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Autoklau am Airport Leipzig-Halle: Polizei fordert bessere Sicherung der Stellplätze

Videoüberwachung reicht nicht Autoklau am Airport Leipzig-Halle: Polizei fordert bessere Sicherung der Stellplätze

Die Autodiebstahl-Serie am Flughafen Leipzig-Halle reißt nicht ab. 2016 sind bereits 18 Audi am Flughafen verschwunden. Laut Polizei sind im vorigen Jahr am Airport sogar 54 Audi und zwölf weitere Pkw gestohlen worden. Die Beamten sehen den Flughafen in der Pflicht, die Plätze besser zu sichern.

Immer wieder werden am Flughafen Leipzig-Halle Autos von den Parkplätzen gestohlen.

Quelle: Olaf Barth

Leipzig. Verführerisch spiegelt sich  die Sonne im schwarzen Lack des Audi Q 7. So wie das hier am Terminalring abgestellte Fahrzeug aus Zwickau stehen am Dienstag weitere nicht ganz billige Ober- und Mittelklassewagen des selben Herstellers auf den Parkplätzen des Flughafens Leipzig/Halle. Die auswärtigen Urlauber oder Geschäftsleute glauben ihre Karossen auf den bezahlten Stellplätzen hinter der Schranke offenbar sicher aufgehoben. Wenn sie da mal nicht irren.

Wie die Polizeidirektion Leipzig auf LVZ-Anfrage mitteilte, wurden allein im vorigen Jahr am Airport 54 Audi sowie zwölf weitere Pkw gestohlen. 2014 waren es „nur“ 27 Fahrzeuge, davon elf Audi. Eine Zahl, die in diesem Jahr bereits übertroffen wurde: Inklusive der vorige Woche gemeldeten zwei Audi-Diebstähle sind 2016 bereits 18 Audi am Flughafen verschwunden.

„Wenn Fahrzeugnutzer Parkgebühren am Flughafen entrichten, stellen sie im Gegenzug auch gewisse Sicherheitsansprüche an denjenigen, der die Gebühren erhebt. Doch dessen Reaktion auf Anregungen der Polizei dürfte diese serviceorientierte Erwartungshaltung enttäuschen“, stellte Andreas Loepki fest.  Denn aus Sicht der Polizei reagiert der Flughafen auf diese Situation nicht so, wie er eigentlich müsste, um die vorhandenen Lücken im Sicherheitssystem bei den Parkplätzen zu schließen. Denn die von der Polizei „seit 2013 nachweislich und fortlaufend vorgetragenen Anregungen“ hätten beim Flughafen kaum Ergebnisse gebracht. Auch eine Beratung durch den Fachdienst Prävention zum Thema „Sicheres Unternehmen“ sei nicht in Anspruch genommen worden. So würde die Polizei zum Beispiel die Einbindung privater Wachdienste oder Sicherheitsunternehmen zur Parkplatzkontrolle besonders nachts befürworten. Auch die bauliche Sicherungstechnik, die deutlich dem Standard innerstädtischer Objekte hinterherhinke, müsse erweitert werden.

Videoüberwachung reicht nicht

„Noch weit bis in das letzte Jahr waren auf den Außenflächen und nur dort Domkameras vorhanden, die jedoch Zwecke der Verkehrsüberwachung verfolgten und nicht zuletzt auch qualitativ nicht in der Lage waren, verwertbare Bilder zu erzeugen. Davon abgesehen, fand keine ausreichende Aufzeichnung statt“, schildert Loepki die Zustände. Folglich seien erste Schritte des Flughafens bezüglich des Ausbaus der Videoüberwachung im Sommer 2015 richtig, jedoch noch lange nicht ausreichend.

Neben diesem geringfügigen Ausbau der Videoüberwachung wertet die Polizei als Teilerfolg, dass für den Parkplatz 20 eine Umfriedung erreicht werden konnte. „Doch solange die dortige Schrankenanlage durch nicht besonders kraftaufwendiges Hochdrücken überwunden werden kann, bleibt der Sinn natürlich auf der Strecke“, so Loepki. Vorschläge, solcherart Schrankenöffnung über Sensoren mit einer Alarmierung in Echtzeit auszurüsten, seien bisher unbeachtet geblieben.

