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Bankkunden im Kreis Anhalt-Bitterfeld ausgespäht

Bankkunden im Kreis Anhalt-Bitterfeld ausgespäht

Massiver Geldkarten-Betrug im Landkreis Anhalt-Bitterfeld stellt die Ermittler vor Probleme. Unbekannte hatten vor mehr als einem Jahr mehrere Automaten der Kreissparkasse manipuliert und seitdem immer wieder mit den ausgespähten Kartendaten im Ausland Geld abgehoben.

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Quelle: dpa

Köthen. Allein in den vergangenen zwei Wochen gingen bei der Polizei Köthen mehr als 100 Anzeigen ein. „Die Manipulationen der Automaten liegen zu lange zurück, so können wir keinerlei Spuren mehr sichern“, sagte ein Sprecher des Polizeireviers am Mittwoch. „Das ist schlecht für weitere Ermittlungen.“

Von den Konten der Betrugsopfer im Raum Köthen wurden unrechtmäßig jeweils Geldbeträge zwischen 500 und 1000 Euro abgebucht. Die unbekannten Täter hoben das Geld nach Polizeiangaben in den USA ab. Auch die „Mitteldeutsche Zeitung“ hatte am Mittwoch über den Fall berichtet.

Die Geschädigten wurden Opfer von „Skimming“-Attacken, bei denen Trickbetrüger Kartendaten am Geldautomaten ausspähen. Nach Einschätzung der Kreissparkasse Anhalt-Bitterfeld handelt es sich um Täter, die schon vor mehr als einem Jahr offenbar mehrere Automaten an verschiedenen Orten ins Visier nahmen. Seitdem gab es bereits Anzeigen in Bitterfeld und Zerbst, nun hat es Köthen getroffen. Drei damals manipulierte Automaten hat das Geldinstitut allein dort ausgemacht. Karten von Kunden, die im betroffenen Zeitraum an einem der Automaten Geld abholten, würden vorsorglich gesperrt und ausgetauscht, hieß es.

Dass die Täter erst so spät zuschlagen, ist ungewöhnlich. In der Regel buchen Skimming-Betrüger laut Experten innerhalb weniger Tage nach der Ausspähung der Daten ab. Bei der Kreissparkasse gehen die Unbekannten aber scheibchenweise vor, wie der Leiter des IT-Bereichs des Geldinstituts, Kai Fuckner, sagte. Den gesamten Schaden schätzt er mittlerweile auf mehr als 100 000 Euro. „Die Kunden werden natürlich entschädigt.“ Die Polizei prüft noch, ob wirklich ein Zusammenhang zwischen den einzelnen Taten besteht.

„Wir haben die Sicherheit an den Automaten mittlerweile erhöht“, erklärte Fuckner. So sei das Auslesen von Magnetstreifen schwieriger, und an den Türen von Selbstbedienungsfilialen müssten Kunden nicht mehr ihre Karte durchziehen. Die Betrüger hatten dies offenbar ausgenutzt, um die Daten auszulesen.

Der Datenklau an Geldautomaten hat laut Bundeskriminalamt zuletzt drastisch zugenommen. Allein bei EC-Karten verursachten Betrüger im vergangenen Jahr in Deutschland einen Schaden von schätzungsweise 60 Millionen Euro. Das waren 20 Millionen Euro mehr als noch 2009. Die Zahl der registrierten Angriffe auf Geldautomaten stieg um mehr als die Hälfte auf 3183 Fälle. Etwa 190 000 Kartenkunden wurden Opfer solcher Attacken.

Auch in Sachsen-Anhalt gab es laut Landeskriminalamt einen drastischen Anstieg der Skimming-Fälle. 2008 waren es noch um die 20 Attacken, 2010 schon 69 Angriffe auf 38 Geldautomaten. Die Täter griffen also einzelne Automaten mehrfach an. Der Schaden für 2010 wurde bislang auf rund eine Million Euro geschätzt.

Wegen der Umstellung auf Chiptechnik erwarten Behörden und Kreditwirtschaft künftig einen Rückgang der Kartenkriminalität. Moderne Systeme mit Chips erschweren das Skimming. Die deutschen Banken und Sparkassen haben ihre Karten neben den Magnetstreifen mittlerweile fast zu 100 Prozent mit Chips ausgestattet. Bis der unsichere Magnetstreifen jedoch endgültig Geschichte ist, könnte es noch drei bis vier Jahre dauern, schätzen Branchenvertreter.

Alexander Riedel, dpa

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