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Haftstrafen für Mutter und Zieh-Vater von getötetem Lion aus Eilenburg

Haftstrafen für Mutter und Zieh-Vater von getötetem Lion aus Eilenburg

Die Mutter und der Ziehvater des getöteten Lion aus Eilenburg (Nordsachsen) sind vom Landgericht Leipzig zu Freiheitsstrafen verurteilt worden. Beide seien der Misshandlung von Schutzbefohlenen und der gefährlichen Körperverletzung schuldig, entschieden die Richter am Mittwoch.

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Die Mutter und der Zieh-Vater des getöteten Lion aus Eilenburg (Nordsachsen) sollen nach dem Willen der Staatsanwaltschaft zu je fünf Jahren Haft verurteilt werden.

Quelle: Christian Nitsche

Leipzig. Die 22 Jahre alte Mutter muss vier Jahre in Haft, ihr 21 Jahre alter Ex-Freund wurde zu vier Jahren Jugendstrafe verurteilt. Wer den 19 Monate alten Lion im vorigen August so schwer misshandelt hat, dass er starb, konnte das Gericht aber letztlich nicht aufklären. Die Verteidiger kündigten Revision an. Sie hatten Freisprüche verlangt.

Die 3. Strafkammer folgte im Wesentlichen der Staatsanwaltschaft. „Lion ist totgetreten oder totgeschlagen worden“, hatte Oberstaatsanwältin Claudia Laube in ihrem Plädoyer gesagt. „Wir wissen, dass es einer der beiden Angeklagten gewesen ist, aber wir wissen nicht, wer.“ Die junge Mutter und ihr Ex-Freund hatten die Vorwürfe bestritten und wollen auch von einer Misshandlung durch den jeweils anderen in der kleinen Plattenbauwohnung nichts mitbekommen haben. So blieben dem Gericht nur Indizien - von denen aber keines so stark war, um den Schuldigen für den tödlichen Schlag oder Tritt in den Bauch des Jungen bestimmen zu können.

Freisprüche kamen für das Gericht trotzdem nicht infrage. Denn sowohl die Mutter und als auch der Ziehvater müssten bemerkt haben, wie schlecht es dem schwer verletzten Jungen ging. „Natürlich haben sie erkannt, wie dreckig es ihm ging“, sagte der Vorsitzende Richter Norbert Göbel. Dass beide trotzdem stundenlang nichts unternahmen und keine Hilfe holten, sei eine Körperverletzung durch Unterlassen. Oberstaatsanwältin Laube sagte, beide hätten sich „jede Minute neu entschieden, nichts zu tun“. Erst nach Stunden riefen sie einen Arzt. Er konnte Lion nicht mehr retten, innere Organe des Kindes waren regelrecht zerfetzt.

Die 22-Jährige und ihr Ex-Freund verfolgten die Urteilsbegründung weitgehend regungslos. Auf einen Ausdruck des Bedauerns oder der Reue hatten sie in ihrem „letzten Wort“ verzichtet. Zuvor hatte sich die Anklagevertreterin eindringlich an die Angeklagten gewandt: „Sie werden damit leben müssen, dass einer von ihnen das Kind getötet hat, und ich bin mir sicher, dass der Andere das weiß.“ Sie appellierte an beide, sich von Psychologen helfen zu lassen, bevor sie wieder eine Familie gründen. „Wenn Sie nichts unternehmen, wird mir himmelangst um jedes Kind, dass bei ihnen aufwachsen muss. Sorgen Sie dafür, dass Kinder, die Sie haben werden, nicht das gleiche Schicksal erleiden wie Lion."

Birgit Zimmermann, dpa

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