Der Umgang des Flughafens mit diesem Thema stößt den Beamten so sauer auf, dass sie nun auch kein Blatt mehr vor den Mund nehmen: „Sicherlich wollen und können wir uns nicht gänzlich jeglicher Verantwortung entledigen und unsere Maßnahmen belegen, dass wir es auch nicht tun. Doch die Polizei ist eine aus Steuergeldern finanzierte Behörde, deren Aufgaben nicht darin bestehen, in Eigenverantwortung liegende Sicherheitsmängel privater Institutionen auszugleichen.“ 

Zu den erwähnten Maßnahmen gehören die Streifentätigkeit des Polizeirevieres Leipzig-Nord, des für den Flughafen zuständigen Bürgerpolizisten sowie der zusätzlichen Flughafenstreife im Fahrzeug. Dabei würden auch Kontrollen der Parkplätze und des Parkhauses geleistet, „wobei man natürlich ehrlich anmerken muss, dass bei der Vielzahl der Fahrzeuge und der Dynamik das Fehlen eines Fahrzeugs erstens nicht wirklich auffällt und zweitens in der regulären Abreise der Nutzer begründet sein kann“, schätzt  Loepki ein und sieht die Wirksamkeit der Streifen  vor allem in der Prävention durch sichtbare Präsenz. Bei den Kontrollen würden ab und an offene Fahrzeuge festgestellt. Eine kostenpflichtige Verwahrung zur Eigentumssicherung erfolge  in Einzelfällen und nach Würdigung, ob eine Diebstahlsgefährdung gegeben ist. Im letzten Jahr sei das rund 100 Mal vorgekommen.

Flughafen weist Vorwürfe zurück

Der Flughafen widerspricht der Darstellung der Polizei, dass er keine Beratung annehmen würde. „Diese Aussage trifft nicht zu. Es erfolgen regelmäßig gemeinsame Abstimmungen mit der Landespolizei, und dies nicht zuletzt in Folge der Schließung des Polizeireviers am Flughafen im Jahr 2013, seitdem die Zahl der Pkw-Diebstähle anstieg. In Folge dieser Gespräche wurde unter anderem eine Videoüberwachung umgesetzt und in die Erhöhung der Sicherheit eine fünfstellige Summe investiert.“, sagte Airport-Sprecher Uwe Schuhart gegenüber der LVZ. Vor Autodieben würden zudem mit Tafeln gewarnt, die drauf hinweisen, Wertsachen nicht im Auto zu lassen.

Was die Verantwortlichkeit für Diebstähle und möglichen Schadensersatz seitens des Airports angeht, meinte Schuhart:  „Der Flughafen vermietet dem Nutzer nur einen Stellplatz und schließt keinen Bewachungs- oder Verwahrvertrag. Folglich hat der Flughafen auch keinen Schadensersatz geleistet und auch keine Versicherung in Anspruch genommen. Forderungen auf Ersatz von entwendeten Fahrzeugen sind nicht eingegangen.“ Sowohl eine Videoüberwachung als auch ein Bestreifung würden keine 100-prozentige Sicherheit vor Diebstählen bieten. Und so resümiert der Flughafen-Sprecher: „Bei diesen Delikten handelt es sich um organisierte Einzelaktionen, die mit hoher krimineller Energie und Professionalität ausgeführt werden. Dem können Fahrzeughalter entsprechend den Empfehlungen der Polizei mit mechanischen Sicherungen entgegentreten.“

Die vermehrten Audi-Diebstähle begannen laut PD ab März 2015. Inzwischen wurden einige Autos oder Teile davon wiedergefunden. 15 Straftäter konnten von der Soko „Kfz“ voriges Jahr gefasst werden, vor allem im Rahmen von Ermittlungen des LKA Berlin. Auch die Zusammenarbeit mit polnischen Behörden habe Ergebnisse gebracht. Dabei wurde klar, dass die Täter und Tätergruppen im gesamten Leipziger Raum zuschlagen und nicht nur an bestimmten Orten wie dem Flughafen. Dieser sei aber als Tatgelegenheit prädestiniert, da hier ungestörtes Handeln an nicht gesondert überwachten Parkplätzen und die späte Feststellung der Tat durch Reiserückkehrer das Entdeckungsrisiko für die Täter verhindern würden. Eine fehlende Nachbarschaft und die nahe Autobahn wüssten die Täter ebenfalls zu schätzen.

Von Olaf Barth

Flughafen Leipzig-Halle 51.422081 12.220381
Flughafen Leipzig-Halle
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