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Zukunft ungewiss: Wird die Spaßflotte auf der Elbe ausgebootet?

Zukunft ungewiss: Wird die Spaßflotte auf der Elbe ausgebootet?

Die Zukunft von Flößen und Sportbooten auf Bundeswasserstraßen wie der Elbe und der Saale ist mehr als ungewiss. Skipper und Vermieter der Wasserfahrzeuge fürchten um ihre Existenz, weil das Bundesverkehrsministerium dieses Gewerbe erst ganz verbieten wollte, nach vielfachen Protesten vorerst aber zurückruderte und das Verbot für die laufende Saison vorerst ausgesetzt hat.

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Ein Leichtfloß vor der Silhouette der Dresdener Altstadt.

Quelle: Privat

Dresden. In aller Ruhe treibt das Floß der Marke Eigenbau auf die Kulisse der Dresdner Altstadt zu. Auf Expeditionskisten sitzend, genießen die Fahrgäste die Aussicht und dazu einen Drink. Den Luxus der Langsamkeit genießen, so lautet eines der Verkaufsargumente für das bunte Treiben auf der Elbe. Als ein Dampfschiff vorbeischnauft, wird gewunken. Druschba heißt das exotische Katamaran-Floß, Freundschaft. Doch wird die Freundschaft derzeit auf eine harte Probe gestellt: "Wenn die Politik das Ruder nicht bald rumreißt, dann fahren wir jetzt unsere letzte Saison", sagt Floßvermieter Roman Kreisel.

Seit acht Jahren bietet der gelernte Kaufmann und Diplom-Geologe Fahrten auf den selbstentwickelten Flößen im Elbtal zwischen Bad Schandau und Meißen an, setzt auf sanften Tourismus und Nähe zur Natur. Doch seit Jahresbeginn schwebt eine geänderte Verordnung wie ein Damoklesschwert über ihm und anderen Kleinunternehmern. Die sogenannte Binnenschiffsuntersuchungsordnung schreibt seit Jahresbeginn vor, dass Anbieter von Sportbooten und Flößen nicht mehr Boot und Skipper an Interessenten vermieten dürfen. Weil damit Hunderten Existenzgründern an Elbe, Havel, Saale und Spree das Wasser abgegraben wäre, ruderte das Bundesverkehrsministerium im März zurück und setzte die bestehende Verordnung per Erlass bis zum Jahresende aus. "Das verschafft uns ein bisschen Luft, mehr aber auch nicht", sagt der 38-jährige Kreisel, der den "Berliner Radikalschlag" für völlig überzogen hält.

Um Wettbewerbsverzerrungen zu Lasten der Weißen Flotte in Berlin zu begrenzen, untersagte das neue Gesetz praktisch über Nacht, dass Anbieter auf Bundeswasserstraßen Passagiere mit Sportbooten transportieren dürfen. Bliebe es dabei, "dann müssten wir zumachen", befürchtet auch Thomas Frenzel von Charterboote Dresden. Für Elbe-Taxi-Chef Nico Cüppers ist es "ohne eine langfristige Perspektive schwierig bis unmöglich, nötige Investitionen zu stemmen".

Auf eine rechtssichere Lösung für die vielen Kleinanbieter drängt auch der Landestourismusverband Sachsen. "Die Zukunft der Betreiber ist ungewiss, die Angebotsvielfalt, von der der sächsische Tourismus lebt, getrübt", sagt Verbandspräsident Andreas Lämmel. "Die derzeitigen Bestimmungen gefährden nicht nur die Angebotsvielfalt im Reiseland, sondern auch die Existenz touristischer Kleinanbieter", erklärt Lämmel. Der CDU-Bundestagsabgeordnete plädiert für einen vernünftigen Umgang mit Sicherheits- und Umweltbelangen.

"Diese Verordnung aus dem Bundesverkehrsministerium ist ein Paradebeispiel für den laut wiehernden Amtsschimmel", stimmt auch Matteo Böhme in den Kanon der Kritiker ein. Der tourismuspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Dresdner Stadtrat sagt: "Gerade im Bereich der Oberelbe in und um Dresden haben sich in den vergangenen Jahren zahlreiche Anbieter mit individuellen und originellen Angeboten etabliert. Deren Existenzgrundlage ist akut bedroht." Die Liberalen wollen alle Möglichkeiten ausschöpfen, "um diesen bürokratischen Schildbürgerstreich zu beenden".

Zum Hintergrund der gesetzlichen Neuregelung sagte Matthias Schmoll, Sprecher des Bundesverkehrsministeriums, dass "im Interesse der Sicherheit der Passagiere der zunehmenden Praxis begegnet werden sollte, eine Art Fahrgastschifffahrt mit Sportbooten zu betreiben. Während Fahrgastschiffe den hohen technischen Anforderungen der Binnenschiffsuntersuchungsordnung unterliegen, bestehen für das Gros der zur Vermietung vorgesehenen Sportboote solche sicherheitstechnischen Bauvorschriften nicht." Dieses "Sicherheitsgefälle zulasten der transportierten Personen", so Schmoll, verzerre außerdem den Wettbewerb. Bundesverkehrsminister Ramsauer habe die in der öffentlichen Diskussion in den letzten Wochen vorgebrachten Argumente aufgegriffen, "vor allem was wirtschaftliche Schwierigkeiten für einige Anbieter angeht. Deshalb werden die Vorschriften nochmals überprüft und eine angemessene neue Ausnahmeklausel erarbeitet." Jan Mücke (FDP), Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesverkehrsminister und der Dresdner Bundestagsabgeordnete Arnold Vaatz (CDU) stellten eine neue Regelung für 2014 in Aussicht.

Dass dann auch Bootsführer an Bord bleiben dürfen, hofft Flößer Kreisel: "Denn wer die Tücken der Elbe mit Hoch- und Niedrigwasser kennt, würde sein Boot nie und nimmer in die Hände von Laien geben." Zudem sei die Situation auf der Elbe keineswegs mit der im Berliner Raum zu vergleichen. "Wir pflegen hier ein gutes und friedliches Miteinander", betont der Geschäftsführer der Sächsischen Dampfschiffahrt, Sebastian Meyer-Stork. "Wegen der völlig verschiedenen Zielgruppen kann ich keinen Wettbewerb zwischen unseren Raddampfern und den kleineren Booten für Individualtouristen erkennen."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.05.2013

Winfried Mahr

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