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Anneli-Prozess: Vater hatte Lösegeld zusammen

1,2 Millionen Euro Anneli-Prozess: Vater hatte Lösegeld zusammen

Im Prozess gegen die mutmaßlichen Entführer von Anneli-Marie hat der Vater der 17-Jährigen von den qualvollen Stunden nach dem Verschwinden seiner Tochter berichtet. Er habe alles versucht und das geforderte Lösegeld in Höhe von 1,2 Millionen Euro zusammengetragen, erklärte er am Montag vor dem Landgericht Dresden.

Die beiden mutmaßlichen Täter (l; 3.vl.) im Fall der ermordeten 17-jährigen Annelie stehen am 30.05.2016 zum Prozessauftakt in einem Verhandlungssaal im Landgericht in Dresden (Sachsen) neben den Rechtsanwälten Andrej Klein (2.v.l.), Dirk Simon und Rolf Franek (r).
 

Quelle: dpa-Zentralbild

Dresden.  Einer der mutmaßlichen Entführer der 17-jährigen Anneli-Marie hat die Tat im August 2015 laut Anklage lange vorher geplant. Er habe seine finanzielle Situation durch Erpressung aufbessern wollen, sagte Oberstaatsanwältin Karin Dietze am Montag zum Prozessauftakt am Dresdner Landgericht. Sie beschuldigte den 40-Jährigen, die Schülerin entführt und getötet zu haben. Seinem Komplizen wirft die Anklage erpresserischen Menschenraub mit Todesfolge vor.

Die Männer sollen die Tochter eines erfolgreichen Unternehmers am Abend des 13. August 2015 in Klipphausen (Landkreis Meißen) verschleppt und von deren Vater 1,2 Millionen Euro Lösegeld gefordert haben. Die Übergabe scheiterte aber. Der 40-Jährige hat laut Anklage die Gymnasiastin am nächsten Tag „zur Verdeckung einer anderen Straftat“ getötet. Er habe die Familie Wochen zuvor ausgekundschaftet und dann seinen Freund als Komplizen gewonnen, sagte Dietze.

Der gelernte Koch, der mit Basecap im Gerichtssaal erschien und keine Angaben machte, hatte sich laut Anklage Kabelbinder zum Fesseln und Äther besorgt. Er wusste demnach, dass und wo Anneli-Marie allabendlich mit dem Hund Gassi ging. Am 13. August sei er dann auf dem Feldweg nahe ihres Elternhauses auf die Jugendliche zugesprungen. Als der Betäubungsversuch scheiterte, „zerrte er das Mädchen in den Kofferraum und fesselte ihr Hände und Füße“, so Dietze. Später hielt er das sich wehrende Mädchen auf dem Rücksitz fest.

Anneli wurde Opfer eines Verbrechens.

Quelle: dpa

Nachdem der Hauptangeklagte Anneli-Maries Vater mit deren Handy angerufen und seine Forderung mit Drohungen unterlegt hatte, fuhren die Männer mit der Schülerin erst zur Talsperre Malter. Dort warfen sie ihr Handy ins Wasser. Für den Angeklagten habe da festgestanden, „dass Anneli-Marie im Falle des Überlebens die Täter wiedererkennen würde und den Entschluss gefasst, sie zu töten“.

Nur wenige Stunden später, im Schuppen eines Hofes in Lampersdorf, habe er dem an einen Stuhl gefesselten Opfer eine Plastiktüte über den Kopf gestülpt, ihm zusätzlich Kabelbinder und Spanngurt um den Hals gelegt, „und festgezogen“. Erst nach fünf Tagen erfolgloser Suche waren die Leiche des Mädchens gefunden und die Tatverdächtigen verhaftet worden.

Die Eltern und die ältere Schwester von Anneli-Marie verfolgten die Anklageverlesung wie erstarrt, aber gefasst. Der Vater der 17-Jährigen berichtete vor Gericht von den qualvollen Stunden nach dem Verschwinden seiner Tochter. Er habe alles versucht und das geforderte Lösegeld in Höhe von 1,2 Millionen Euro zusammengetragen, erklärte er am Montag vor dem Landgericht Dresden. Der Kontakt zu den Entführern sei jedoch abgebrochen.

Seit dem Tod der Tochter habe sich das Leben komplett geändert. „Das eigene Kind durch entsetzliche Umstände zu verlieren, zu Grabe zu tragen und den Verlust dauerhaft ertragen zu müssen, ist für mich...“, sagte der Vater, ohne seinen Satz beenden zu können.

Während der Mitangeklagte ausführlich über sein Leben Auskunft gab, aber nichts zur Sache sagte, saß der mutmaßliche Haupttäter reglos auf der Anklagebank. Ein Gutachten hatte seine Verhandlungsfähigkeit bestätigt. Für den Prozess hat das Landgericht Dresden zunächst 15 Verhandlungstage bis Ende August geplant.

Von LVZ

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