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Entführte Anneli wurde erstickt - Rechtsmediziner legte Gutachten vor

Nach Lösegeldforderung Entführte Anneli wurde erstickt - Rechtsmediziner legte Gutachten vor

Mit der Absicht, Lösegeld zu erpressen, haben zwei Männer im vergangenen Jahr die 17 Jahre alte Anneli entführt - und anschließend umgebracht. Nun steht fest: Die Jugendliche wurde erdrosselt.

Einer der mutmaßlichen Entführer Annelis im Mai 2016 vor Gericht. (Archivbild)

Quelle: dpa

Dresden. Die 17-jährige Anneli-Marie R. ist qualvoll erstickt – das konnten die Gerichtsmediziner herausfinden, den genauen Grund jedoch nicht. „Sie kann durch die Plastetüte gestorben sein, die man ihr über den Kopf gezogen hat, durch die Kabelbinder oder den Spanngurt, die man ihr um den Hals gelegt und zugezogen hatte, oder durch eine Kombination der einzelnen Komponenten“, sagte Rechtsmediziner Dr. Uwe Schmidt am Freitag im Dresdner Landgericht. Unklar ist auch, wie lange der Todeskampf Annelis dauerte. Das sei immer abhängig von der Kraft, die aufgewandt werde, erklärte Schmidt. Beim Erhängen tritt der Tod nach wenigen Sekunden ein, bei anderen Erstickungsvorgängen dauert es länger. In der Regel, so der Mediziner, kann man von drei bis acht Minuten ausgehen.

Die Obduktion des toten Mädchens, das im August 2015 von Marcus B. und Norbert K. entführt und in einem Gehöft in Lampersdorf bei Meißen getötet worden war, gestaltete sich schwierig. Ihr Körper wies erhebliche Veränderungen durch Fäulnis auf, da es in den Tagen nach ihrem Tod sehr heiß war. An Händen und Füßen wurden Fesselmale nachgewiesen. Ob andere Verletzungen und Schürfwunden, die die Leiche aufwies, kurz vor oder nach dem Tod der Schülerin entstanden sind, blieb jedoch unklar. Die Angeklagten hatten den Körper des Mädchens kurz nach ihrem Tod über eine Leiter auf eine Mauer gezerrt und dann in eine Grube fallen lassen.
Die Erkenntnisse der Rechtsmediziner decken sich mit der Aussage von Norbert K. bei der Polizei. Danach habe Marcus B. dem Mädchen eine Plastiktüte über den Kopf gezogen, ihr dann Kabelbinder und einen Spanngurt um den Hals gelegt und zugezogen. Er selber, so K., sei dann aus der Scheune gegangen. Als er zurückkehrte, sei das Mädchen tot gewesen.

Die Eltern von Anneli-Marie, die wie bei jedem Verhandlungstag auch gestern anwesend waren, hatten vor dem Gutachten des Sachverständigen den Gerichtssaal verlassen. Marcus B., der Anneli-Marie ermordet haben soll, hat weder Angaben zur Tat noch zu seiner Person gemacht. Er saß bisher emotionslos mit gesenktem Kopf auf der Anklagebank, um den Eltern des Mädchens nicht ins Gesicht schauen zu müssen. Nachdem diese gestern gegangen waren, wurde er richtig mobil und geschäftig.
Zuvor hatte er sich noch desinteressiert angehört, was Ermittler über sein Leben herausgefunden hatten. Außer seinem Geburtsdatum scheint da nicht viel zu stimmen. Schulabschluss, Ausbildungen, Studium, Qualifikationen, Auslandseinsätze als Koch – alles erstunken und erlogen. Zeugnisse und Dokumente bastelte er sich selbst. So legte er beim Finanzamt Meißen eine Haftbescheinigung für die Jahre 2007 bis 2012 vor, um für die Zeit keine Steuren zahlen zu müssen. Nur war er nicht im Knast, das Papier war eine Fälschung. Bei ihm stimmt der Spruch: „Wenn er mir sagt, die Erde ist rund, dann weiß ich, sie ist eckig.“ Der Prozess wird fortgesetzt.

Monika Löffler

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