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Bei Ausschreitungen vor Flüchtlingsheim Heidenau 31 Beamte verletzt

Asylbewerber beziehen Notquartier Bei Ausschreitungen vor Flüchtlingsheim Heidenau 31 Beamte verletzt

Erneut haben in Heidenau bei Dresden Hunderte Menschen gegen die Aufnahme von Asylbewerbern demonstriert. Im Anschluss kam es zu massiven Ausschreitungen. Jetzt sind die ersten Busse mit knapp 100 Flüchtlingen angekommen.

Ausschreitungen nach einer NPD-Demo in Heidenau.

Quelle: dpa

Dresden. Nach den nächtlichen Ausschreitungen vor der Flüchtlingsunterkunft in Heidenau bei Dresden hat sich die Lage am Morgen beruhigt. Das sagte ein Polizeisprecher. Erst gegen 0.45 Uhr war für die Busse mit den Flüchtlingen eine sichere Passage zur Unterkunft möglich. Bis zum Morgen kamen zwei weitere Busse an. Bei den Ausschreitungen wurden nach Angaben der Polizei vom Samstag 31 Beamte verletzt, einer von ihnen schwer. 136 Polizeikräfte seien im Einsatz gewesen. Die Behörden ermitteln unter anderem wegen Landfriedensbruchs.

In dem früheren Baumarkt sollen auf knapp 6000 Quadratmetern bis zu 600 Flüchtlinge untergebracht werden. Für die erste Nacht waren 250 avisiert worden. Am Samstagvormittag befanden sich nach Aussagen des Deutschen Roten Kreuzes 93 Menschen in der Unterkunft. Weitere werden am Wochenende erwartet.

Für den Samstagabend hat das Bündnis „Dresden Nazifrei“ zu einer Aktion aufgerufen. Die Polizei geht nach eigenen Angaben am Abend auch von neuen „Ansammlungen“ vor dem Heim aus.

Aufgeheizte Anhänger der rechtsextremen NPD waren in der Nacht gewalttätig gegen Flüchtlinge vorgegangen. Noch vor Ankunft eines ersten Busses mit Asylbewerbern, die in einem ausrangierten Baumarkt unterkommen sollen, flogen Böller, Steine und Flaschen auf die Straße. Die Polizei setzte Tränengas und Pfefferspray ein. Es gab mindestens zehn Verletzte und Festnahmen.

Kasek: "Wer jetzt noch schweigt, stimmt zu."

Am Samstag erklärte der stellvertretende sächsische Ministerpräsident und SPD-Landesvorsitzende Martin Dulig: „Dass solch blinder Hass und Ablehnung Asylbewerbern entgegenschlägt, welche vor Krieg, Not und Verfolgung geflohen sind, schockiert mich“. Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) äußerte sich zu den Vorfällen: „Wir werden auch die ausufernde Gewalt gegen Polizisten nicht tolerieren und die Straftaten mit aller Konsequenz verfolgen.“ Zu den Angriffen auf Flüchtlingsunterkünfte fand der Minister keine Worte.

Der Grüne-Innenexperte im Landtag, Valentin Lippmann, kritisierte die Einsatzstrategie der Polizei. Es sei „unbegreiflich“, dass die Polizei - obwohl die Blockaden vor dem Objekt angekündigt waren - offenbar nicht mit ausreichend Beamten vor Ort gewesen sei. So habe sie die Krawalle nur schwer unter Kontrolle bekommen. Jürgen Kasek, Landeschef der Grünen, war am Abend selbst vor Ort und zeigte sich erschüttert von den Ereignissen. An Bürger und Politik gerichtet mahnte er: "Wer jetzt noch schweigt, stimmt zu."

Nach einer NPD-Demonstration gegen ein Flüchtlingslager im sächsischen Heidenau kam es am Abend zu massiven Ausschreitungen. Anhänger der Rechten errichteten Barrikaden und attackierten die Polizei mit Steinen und Sprengkörpern. Mehrere Beamte wurden verletzt. (Bilder: dpa)

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Blockade der B 172

Bereits am frühen Abend hatte sich ein Protestzug von rund 1000 Menschen in Heidenau formiert, den ein NPD-Mann angemeldet haben soll. Die ausländerfeindliche Haltung der NPD spiegelte sich auf auf den Plakaten wieder. So trugen zwei Frauen ein Transparent "Auf tragische Einzelfälle" und "kulturelle Bereicherung" durch "Fachkräfte" können wir hier verzichten!! Nein zum Heim - Sächsische Schweiz und Osterzgebirge - Asylflut stoppen".  Zunächst ging es friedlich zu.

Doch dann blockierten Demonstranten auf der Bundesstraße 172 die Zufahrt zum Baumarkt, um die Ankunft der Busse zu verhindern. Dazu benutzten sie Absperrungen, die von Bauarbeiten an der Straße stammten. Zunächst sammelten sich nach Polizeiangaben rund 30 Personen, später bis zu 600 vor der Erstaufnahmeeinrichtung. Auch nachdem die Polizei die Blockade und die Attacken unterbunden hatte, versuchten einzelne Demonstranten immer wieder, kleinere Bäume und Gestrüpp auf die Fahrbahn zu schmeißen. Die Polizei ging dazwischen und ließ die Blockierer die Hindernisse räumen.

Handgreiflichkeiten und Reizgas

Den Protestieren aus dem NPD-Umfeld stellten sich etwa 20 Gegendemonstranten entgegen. Ein Bus mit Flüchtlingen konnte wegen der angespannten Sicherheitslage nicht bis zum Baumarkt fahren. Die Polizei sperrte die Straßen in beide Richtungen ab, berichtetetn Zeugen vor Ort. Es kam zu Handgreiflichkeiten. Die Sicherheitskräfte setzten Reizgas ein.

Ein Teil der Protestierer wurde von der Polizei eingekesselt, einige wurden festgenommen. Wie es von Teilnehmern der Gegendemonstrationen hieß, sei ein Auto des MDR von den Randalierern beschädigt worden. Das bestätigte der MDR am Samstag gegenüber LVZ.de. Die Angreifer zerstörten Scheiben. Auch an den Reifen wurde "herumgeschraubt".

Schon an den vorangegangenen Abenden hatte es in dem Ort Demonstrationen gegen die Unterbringung der Flüchtlinge gegeben. Nach Angaben der Landespolizei soll auf dem Gelände der Unterkunft ein Wachdienst für Ordnung und Sicherheit sorgen. Außerhalb werde das Terrain von der Polizei überwacht. Sachsen sucht derzeit wie andere Bundesländer auch händeringend nach Unterkunftsmöglichkeiten für Asylsuchende.

joka/lyn (mit dpa)

Heidenau, Dresden 50.975843 13.866122
Heidenau, Dresden
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