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Höchststrafe für „sinnlosen“ Mord an Anneli-Marie gefordert

Plädoyers Höchststrafe für „sinnlosen“ Mord an Anneli-Marie gefordert

Im Mordfall Anneli-Marie hat die Staatsanwaltschaft am Dienstag eine lebenslange Freiheitsstrafe für Markus B. gefordert. Die Anklage hält nun auch seinen Komplizen für schuldig am Tod der 17-Jährigen aus Robschütz bei Meißen.

Einer der beiden mutmaßlichen Täter im Fall der ermordeten 17-jährigen Anneli-Marie.

Quelle: dpa

Dresden. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft und der Eltern der vor einem Jahr entführten Anneli-Marie sind beide mutmaßlichen Erpresser schuld am Tod der 17-Jährigen. Für Markus B., der die Gymnasiastin zur Verdeckung einer anderen Straftat getötet haben soll, forderte Oberstaatsanwältin Karin Dietze am Mittwoch vor dem Dresdner Landgericht eine lebenslange Freiheitsstrafe. Für den „rücksichts- und sinnlosen Tod Annelis“ beantragte sie zudem, die besondere Schwere der Schuld festzustellen. Damit würde eine Freilassung des 40-Jährigen später erschwert.

Für seinen Komplizen Norbert K. sieht die Staatsanwältin - abweichend von der Anklage - Mord durch Unterlassen als erwiesen an und verlangte 15 Jahre. Auch die Anwälte der Familie plädierten sowohl bei dem 40- als auch dem 62-Jährigen auf Mord.

Die verschuldeten Männer sind wegen erpresserischen Menschenraubes mit Todesfolge angeklagt, B. zudem wegen Mordes. Nach Überzeugung von Dietze haben sie die Unternehmer-Tochter am 13. August 2015 nahe des Elternhauses in Robschütz (Landkreis Meißen) ins Auto gezerrt und verschleppt. Von ihrem Vater verlangten sie dann 1,2 Millionen Euro Lösegeld, scheiterten jedoch an der Übergabe. Während der Flucht sei K. kurz allein mit Anneli-Marie im Auto gewesen, als B. ihr Handy in einer Talsperre versenkte. „Er hätte, wenn er es gewollt hätte, mit ihr verschwinden oder aussteigen können“, betonte die Staatsanwältin. B. hatte keinen Führerschein.

K. fuhr nach den Ermittlungen in der Nacht zum Versteck in einen Nachbarort von Robschütz und half B., die widerständige Anneli-Marie in den Kofferraum des Autos zu sperren. „B. wurde nicht allein mit ihr fertig.“ Am nächsten Vormittag war er laut Dietze zwei Stunden mit der an einen Stuhl in der Scheune gefesselten Jugendlichen allein. „Er hat sie nicht freigelassen, keine Hilfe geholt, obwohl er wusste, dass B. sie töten wollte.“ Auch als dieser ihr nach seiner Rückkehr eine Tüte über den Kopf gezogen, einen Spanngurt um den Hals gelegt, zugezogen und festgehalten habe, „hat er nichts unternommen“. Das zeige, dass es auch für K. keine Alternative geben konnte.

„Er hatte nicht Angst um das Opfer, sondern um sich selbst“, erklärte Dietze. Das Mädchen musste sterben, damit ihre Entführer unerkannt bleiben. Erst nach seiner Festnahme kamen bei K. Erschrecken über die Tat und vor den Konsequenzen sowie Bedauern. Dietze sprach von einer „weitgehend einmaligen Tat“, unter der Angehörige von Anneli-Marie ihr Leben lang, aber auch Freunde, Nachbarn, Bekannte sowie die Familien der Angeklagten und auch Polizisten leiden würden. Am Ende habe die bittere Erkenntnis gestanden, die Entführte trotz aller Bemühungen nicht retten zu können.

Strafmildernd für den gelernten Forstwirt aus Berlin wertete Dietze, dass dieser nicht vorbestraft ist, bei der Aufklärung half - er nannte den Ermittlern den Fundort der Leiche - und Reue zeigte. Zugunsten von B. indes konnte die Staatsanwältin „nichts Positives“ vorbringen. Der mehrfach Vorbestrafte habe sein Ziel „brutal und rücksichtslos“ durchgesetzt - und dann weitergemacht wie immer, erklärte sie. Es gebe weder ein Geständnis noch eine Entschuldigung.

Auch aus Sicht der Nebenklage ist K. nicht wie von ihm behauptet nur ein Mittäter. „Er wusste, was geplant war“, sagte Anwalt Kay Estel. Er habe nicht nur das Auto gefahren, sondern auch sonst mitgewirkt und sich die Arbeit mit B. geteilt. Die Eltern sind enttäuscht über das Schweigen der Angeklagten, wie Estel sagte. Sie hätten sich Gewissheit gewünscht, „was ihrer Tochter passiert ist“.

Der Prozess wird am Freitag mit einer Erklärung von Anneli-Maries Eltern und den Plädoyers der Verteidigung fortgesetzt. Ob das Urteil wie bisher erwartet am 5. September verkündet werden kann, ist offen.

Von LVZ

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