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„Halleluja“ für einen kleinen Engel: Weißenfels trauert um totes Mädchen und vermissten Bruder

„Halleluja“ für einen kleinen Engel: Weißenfels trauert um totes Mädchen und vermissten Bruder

Weißenfels. Inmitten von unzähligen Kerzen, vielen Plüschtieren, Blumen und Briefen steht in der St. Marienkirche in Weißenfels ein großes Foto mit schwarzem Trauerflor.

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Plüschtiere und Kerzen erinnern am Freitag (24.2.2012) an der Saale in Weißenfels an ein kleines Mädchen. Nach dem Fund des ertrunkenen Kindes fehlt vom sechsjährigen Bruder bisher noch jede Spur. Am Nachmittag wurde zu einer stillen Andacht geladen.

Quelle: dpa

Darauf ist die zarte, erst fünf Jahre alten Georgina unbekümmert lächelnd zu sehen. „In Gedanken bei der kleinen Maus Georgina“ und „In liebender Erinnerung“ oder „Warum ?“ steht daneben unter anderem in Briefen geschrieben. Nur wenige Meter entfernt von dem Bild des Blondschopfes sitzt die Familie in tiefster Trauer, abgeschirmt vor neugierigen Blicken - von einem Spalier von Feuerwehrmännern.

Mit einer bewegenden Trauerfeier haben am Freitag Hunderte Einwohner der Kleinstadt aus dem Burgenlandkreis Abschied von Georgina genommen. Sie war am Samstag mit ihrem sechs Jahre alten Bruder Joshua nicht mehr vom Spielen nach Hause gekommen. Wenige Stunden später und nur rund 500 Meter vom Elternhaus entfernt hatten Feuerwehrleute noch am Abend das tote Mädchen an einem Wehr aus der eiskalten Saale geborgen. Laut Obduktion ist das Kind ertrunken. Nach dem Bruder wird weiterhin gesucht. Die Polizei geht von einem Unfall aus. Vermutlich sind die beiden Kinder in den Fluss gefallen, möglicherweise auf einer Eisscholle am Ufer eingebrochen, hieß es von der Polizei.

Die Ungewissheit um den sechsjährigen Joshua sei eine unglaubliche Zerreißprobe für die Seelen der Angehörigen, der Mutter, sagte der evangelische Pfarrer Martin Schmelzer. Sie habe ihm gesagt, sie glaube, dass er noch lebt, so lange er nicht gefunden ist. Als der Weißenfelser Gospelchor Joyful Voices „Hallelujah“ singt, brechen die Menschen in der voll besetzten St. Marienkirche in Tränen und Schluchzen aus. Zuvor hatte der Chor der Weißenfelser Tafel und der Schlosskirchengemeinde das Lied „Gott hält die ganze Welt in seiner Hand“ vorgetragen. Selbst hartgesottene Feuerwehrmänner und Polizisten sowie ehrenamtliche Helfer können ihre Tränen kaum halten.

Eine Stadt trauert. Unzählige Beileidsbekundungen für die Familie werden nach und nach in dem Gotteshaus verlesen. „Du kleiner Engel, ruhe in Frieden, wir werden dich vermissen“, „Es kann nichts Schlimmeres geben, mein Beileid“, „Wir vermissen euch sehr“, „Wir wünschen der Familie viel Kraft“ oder auch „Wir haben alles Menschenmögliche getan, um sie zu finden“, heißt es etwa.

Mit Gebeten wie dem „Vaterunser“ gedachten die Menschen in der Kirche, darunter viele Familien mit kleinen Kindern, der Geschwister und nahmen bei Orgelmusik Anteil am Schicksal der Familie, der Mutter von fünf Kindern. Weißenfels sei angesichts der Tragödie ein Ort der Ohnmacht, aber auch angesichts des Mitgefühls ein Ort der Herzen geworden, sagte Schmelzer. „Jedem, der eigene Kinder hat oder der ein Herz für Kinder hat, tut es weh, sich diese Situation vorzustellen. Niemand mag oder kann sich vorstellen, wie es jetzt ihrer Mutter, ihren Geschwistern geht“, sagte Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos) in der Kirche sichtlich bewegt. Der Familienvater appellierte an die Menschen, der Familie auch mit Spenden zu zeigen „Ihr seid nicht allein, wir denken an euch!“

Bereits einen Tag nach dem Unglück hatten sich den Angaben zufolge rund Tausend Menschen spontan in der Kirche versammelt, um ihre Anteilnahme zu zeigen. Hunderte Rettungskräfte, Polizisten sowie Spezialtaucher und freiwillige Helfer hatten bis zur Erschöpfung rund um die Uhr auch mit Hubschraubern und Sonartechnik nach den Kindern kilometerweit entlang der Saale gesucht. Am Freitag wurde weiter nach Joshua gesucht. Für ihn, seine Geschwister und die gesamte Familie läuteten am Ende des ökumenischen Gottesdienstes die Glocken der großen Kirche.

dpa

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