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Erpressung mit ausgebuddelter Urne - Haft für Angeklagten aus Plauen

Erpressung mit ausgebuddelter Urne - Haft für Angeklagten aus Plauen

Der erpresserische Urnendieb von Sorge-Settendorf (Kreis Greiz) hat sich im Berufungsverfahren eine geringere Strafe erstritten. Das Landgericht Gera verringerte am Donnerstag die Haftstrafe von vier auf zweieinhalb Jahre.

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Der Angeklagte Jürgen W. sitzt am 18.10.2012 im Amtsgericht in Gera (Thüringen). Er soll im Juli 2011 die Urne des verstorbenen Sohnes seiner Lebensgefährtin ausgegraben und anschließend diese erpresst haben. (Archivbild)

Quelle: dpa

Gera/Plauen. Die 3. Strafkammer sprach den 48-Jährigen aus Plauen wegen Störung der Totenruhe und versuchter Erpressung schuldig. Die Richter hatten jedoch keinen Zweifel daran, dass er die Urne im Sommer 2011 ausgegraben hat, um von seiner Geliebten 10 000 Euro zu erpressen. Die Urne enthielt die Asche ihres verstorbenen Sohnes und war später im Auto des Mannes gefunden worden.

Richter Uwe Tonndorf sprach von einem Verfahren, das alle Beteiligten emotional an Grenzen gebracht habe. Mit sehr persönlichen Worten sprach er der Frau sein Beileid über den Tod ihres Sohnes aus und dafür, was sie danach an Demütigungen und Kränkungen habe durchmachen müssen. Er bedauerte, dass der Prozess nicht das Motiv für diese „völlig pietätlose“ Tat habe klären können. Er vermute, der Angeklagte habe aus einer narzisstischen Kränkung heraus gehandelt.

Der heute 48-Jährige hatte im Prozess bestritten, die Urne ausgebuddelt zu haben und den Verdacht auf den inzwischen toten Ex-Mann seiner damaligen Lebensgefährtin gelenkt. Der war psychisch krank und mehrfach wegen Grabschändungen aufgefallen. Danach sei seine Partnerin auf unerklärliche Weise in den Besitz der Urne gekommen. Um sie wieder legal in Umlauf zu bringen, hätten sie sich die Geschichte mit der Erpressung ausgedacht. Er selbst habe die Erpresserbriefe verfasst, gestand der Haustechniker. Zuletzt brachte er zudem seine heutige Partnerin ins Spiel, die bezeugen sollte, dass er am Tatabend zwar auf dem Friedhof gewesen sei, dort aber keine Urne mit zum Auto gebracht habe.

Doch dem schenkte das Gericht keinen Glauben. Vielmehr habe die Aussage der Frau, von der in vorherigen Vernehmungen und im ersten Prozess nie die Rede war, nur den Zweck, den Angeklagten zu entlasten, sagte der Richter. Die Indizien sprächen dagegen eine eindeutige Sprache, zumal auch das Leichentuch DNA-Spuren des Angeklagten aufgewiesen habe. Die Version des Angeklagten bezeichnete er als eine „abenteuerliche Geschichte mit einer ganzen Reihe logischer Brüche“. „So eine komplizierte Erpressungsgeschichte ist völlig widersinnig“, erklärte der Richter. Wenn die Urne auf mysteriöse Weise wieder aufgetaucht sei, hätte man sie ja einfach wieder ans Grab stellen können.

Dass die Haftstrafe dennoch geringer ausfiel als im ersten Prozess, liegt daran, dass die Strafkammer des Landgerichts anders als die erste Instanz nicht von einem besonders schweren Fall der versuchten Erpressung ausgeht. Zwar sei die Summe von 10 000 Euro für das Opfer immens, doch gebe es ganz andere Fälle mit Forderungen in Millionenhöhe, erläuterte Tonndorf.

Die Staatsanwaltschaft hatte darauf plädiert, die Berufung zu verwerfen; die Verteidigung sprach sich für eine Haftstrafe von einem Jahr auf Bewährung wegen Vortäuschung einer Straftat aus. Die Entscheidung der dritten Strafkammer ist noch nicht rechtskräftig.

Andreas Hummel, dpa

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