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Gefängnis-Geiselnehmer aus Görlitz zu Freiheitsstrafe verurteilt

Gefängnis-Geiselnehmer aus Görlitz zu Freiheitsstrafe verurteilt

Wegen der Geiselnahme im Görlitzer Gefängnis ist ein 33-Jähriger am Montag zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten verurteilt worden. Die Strafkammer des Landgerichts sah es als erwiesen an, dass er einen Mithäftling mehr als sechs Stunden in seiner Gewalt gehalten und bedroht hatte, um seine Auslieferung in sein Heimatland Polen zu verhindern.

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Das Görlitzer Gefängnis war über Stunden im Ausnahmezustand, als ein Häftling im November 2010 einen anderen in seine Gewalt brachte.

Quelle: dpa

Görlitz. Sie blieb damit unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die auf achteinhalb Jahre plädiert hatte.

Die Verteidigung hatte einen minderschweren Fall geltend gemacht und drei Jahre für angemessen gehalten. Während die Anklage sich nicht äußern wollte, kündigte Verteidigerin Dorothee Jaskolski nach dem Urteilsspruch Revision an.

Ihr Mandant machte sich während der Urteilsverkündung Notizen, wirkte danach gelöst und unterhielt sich angeregt mit der Anwältin. In seinem letzten Wort hatte er die ungerechte Behandlung durch deutsche Behörden, falsche Zeugenaussagen und fehlendes Gehör für sein Anliegen beklagt.

Die Geiselnahme sei erwiesen, sagte der Vorsitzende Richter Thomas Fresemann. Zu Gunsten des 33-Jährigen aber wertete die Kammer die Motive. Ihm sei es nicht um Vermögensvorteile gegangen, sondern er habe gegen die Entscheidung zur Auslieferung vorgehen wollen. Aus Sicht eines ausländischen Staatsbürgers, der sich mit diesen schwierigen Rechtsfragen konfrontiert sehe, „war dieser Irrtum schlüssig“. Bei der Geiselnahme habe er zudem Rücksicht auf Schmerzen des Opfers genommen.

Die Intensität und Nachhaltigkeit der Tat, die ständig fühlbare Bedrohung des Opfers und der möglicherweise blutige Ausgang wirkten sich laut Fresemann dagegen strafverschärfend aus. Schwer wogen für die Richter ebenso die erheblichen Vorstrafen des Angeklagten. Der 33-Jährige war seit 1996 in Polen und Deutschland mehrfach wegen Gewaltstraftaten wie Raub, Körperverletzung und Vergewaltigung verurteilt worden.

Ungeklärt blieb, woher er das mit einem Messingnagel zur Waffe umgebaute Feuerzeug hatte. „Er selbst hat dazu keine Angaben gemacht, wir gehen anhand einiger Indizien davon aus, dass er es in die Justizvollzugsanstalt geschmuggelt hat“, sagte Fresemann. Der Angeklagte war zu der von Polen erwirkten Auslieferung über mehrere Stationen nach Ostsachsen gebracht worden. Dabei stieß auch die spätere Geisel dazu, ein zur Abschiebung vorgesehener 51-jähriger Landsmann.

„Wir haben es mit jemandem zu tun, der, wenn er etwas nicht bekommt, Gewalt anwendet“, hatte Staatsanwalt Jörg Toschek zuvor in seinem Plädoyer gesagt. Obwohl seinen Forderungen nachgegeben worden sei, habe er seine Geisel über sechseinhalb Stunden in der Gewalt behalten, mit der Waffe am Hals nahe der Hauptschlagader. „Sie haben das Opfer für sein Leben geprägt.“ Die Äußerung des Angeklagten im Prozess, immer wieder gegen Normen zu verstoßen, zeige, „dass nur eine erhebliche Freiheitsstrafe geeignet ist, ihn überhaupt zu erreichen“.

Verteidigerin Jaskolski bestritt die Tat ihres Mandanten an sich nicht. „Es war Unrecht, den Mann zu bedrohen.“ Sie kritisierte jedoch die chaotischen Verhältnisse und die Behörden, die die Tat in die Länge gezogen hätten. Durch das Ignorieren des rechtmäßigen Wunsches nach einem Telefonat mit seiner Anwältin sei ihr Mandant kurz vor der Auslieferung in eine ausweglose Situation gebracht worden. „Er wusste nicht, was er machen sollte.“ Mit dem Urteil zeigte sie sich zufrieden, werde es aber prüfen. „Viele Punkte aus meinem Plädoyer wurden nicht angesprochen und müssen berücksichtigt werden“, sagte Jaskolski. Sie rechnet auch damit, dass die Gegenseite Revision einlegt. „Klar ist, das Verfahren wird weitergehen.“

dpa

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