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Gutachter im Dessauer Mord-Prozess: Angeklagter hat gestörte Sexualiät

Getötete Chinesin Gutachter im Dessauer Mord-Prozess: Angeklagter hat gestörte Sexualiät

Eine Studentin wird brutal vergewaltigt und zu Tode gequält. Im Gerichtssaal schweigt der Angeklagte und wirkt unbeteiligt. Ein Psychiater hat nun eine gestörte Persönlichkeit mit einer gestörten Sexualität ausgemacht.

Der Angeklagte im Prozess wegen Mordes an einer chinesischen Studentin, Sebastian F. sitzt am 23.01.2017 in Dessau-Roßlau (Sachsen-Anhalt) im Gerichtssaal des Landgerichts neben seinem Verteidiger Marco Bennewitz.dpa

Quelle: dpa

Dessau-Roßlau. Gefühlskalt, nach Dominanz strebend, mit Hang zum Sadismus - so hat ein Psychiater den 21-Jährigen beschrieben, der gemeinsam mit seiner Ex-Partnerin eine chinesische Studentin brutal vergewaltigt und getötet haben soll. „Ich habe den Eindruck gewonnen, dass es sich um einen außergewöhnlich empathielosen Menschen handelt“, sagte der forensische Psychiater Bernd Langer am Montag im Prozess am Landgericht Dessau-Roßlau. „Schuldgefühle, Scham und Reue waren nicht zu erfassen.“ Langer bescheinigte dem Angeklagten eine Persönlichkeitsstörung - seine Wahrnehmung, sein Denken und Fühlen weiche von dem anderer Menschen ab. Auch die Sexualität des Angeklagten sei gestört.

Fest steht für den Experten aber, dass der 21-Jährige seine Tat voll steuern konnte. Eine Einweisung in ein psychiatrisches Krankenhaus sei nicht geboten. Auch sei die Persönlichkeit soweit ausgereift, dass er nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden könne. „Ich sehe die Persönlichkeit nicht mehr als unreif, sondern als massiv gestört“, betonte Langer. Der Angeklagte, der in dem Prozess bis auf die Beschimpfung eines Polizeibeamten in Zeugenstand bisher schwieg, verfolgte die Verhandlung am Montag aufmerksam. Er machte sich immer wieder Notizen, saß die meiste Zeit aber mit verschränkten Armen da.

Langer sagte, das Verhalten des Angeklagten sei stets von der momentanen Stimmung abhängig. Den Grund für sein Verhalten suche der 21-Jährige stets bei anderen, er fühle sich ungerecht behandelt. Zudem habe er ein unrealistisch übersteigertes Selbstwertgefühl. Lügen hätten dazu gehört, aber auch Omnipotenz-Fantasien. Die hätten sich auch deutlich gemacht in den Überlegungen, mit mehreren Frauen gleichzeitig Sex zu haben. Oberflächlich sei der Mann charmant, könne aber trickreich blenden. Lügen gehörten immer wieder dazu.

Sadistiche Praktiken

Der 21-Jährige ist gemeinsam mit seiner gleichaltrigen Ex-Lebensgefährtin wegen des brutalen Todes der Chinesin angeklagt. Im Mai vergangenen Jahres sollen sie der 25-jährigen Architekturstudentin einen Notfall vorgetäuscht und sie in eine leerstehende Wohnung gelockt haben. Etwa eine Stunde sollen sie das Opfer dort vergewaltigt und misshandelt haben. Als sie annahmen, die junge Frau habe nicht mehr lang zu leben, ließen sie sie allein - Stunden später brachten sie sie ins Freie, wo sie tot gefunden wurde.

Zum Persönlichkeitsbild der mitangeklagten 21-Jährigen und ehemaligen Lebenspartnerin wird Langer voraussichtlich am 24. und 25. April aussagen. Er deutete schon an, dass sich zwischen dem Paar allmählich ein Dominanz-Abhängigkeits-Verhältnis eingeschlichen habe. Das sei auch im Sexualverhältnis zwischen beiden deutlich geworden, sadistische Praktiken hätten eine Rolle gespielt.

Angeklagter wurde von Mitschüler missbraucht

Der Angeklagte war laut Langer schon sehr früh auffällig geworden. Bereits im Kindergarten biss, kratzte und schlug er demnach andere Kinder. In der Schulzeit habe er ein ausgeprägtes sexuell grenzüberschreitendes Verhalten gezeigt. Er habe Gewalt von einem Partner seiner Mutter erlebt, zudem sei er von der frühen, unerwarteten Trennung beider leiblichen Eltern betroffen gewesen. In der Schule sei der heute Angeklagte von einem älteren Mitschüler missbraucht und dadurch vermutlich traumatisiert worden. Es habe auch den Vorwurf gegeben, dass der Angeklagte als etwa 14-Jähriger ein anderes Kind innerhalb der Familie sexuell missbraucht haben soll, berichtete Langer.

Zudem war er laut Langer hyperaktiv und habe sich nicht konzentrieren können. Zum dissozialen Verhalten hätten Grausamkeiten, Wutausbrüche und Ungehorsam gehört. Als Kind sei er in der Kinder- und Jugendpsychiatrie behandelt worden. Einen Schulabschluss habe der Angeklagte nicht, nach zehn Schuljahren habe er ein Abgangszeugnis der achten Klasse erhalten, zwei Klassen habe er wiederholt. Anschließend habe er Ausbildungsvorbereitungen abgebrochen, er habe sich nicht dauerhaft einfügen können, sei ausfallend geworden. Langer bezog sich bei seinen Aussagen auf Gespräche mit dem Angeklagten sowie ältere Behandlungsunterlagen.

Der Prozess wird am 18. April fortgesetzt.

LVZ

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Dessau-Roßlau
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