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Altenburgerin tötet ihr Neugeborenes - Nachbarn und Bekannte sind geschockt

Altenburgerin tötet ihr Neugeborenes - Nachbarn und Bekannte sind geschockt

Der Anfang der Käthe-Kollwitz-Straße wirkt wenig einladend. Neben einer Brache mit Garagen stehen unweit des Großen Teiches in Altenburg zahlreiche Häuser leer.

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(Archivbild)

Quelle: dpa

Altenburg. Doch ein Doppelhaus sticht heraus: Ein Osterbaum mit bunten Eiern geschmückt, ein Stoff-Hase ziert eine Tür. Unvorstellbar, was nur wenige Meter von hier geschehen sein soll. Eine Mutter soll ihr Baby getötet haben.

Ärzte bemerken die Geburt

Sandra F. war wegen gesundheitlicher Beschwerden am Freitag im Klinikum Altenburger Land behandelt worden. Dabei stellten die Ärzte fest, dass die 29-Jährige kurz zuvor ein Kind auf die Welt gebracht haben musste. Das Krankenhaus hatte sie jedoch ohne den Säugling aufgesucht. Die Polizei durchsuchte daraufhin die Wohnung der Frau in der Altenburger Kollwitz-Straße und fand dort das leblose Baby. Noch in der Nacht zum Samstag rückte die Kriminalpolizei mit einem Großaufgebot an, um die Wohnung im Dachgeschoss des Hauses zu durchsuchen und Spuren zu sichern.

Am Morgen waren Teile des Treppenhauses abgesperrt. Auch die Altenburger Berufsfeuerwehr wurde gegen 8.30 Uhr alarmiert. Allerdings nur, um die beiden in der Wohnung befindlichen Katzen einzufangen und wegzubringen. Darauf deuten auch Fress- und Trinknäpfe sowie verschüttetes Futter vor der Wohnungstür hin. Allerdings will kaum jemand in der näheren Umgebung etwas von dem nächtlichen Polizeieinsatz mitbekommen haben. Einige Häuser gleich gegenüber sind ohnehin nicht mehr bewohnt.

Bewohner reagieren entsetzt

Die Bewohner des Hauses reagierten mit Entsetzen auf den Vorfall und wirkten gestern noch verstört. Eine Mieterin war mit Sandra F. befreundet, wollte sich aber überhaupt nicht äußern. „Ziehen Sie bloß Leine! Das ist Privatbesitz!", rief ein anderer ziemlich aggressiv. Dieser Ton will so gar nicht zu den gelben Wänden im gepflegten Treppenhaus passen. Sogar Blumen stehen hier im Fenster, das den Blick auf Parkplätze und Kinderspielzeug freigibt.

Einzig Jürgen Schönherr zeigte sich gesprächsbereit. Er könne sich das alles nicht erklären, sagte er der OVZ. „Was genau passiert ist, weiß ich nicht." Der Rentner beschreibt Sandra F. als lebenslustig, freundlich und ziemlich normal. Sie sei aber keiner geregelten Arbeit nachgegangen. Er selbst habe nicht bemerkt, dass sie schwanger war, was sie offenbar mit weiten Kleidern verdecken wollte. Auch die Geburt habe er nicht mitbekommen.

Etwa seit drei Jahren wohnte die junge Frau mit ihrem Lebenspartner in der Wohnung ganz oben links, mit dem es jedoch ab und an Spannungen gegeben haben soll. Doch das tote Baby ist nicht Sandra F.s einziger Nachwuchs. Denn nach OVZ-Informationen hat sie bereits ein dreijähriges Kind, das seit Sonnabend nun bei den Großeltern wohnt.

Die Staatsanwaltschaft Gera beantragte gestern gegen die Mutter Haftbefehl. Es bestehe der dringende Verdacht der vorsätzlichen Tötung, erklärte gestern Jens Wörmann, Sprecher der Staatsanwaltschaft, auf Nachfrage. Allerdings entscheidet sich erst heute, ob er auch vollstreckt wird. Denn die 29-Jährige liegt noch im Krankenhaus. Es müsse erst geklärt werden, ob und wann sie hafttauglich sei. Die genaue Todesursache und der genau Todeszeitpunkt des Kindes stehe noch nicht fest. Hier müssten die endgültigen Ergebnisse der gerichtsmedizinischen Untersuchungen abgewartet werden, so Wörmann weiter. „Fest steht jedoch, dass das Mädchen bei der Geburt gelebt hat und nicht missgebildet war. Der Tag der Geburt muss um dem 8. März herum gelegen haben."

Tod weckt Erinnerungen an 2005

Das tote Baby weckt indes Erinnerungen an ein andereres Verbrechen in Altenburg. Silvester 2005 wurden im Keller eines Einfamilienhauses in der Zeitzer Straße zwei Babyleichen entdeckt, die dort einbetoniert waren. Wahrscheinlich waren sie schon seit Anfang der 1990er-Jahre dort eingemauert. Die Mutter hatte die Tötung abgestritten, war jedoch zu neun Jahren Haft verurteilt worden.

Jens Rosenkranz, Jörg Wolf und Thomas Haegeler

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