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„luba lupka“ ist ältester Beleg in Niedersorbisch

„luba lupka“ ist ältester Beleg in Niedersorbisch

Liebesbotschaft eines Träumers oder nüchterner Kommentar eines Studenten? Zehn um 1510 in ein Buch gekritzelte Worte sind der älteste bisher bekannte Beleg in niedersorbischer Sprache.

Görlitz. Der Leiter des Handschriftenzentrums der Universitätsbibliothek Leipzig, Christoph Mackert, sprach am Freitag bei der Präsentation in Görlitz von einem außerordentlichen Fund. „Das älteste sorbische Sprachzeugnis in schriftlicher Form datierte bisher aus der Mitte des 16. Jahrhunderts“, sagte er. „Die zweite Besonderheit ist, dass es sich um das Fragment eines weltlichen Textes handelt.“ Bisher seien nur Rechtstexte, Gerichtsakten, Eide und Kirchendokumente in sorbischer Sprache überliefert.

Der Satz „Ach moyo luba lupka / biß weßola thy sy / my luba (Ach meine liebe Liebste, sei fröhlich, du bist mir lieb)“ steht auf Seite 258 des Buches, das von Studenten im Dominikanerkloster Luckau zum Ordensstudium verwendet wurde. „Die Texte dienten zum Erlernen der lateinischen Sprache“, erklärte Handschriftenexperte Matthias Eifler. Das Buch mit dem Jahreseintrag 1510 und der Ortsangabe Luckau enthalte Psalmen der Bibel, einen humanistischen und zwei antike Texte. „Ovids „Remedia amoris“ - eine Trostschrift für unglücklich Liebende - und die Komödie „Andria“ des römischen Dichters Terenz.“

Überall in dem Buch sind Anmerkungen, Kommentare und Randnotizen. „Auch zwischen den Zeilen und in deutscher Sprache“, sagte Eifler. Auf Seite 258 rechts oben dann kam ihm ein mit Tinte und Feder geschriebener Satz slawisch vor. Er zog Professor Eduard Werner vom Leipziger Institut für Sorabistik hinzu. „Hier hat man ein Stück aus dem Leben“, sagte er. Ob es sich dabei um den Ausdruck eines Gefühls oder einen Kommentar zu der Komödie handele, in der es um Wirrungen der Liebe gehe, sei unklar.

„Es könnte das Stück eines Liebesgedichtes sein, das ein Student kannte und aufgeschrieben hat“, meinte Mackert. Diese Textgattung sei im Sorbischen aber erst im 18. Jahrhundert belegt. Für Eifler könnte es durchaus auch ein verliebter Student oder sogar ein Mönch geschrieben haben. „Wir wissen es aber nicht.“ Im Dunkeln liegt, wie das 280-seitige Buch nach Jauernick kam, wo es der Pfarrer in den 1990er Jahren auf dem Dachboden fand und mit weiteren Werken an das Archiv des Bistums Görlitz übergab.

„1830 war es im Verzeichnis der Pfarrbibliothek vermerkt“, sagte Eifler. Das 1510 in Luckau von einem Dominikanermönch abgeschriebene Buch gehört zu 94 mittelalterlichen Handschriften, die im Leipziger Handschriftenzentrum untersucht werden. Vorerst bleibt es auch dort und kommt dann wieder ins Bistumsarchiv. „Die Suche geht weiter“, sagte Mackert. Sorabistiker Werner rechnet mit weiteren Funden. „Ich bin sicher, dass es nicht der älteste Sprachbeleg überhaupt ist.“

Simona Block, dpa

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