslange Folgen haben. Die Untersuchungen seien auch deshalb wichtig, weil die Schwäche der Kinder häufig soziale Ursachen hätten. Der Nachwuchs bewege sich zu Hause zu wenig, mit den Kindern werde nicht genügend gesprochen. Abhilfe für die Defizite ist in einem solchen Umfeld dann auch kaum zu erwarten. Deshalb müssen nach Krauß' Ansicht die Kommunen "immer hinterher sein", um die Untersuchungen abzusichern. Schließlich zeige etwa der Erzgebirgskreis, dass es auch im ländlichen Gebiet möglich ist, eine gute Quote zu erreichen.

 

Die Landkreise verweisen jedoch auf massive Personalprobleme. So heißt es in Bautzen, das Gesundheitsamt des Landkreises habe eine ganze Palette von Untersuchungen abzuwickeln: Kita-, Einschulungs- und Schuluntersuchungen, Gutachten für Förderschulkinder. Immer dürften nur Jugendärzte zum Einsatz kommen. Davon habe der Landkreis derzeit drei, zwei weitere wären nötig. Angesichts des allgemeinen Ärztemangels konnte bislang niemand eingestellt werden. Der Gesundheitsdienst in der Verwaltung sei für junge Ärzte in Bezug auf Bezahlung und Arbeitsaufgaben wenig attraktiv. Auch die Zusammenarbeit mit der regionalen Klinik könne die seit längerem bestehenden Defizite nicht bewältigen.

Und Hoffnung gibt es wohl auch wenig: "Der derzeitige Mangel an qualifizierten Fachkräften in den Gesundheitsämtern ist ein generelles Problem aller sächsischen Landkreise, für das sich auf längere Sicht leider auch noch keine konkrete Gesamtlösung abzeichnet", erklärt Franziska Snelinski vom Landkreis Bautzen.

Auch dem Sozialministerium bleibt nicht viel mehr als zu konstatieren: "Die Hauptursache für die Nichterfüllung der vorgeschriebenen Untersuchungen ist der Personalmangel". Die Situation sei "noch nicht flächendeckend zufriedenstellend", erklärt Ralph Schreiber, Sprecher von Sozialministerin Christine Clauß. Die Anstrengungen aller Beteiligten - Kommunen, Ärztekammer, Kassenärztliche Vereinigung, Ministerium - hätten in der Vergangenheit jedoch schon zu deutlichen Verbesserungen geführt. Betroffenen Eltern rät er: Wer keinen Termin angeboten bekommen hat, kann selbst beim Gesundheitsamt um einen Nachholtermin bitten.

Ingolf Pleil

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