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Absurdistan auf Autobahn: Christian Cohn plaudert aus dem Nähkästchen

Absurdistan auf Autobahn: Christian Cohn plaudert aus dem Nähkästchen

Falsch laufende Pferde, klaustrophobische Tunnelverwei­gerer und erfahrungshungrige Schnarchnasen mit Asphaltkontakt - Christian Cohn, der Pressesprecher der in Hermsdorf ansässigen Thüringer Autobahnpolizei, berichtet täglich von Unfällen, Verkehrsverstößen, Geschwindigkeitskontrollen oder Staus.

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Christian Cohn von der Autobahnpolizei Thüringen

Quelle: Polizei

Hermsdorf. In der Regel ernst, mitunter aber auch heiter: Absurdistan auf der Autobahn.

Cohn ist eine Frohnatur. Aber genau das erwartet man nicht. Denn mehrfach täglich kracht es auf den Autobahnen in Thüringen. Der Pressesprecher der zuständigen Autobahnpolizei verarbeitet diese Infor­mationen zu Meldungen, auf die Zeitungen, Radio und das Fernsehen zurückgreifen. "Wir sind für 515 Autobahnkilometer zuständig. Durch Thüringen führen die Autobahnen 4, 9, 38, 71, und die 73. Da ist jeden Tag was los. Und was man da zu sehen bekommt - naja", sagt der 36-Jährige und schweigt kurz. Dann sagt Cohn, der seit dem Jahr 2000 in ­Thüringen lebt: "Aber auf den Autobahnen gibt es nicht nur schlimme Unfälle, endlose Staus oder Raserei. Da gibt es am Rande auch viele kleine Geschichten."

Wert liegt auf Details

Wenn Cohn Zeit und Muße für diese kleinen Geschichten findet, kommt beispielsweise so etwas in den Redaktionsstuben an: "Fahrer klaut Diesel aus eigenem Firmen-LKW", "Stuhl sucht Besitzer - bei Arnstadt vom Anhänger gefallen?" oder "Polizei rettet verstörte Schildkröte".

Eine Meldung wert war dem gebürtigen Wolgaster auch eine PKW-Fahrerin, die mit ihrem Auto vor dem Rennsteigtunnel stoppte und kein Stück weiter wollte. "Wie sich nach Eintreffen meiner Kollegen herausstellte, litt sie unter einer Art Tunnelphobie", erzählt Cohn. "Das ist eine Sonderform der Klaustrophobie." Dummerweise habe die Frau die Abfahrt verpasst und den Tunnel nicht mehr umfahren können. Die Beamten beruhigten sie und begleiteten sie durch den 7900 Meter langen Tunnel. "Helfen ist auch Teil des Polizeialltags, deshalb berichte ich davon."

Wert legt der Oberkommissar auf Details. Etwa im Bericht über ein entlaufenes Pferd auf der Autobahn 9 im Baustellenbereich in der Nähe von Dittersdorf. Hier lässt Cohn die Medien wissen, dass die Beamten das Pferd leicht einfangen konnten. Weil: "Es hatte sich mittlerweile entschieden, auf der richtigen Fahrbahn zu laufen." Und es hatte einen Halfter um. Solche Details seien wichtig, sagt Cohn, um "wildes Kopfkino" zu vermeiden. "Schließlich fragt sich der eine oder andere: Wie haben die denn das Pferd eingefangen, hatten die ein Lasso bei? Haben sie das Tier womöglich noch verletzt? Das würde eine Flut von Anrufen provozieren."

Andere Details bedürfen keiner Kommentierung. So berichtet er von einem Notruf. Ein Mann würde regungslos neben der A 9 liegen. In der Mitteilung Cohns heißt es: "Die alarmierten Beamten konnten tatsächlich vor Ort einen schlafenden Mann feststellen und aus der Gefahrenzone bringen. Der 34-Jährige aus Gera gab auf Nachfrage zu seinem Handeln an, er wolle ,eine neue Erfahrung' machen."

In der Thüringer Autobahnpolizeiinspektion mit Sitz am Hermsdorfer Kreuz, steht das Telefon fast nie still. "Es gibt vor allem Nachfragen bei Verkehrseinschränkungen, zu Geisterfahrern und nicht ganz so alltäglichen Unfällen", sagt der Polizist und runzelt die Stirn. "Etwa wenn ein Lastwagen umkippt, der Bier geladen hat oder stapelweise Männermagazine." Mitunter fährt er vor Ort und gibt dann direkt den Pressevertretern Auskunft.

Verfolgung längste Meldung

Bevor sich Cohn auf die Stelle des Pressesprechers beworben hat, studierte er an der Verwaltungsfachhochschule der Polizei und ermittelte beim Landeskriminalamt in der Landeshauptstadt Erfurt sowie der Kriminalpolizei in Gera. "Klingt spannend, aber die Arbeit bei der Autobahnpolizei ist nicht minder aufregend", sagt der schlanke Mann. Zum Beweis erzählt er von der Verfolgungsjagd eines Geländewagens, der wegen zu hoher Geschwindigkeit aufgefallen war. Der Fahrer flüchtete bei der Kontrolle, rammte auf der A 9 mit seinem Auto einen Streifenwagen, fuhr von der Autobahn ab und prallte kurze Zeit später gegen einen Mast.

"Bei uns liefen die Informationen im Minutentakt ein. Es sollte der längste Bericht werden, den ich je abgesetzt habe", schildert Cohn. "Selbst nach dem Unfall gab der Mann nicht auf, schlug sich zu Fuß in die Büsche. Wir hatten über 40 Beamte, einen Hubschrauber und Fährtenhunde im Einsatz. Letztlich fanden wir den Mann in einem Gewächshaus." Das Fahrzeug hatte der 18-Jährige in Aachen gestohlen, wollte es offenbar über die Grenze in Richtung Litauen bringen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 01.07.2013

Andreas Dunte

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