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Mehr als 250.000 Euro Schaden: Anschlag auf Linke-Parteitag bei Leipzig

Dutzende Scheiben zerstört Mehr als 250.000 Euro Schaden: Anschlag auf Linke-Parteitag bei Leipzig

Das Tagungsgebäude der sächsischen Linke in Neukieritzsch bei Leipzig ist Ziel eines Anschlags geworden. 34 große Scheiben wurden in der Nacht zum Sonntag zerstört. Das für Extremismus zuständige Operative Abwehrzentrum (OAZ) der Polizei ermittelt. Linke-Chef Gebhardt gibt sich kämpferisch.

Auf das Tagungsgebäude des Linken-Parteitags in Neukieritzsch ist in der Nacht zum Sonntag ein Anschlag verübt worden. 34 Scheiben an der Park Arena wurden eingeworfen.

Quelle: Thimas Kube

Neukieritzsch/Leipzig. Glasscherben liegen um das gesamte Gebäude verteilt, der Schaden beläuft sich laut Polizei mindestens auf eine viertel Million Euro. Auf das Tagungsgebäude des Linke-Parteitags in Neukieritzsch (Kreis Leipzig) ist am Wochenende ein Anschlag verübt worden. Unbekannte warfen in der Nacht zum Sonntag 34 großflächige Scheiben der Park Arena ein. In der Mehrzweckhalle hatten sich die sächsischen Linken seit Samstag mit knapp 200 Delegierten zu ihrem zweitägigen Landesparteitag getroffen.

Unbekannte haben beim Landesparteitag der Linken das Veranstaltungszentrum angegriffen. Eine Glasfront wurde komplett zerstört.

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Die Polizei geht von einem politisch motivierten Hintergrund aus. "Das Operative Abwehrzentrum (OAZ) der Polizei ist in die Ermittlungen eingebunden. Ermittelt wird in alle Richtungen", sagte Polizeisprecherin Maria Braunsdorf der LVZ. Womit die Täter die Scheiben zerstört haben, war zunächst unklar. Die Mehrzweckhalle wurde wegen der Ermittlungen gesperrt. "Nahezu das gesamte Gebäude ist betroffen", so die Sprecherin. Bis zum Sonntagnachmittag waren Kriminaltechniker mit der Spurensicherung befasst. Danach begann die Fachfirma, die die Glasfassade montiert hatte, gemeinsam mit dem Bauhof, die geborstenen Scheiben zu entfernen.

Gebhardt: "Werden uns nicht einschüchtern lassen"

Trotz des Anschlags setzten die sächsischen Linken ihren Parteitag fort und wollen ihn auch - anders als zunächst geplant - beenden. Die knapp 200 Delegierten wichen in das Dachstübchen des Neukieritzscher Gemeindeamtes aus. Dort sollten weitere Mitglieder des Landesvorstands gewählt werden, erklärte ein Sprecher der Partei. „Wenn wir auch etwas improvisieren müssen.“ Die Stimmung auf dem Parteitag sei kämpferisch.

„Wir werden uns nicht einschüchtern lassen! Wir lassen uns nicht vertreiben“, erklärte Linke-Landeschef Rico Gebhardt, der am Samstag mit 78,3 Prozent der Stimmen wiedergewählt worden war. Gebhardt sprach von einem Anschlag, den er auf das Schärfste verurteile. „Wenn diejenigen, die das getan haben, auf uns als Partei zielten, so haben sie die Gemeinde Neukieritzsch getroffen.“ Das sei beschämend.

Unter anderem spielte auf dem Landesparteitag das Thema Asylpolitik eine große Rolle. In einem  Maßnahmepapier forderte die Linke etwa legale Fluchtwege nach Europa. Gebhardt sprach von einem Anschlag, den er auf das Schärfste verurteile. So etwas sei in den vergangenen 25 Jahren noch bei keinem Parteitag der Linken passiert. „Wir haben in Sachsen ein gewaltiges gesellschaftliches Problem, wenn politische Auseinandersetzungen auf eine so undemokratische Art und Weise geführt werden.“

Sportverein entsetzt - Notbetrieb im Laufe der Woche

"Eine Zerstörung dieses Ausmaßes kann sich niemand vorstellen", sagte Bürgermeister Thomas Hellriegel (CDU) der LVZ. Ohne den polizeilichen Ermittlungen vorgreifen zu wollen, gehe er davon aus, dass die Täter von außerhalb stammten. Ein Wachschutz bewache die Halle; die Notsicherung der Fassade mit Holz werde zu Wochenbeginn fortgesetzt. Hellriegel: „Im Laufe der Woche sollte zumindest ein Notbetrieb für den Sportverein möglich sein.“

Bei aller Bestürzung wäre das ein Lichtblick für Jens Hauschild, Vorsitzender der Sportfreunde Neukieritzsch. Der Neukieritzscher Verein, der sich auf den Breitensport konzentriert, ist der zweitgrößte Sportverein des Landkreises. In der fünf Millionen Euro teuren Parkarena, die seit drei Jahren genutzt wird, findet er hervorragende Trainings- und Wettkampfbedingungen.

Der Schreck für die rund 1000 Mitglieder der Sportfreunde Neukieritzsch saß tief. Sie fürchteten zunächst, für Wochen ohne Trainingsstätte zu sein. Die beiden für Sonntagnachmittag angesetzten Fußballspiele fielen aus. In der Halle absolvieren die 14 Abteilungen des Vereins Woche für Woche 40 Trainingseinheiten. Besonders bitter wäre ein längerer Hallenverzicht vor allem für die Senioren- und Behindertensportgruppen, so der Vorsitzende. Doch auch Fuß-, Volleyballer und Tennisspieler brauchten ein Dach über dem Kopf.

Auch Restaurant und Kulturveranstaltungen betroffen

Betroffen ist ebenfalls das Restaurant „Auszeit“, das sich im selben Gebäudekomplex befindet. „Wir mussten erst mal schließen, hoffen aber, dass wir am Montag provisorisch wieder öffnen können“, sagte Betreiber Karsten Jacob auf LVZ-Nachfrage. Die Eingangstür und eine Eckscheibe seien zerstört worden.

Dass bis zur Reparatur der Fassade viele Wochen vergehen könnten, sagte Henry Graichen (CDU), bisheriger Bürgermeister von Neukieritzsch und seit dem Sommer Landrat des Landkreises Leipzig. Er rechne damit, dass die Neubeschaffung des Spezialglases bis zu einem Vierteljahr dauert: „Die Lieferfristen sind lang.“

Ob das Festkonzert der Sächsische Bläserphilharmonie zum Tag der Deutschen Einheit wie geplant in dem Komplex stattfinde, sei offen: „Wir werden sehen, ob die Veranstaltung am 2. Oktober unter den gegenwärtigen Bedingungen durchführbar ist.“ Der Landrat äußerte sich über den Anschlag auf die Parkarena entsetzt: „Diese Form der politischen Auseinandersetzung ist einfach feige.“

es/nöß/dpa

Park Arena, Badstraße 6, Neukieritzsch 51.148392 12.409326
Park Arena, Badstraße 6, Neukieritzsch
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