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Angeklagter gesteht Schleusung von Flüchtlingen

Prozess in Dresden Angeklagter gesteht Schleusung von Flüchtlingen

Das schmutzige Geschäft mit der Schleusung von Flüchtlingen boomt. An der Not Vieler verdienen Wenige riesige Summen. Kriminelle Banden nehmen selbst den Tod von Menschen in Kauf. Im Dresdner Schleuser-Prozess hat der Angeklagte nun seine Taten gestanden.

Ein Polizist kontrolliert einen Kleintransporter. (Symbolfoto)

Quelle: dpa

Dresden. Im Dresdner Schleuser-Prozess hat der Angeklagte seine Taten gestanden und zugleich Details aus dem skrupellosen Geschäft krimineller Banden geschildert. Der 34 Jahre alte Mann, der  keinen Führerschein besitzt, gab am Dienstag zum Prozessauftakt am Landgericht Dresden zu Protokoll, dass er mit den erwarteten 3000 Euro Schleuser-Lohn Schulden in seinem Heimatland Bulgarien begleichen wollte. Danach habe er aus dem Geschäft wieder aussteigen wollen.  

Einer der beiden in Dresden angeklagten Fälle hatte am 17. August 2015 für Schlagzeilen und Fassungslosigkeit gesorgt. Auf einem vergleichsweise kleinen Lastkraftwagen waren 81 Menschen von Ungarn ohne Pause bis nach Sachsen gebracht worden. Die Staatsanwaltschaft sprach am Dienstag von einer lebensgefährdenden Situation. Den Flüchtlingen fehlte auf engstem Raum die Luft zum Atmen, viele hatten Angstzustände. Bei ihrer Ankunft in Sachsen waren mehrere Betroffene so geschwächt, dass sie ärztlich versorgt werden mussten. Laut Anklage waren sie insgesamt 18 Stunden lang eingepfercht. Unter den Flüchtlingen befanden sich auch Frauen mit Babys. In der Mehrzahl waren Afghanen an Bord, aber auch Syrer, Iraker, Iraner und Pakistani.

Kurz nachdem er die Flüchtlinge aus dem Fahrzeug gelassen hatte, war der Angeklagte festgenommen worden. Nach eigenen Angaben war der Bulgare Teil einer Bande, zu der neben Landsleuten auch ein Araber und ein Pakistani gehörten. Der Mann aus Pakistan habe als Chef agiert.

Die Dresdner Staatsanwaltschaft sieht Parallelen zu einem Fall aus Österreich. Dort waren Ende August 2015 in einem abgestellten Lastwagen die Leichen von 71 Flüchtlingen entdeckt worden, die in einem Kühlfahrzeug qualvoll erstickt waren. Staatsanwalt Till von Borries wies auf Überschneidungen hin. Es gebe beispielsweise identische Handynummern, die bei beiden Schleusungen angerufen worden seien. Auch für die Tat in Österreich werden Bulgaren verantwortlich gemacht. Es hätte durchaus sein können, dass man den 34-Jährigen auch für den Lastwagen in Österreich eingeteilt hätte, hieß es. Die Vernehmung des Beschuldigten offenbarte Details über das zynische Geschäft der Schleuser. Demnach bevorzugen sie für ihre Fahrten Lastkraftwagen mit festen Aufbauten, weil Flüchtlinge immer wieder die Planen durchgeschnitten hatten, um besser Luft zu bekommen. Im Fall der Schleusung nach Sachsen hatte sie versucht, Notrufe an die Polizei in Tschechien abzusenden, was jedoch scheiterte. Der Lkw selbst konnte nur von außen geöffnet werden.  

Der Angeklagte hatte laut seiner Aussage strikte Anweisung, die Menschen während des Transportes nicht herauszulassen. Als sie später durch Klopfzeichen auf ihre bedrohliche Situation hinweisen wollten, rief der Fahrer lediglich einen Komplizen an, weil er nicht wusste, wie er damit umgehen sollte: „Ich hatte keine andere Wahl“. Man habe ihm gesagt, die Flüchtlinge würden sofort davonlaufen, wenn er die Türen aufmache, er bekäme sie nie wieder auf die Ladefläche zurück.

Der Angeklagte sagte, er habe nicht gewußt, wie viele Menschen er in seinem Lastkraftwagen befördert. Beim Einsteigen habe er vorn am Wagen gestanden und Wache schieben müssen. In früheren Vernehmungen machte er dazu aber auch schon andere Angaben. Die Schleuser- Karriere des Bulgaren stand offenbar noch am Anfang. Er gab an, erst Ende Juli nach Ungarn gekommen zu sein, um diesen Job zu übernehmen.

Außer der Schleusung nach Sachsen wird ihm noch eine Fahrt mit zehn Flüchtlingen am 15. August von Ungarn nach Passau vorgeworfen. In Bulgarien hatte er wegen mehrere Diebstähle zweimal im Gefängnis gesessen. Nach Aussagen der Staatsanwaltschaft muss er für die beiden Schleusungen mit einer Gesamtstrafe von bis zu 15 Jahren Haft rechnen. Bis zum 21. März sind vier Verhandlungstage angesetzt, der nächste Termin ist der 2. März. Dann sollen auch drei Flüchtlinge in den Zeugenstand treten, die den Transport miterlebten.

LVZ

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