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«Ein einziger Alptraum» - Prozess um tödliches Busunglück auf A4

Auftakt in Weimar «Ein einziger Alptraum» - Prozess um tödliches Busunglück auf A4

Es war das tragische Ende einer Sprachreise, die für einen kleinen Jungen in den Tod führte. Knapp anderthalb Jahre nach dem schweren Busunglück auf der A4 steht nun der Fahrer in Weimar vor Gericht.

Der Angeklagte im Gerichtssaal in Weimar.

Quelle: dpa

Weimar. Den Blick gesenkt, die Hände gefaltet: Äußerlich gefasst sitzt der Busfahrer im blauen Pulli auf der Anklagebank, als er erklärt, sich nicht mehr an jenen tragischen Unfall vor fast anderthalb Jahren auf der Autobahn 4 bei Erfurt erinnern zu können, bei dem ein vierjähriger Junge getötet wurde. Wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung in 64 Fällen wird dem 38-Jährigen aus Österreich seit Donnerstag vor dem Amtsgericht in Weimar der Prozess gemacht. Einmal steigen dem Angeklagten die Tränen in die Augen, Worte des Bedauerns findet er an diesem ersten Verhandlungstag jedoch nicht.

Rückblende: Am 30. Oktober 2015 sitzt eine Schülergruppe aus dem sächsischen Annaberg-Buchholz im Bus auf der Heimfahrt von einer Sprachreise aus England. Nur noch wenige Stunden trennen sie von der Heimat, als der Busfahrer an jenem Nachmittag einen Laster überholt. «Er ist dann wieder rechts eingeschert und ohne Reaktion weiter in den Graben gefahren», schildert der überholte Lastwagenfahrer im Zeugenstand. Der Bus fuhr in eine Böschung und stürzte dort um. «Ich konnte es gar nicht fassen, ich saß wie versteinert in meinem Lkw», erinnert sich der Kraftfahrer.

Der Österreicher, der seit sieben Jahren hinter dem Buslenkrad sitzt, sagt vor Gericht: «Ich habe den Lkw überholt und dann ist es aus.» Erst an die Situation nach dem Unfall könne er sich wieder erinnern. Er berichtet, wie ihm eine Lehrerin ihren vierjährigen Sohn bringt, den er bis zum Eintreffen der Retter erstversorgt habe. Doch auch diese können dem kleinen Jungen nicht mehr helfen. Er stirbt an seinen schweren Verletzungen.

Die Eltern des toten Kindes sehen sich außer Stande, vor Gericht als Nebenkläger oder Zeugen aufzutreten. «Ich kann mir nicht vorstellen, dem Busfahrer jemals wieder gegenüberstehen zu müssen», liest die Vorsitzende Richterin die bewegende schriftliche Aussage der Mutter vor. «Es ist wie ein einziger Alptraum.» Die Unfallbilder gingen ihr nicht aus dem Kopf.

Eine Augenzeugin und Ersthelferin schildert, wie sie nach dem Busunglück versuchte, die Kinder zu beruhigen. «Sie haben ganz viel geweint und waren verzweifelt. Sie haben nach den Eltern gerufen und auch nach dem kleinen Jungen gefragt.» Einige hätten zudem gemeint, der Busfahrer sei eingeschlafen. Allerdings war für die Businsassen der Fahrerplatz tatsächlich nicht einsehbar.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Busfahrer mit überhöhter Geschwindigkeit überholte und danach entweder abgelenkt oder unkonzentriert war. Der Angeklagte meint dazu, nur über Freisprechanlage mit dem Handy telefoniert und außerdem eine Pause vor dem Unfall eingelegt zu haben. Auf den Vorwurf, zu schnell überholt zu haben, entgegnet er: «Ich habe mich auf den Verkehr konzentriert und nicht wirklich auf den Tacho geschaut.»

In Deutschland darf der 37-Jährige seit dem Unglück keinen Bus mehr lenken. Sein Führerschein wurde hierzulande gesperrt. In Österreich jedoch arbeitet er weiter als Busfahrer - allerdings jetzt für ein anderes Unternehmen.

Von Annett Gehler

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