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Deutschland gedenkt der Neonazi-Opfer - Trauerbeflaggung in ganz Sachsen

Deutschland gedenkt der Neonazi-Opfer - Trauerbeflaggung in ganz Sachsen

Zu einer Schweigeminute für die Opfer der von Neonazis verübten Mordserie haben auch in Sachsen Gewerkschaften, Verbände und Kommunen aufgerufen. In der Stadt Zwickau, in der die mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe jahrelang untergetaucht waren, werden am Donnerstag um 12 Uhr die Bussen und Bahnen stillstehen.

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Plakat für einen Vortrag über Rechtsextremismus: Ein Untersuchungsausschuss soll klären, warum die Zwickauer Neonazi-Gruppe jahrelang agieren konnte, ohne dass Sicherheitsbehörden sie im Visier hatten.

Quelle: Uwe Zucchi / Archiv

Zwickau. Im VW-Werk sollen die Bänder anhalten, zudem hat die Stadtverwaltung Bürger ins Rathaus eingeladen, wo die zentrale Gedenkveranstaltung in Berlin mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ab 10.15 Uhr per TV-Liveübertragung verfolgt werden kann.

Den Neonazi-Terroristen werden Morde an einer deutschen Polizistin und an neun Kleinunternehmern türkischer und griechischer Herkunft vorgeworfen. „Die Erwartungen der rund 70 Angehörigen der Mordopfer an dieses Gedenken sind hoch“, sagte die Opfer-Beauftragte der Bundesregierung, Barbara John, der Nachrichtenagentur dpa. Um die Opfer nicht zu vergessen, schlug John die Errichtung einer Gedenktafel vor. Die ehemalige Berliner Ausländerbeauftragte hofft, dass die fremdenfeindlichen Mordtaten mit der Berliner Gedenkveranstaltung nicht „abgehakt“ seien. „Das wäre eine weitere Demütigung der Opfer und ihrer Angehörigen“, warnte John.

Die Zwickauer Delegation in Berlin wird von Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) angeführt. „Es geht um ein Zeichen, dass sich das ganze Land Rechtsterroristen in den Weg stellt“, sagte Findeiß der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch. Zugleich bedauerte sie, dass sich der Begriff „Zwickauer Zelle“ als Bezeichnung für die Rechtsterroristen durchgesetzt hat. Er gehe „schon immer noch ins Mark“ und habe sich „inzwischen so sehr eingeschliffen, dass ihn jeder verwendet. Und das ist für Zwickau nicht gut“, stellte Findeiß fest. Sie ist bereits um 8.30 Uhr zu einem Frühstück in der sächsischen Landesvertretung eingeladen.

Wie in Zwickau wurden etwa auch die städtischen Mitarbeiter in Aue und Leipzig aufgefordert, die Arbeit für eine Minute ruhen zu lassen. Auf dem Leipziger Marktplatz wollen sich rund 100 Betriebsräte zum stillen Gedenken versammeln. Die Stadt Chemnitz stellt ihren Angestellten das symbolische Innehalten frei. Am Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen werden alle Mitarbeiter ihre Arbeit für eine Minute unterbrechen.

Wie im Nachbarland Thüringen hat auch Sachsen Trauerbeflaggung angeordnet. Anders als in Thüringen, wo es zudem ein schweigendes Gedenken an den Schulen geben soll, sind in Sachsen noch Ferien. Das Dresdner Kultusministerium hat Referate und Behörden deshalb gebeten, „in eigener Verantwortung und Form an der Schweigeminute teilzunehmen“, wie es auf Anfrage hieß.

An den Bundesbehörden in Berlin und Bonn ist ebenfalls Trauerbeflaggung angeordnet. Dem aus dem thüringischen Jena stammenden Trio Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos werden Morde an neun Kleinunternehmern türkischer und griechischer Herkunft sowie an einer Polizistin in Heilbronn 2007 zugeschrieben. Nachdem sie 1998 abgetaucht waren, lebten sie viele Jahre unerkannt in Sachsen. Erst nach einem Banküberfall in Thüringen am 4. November 2011 war das Trio aufgeflogen.

dpa

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