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Landwirt zieht Maschendrahtzaun quer über Sportplatz

Provinzposse Landwirt zieht Maschendrahtzaun quer über Sportplatz

Bauer baut Zaun mitten auf Sportplatz - im Norden Sachsen-Anhalts spielt sich eine skurrile Provinzposse ab. Sie ist aber auch ein Lehrstück: über DDR-Spätfolgen und verschlafene Kommunalpolitik.

Wolfgang Mosel vom TSV Kusey auf dem durchzäunten Sportplatz.

Quelle: dpa

Klötze. Dass sich über Maschendrahtzäune die Gemüter erhitzen können, ist spätestens seit Stefan Raabs Blödelsong um die Sächsin Regina Zindler und ihren legendären Nachbarschaftsstreit bekannt. Im kleinen Dorf Kusey in Sachsen-Anhalts dünn besiedeltem Norden lässt sich das derzeit wieder beobachten. Maschendraht durchschneidet den örtlichen Sportplatz: Quer über die Rasenfläche zieht sich ein 38 Meter breiter eingezäunter Streifen. Fußball spielen? Sportunterricht? Bundesjugendspiele? Das ist hier nicht mehr möglich.

Der Kuseyer Landwirt Herwig Bierstedt hat den mannshohen Zaun gebaut - gegen den Protest des Sportvereins, der Gemeinde und der Grundschule. Da half es auch nichts, dass einige Kinder medienwirksam an dem Zaun rüttelten, als ein Kamerateam über den Fall berichtete.

Auf dem Streifen mitten auf dem Sportfeld will Bierstedt künftig seine Pferde weiden lassen. Und dazu hat er alles Recht. Denn schon seit 2013 gehört ihm das lange, schmale Grundstück. Damals kaufte er es von einem privaten Eigentümer. Die Gemeinde Klötze, die es seit der Wende gepachtet hatte, schaute in die Röhre. Am Dienstag wollten Vertreter der Gemeinde und des Sportvereins darüber reden, wo es nun hingehen soll mit dem Sport in Kusey.

Der Bürgermeister der Einheitsgemeinde Klötze, zu der Kusey gehört, Matthias Mann (CDU), ist empört über Bierstedts Verhalten. „Ich habe da kein Verständnis für“, sagt er. Als er von dem Kauf erfahren habe, habe er Bierstedt ein Ersatzgrundstück zum Tausch angeboten - ohne Erfolg. Mit einer Klage vor dem Verwaltungsgericht scheiterte die Gemeinde. Bis vor kurzem hoffte der Bürgermeister, dass Bierstedt die Sportler dulden würde. „Aber jetzt hat er blankgezogen“, sagt Mann. Der Zaun steht seit kurz vor Ostern.

Ganz überraschend kann die Misere die Gemeinde allerdings nicht getroffen haben. In der Verwaltung wusste man, dass sich der Sportplatz über einen Flickenteppich aus Grundstücken erstreckt. Nach der Wende gingen die Parzellen zurück an ihre Eigentümer - mit dem Ergebnis, dass der Sportplatz heute fünf verschiedenen Leuten gehört. Alle verpachteten ihre Grundstücke an die Stadt. Bis im Jahr 2013 einer verkaufte: an Bierstedt.

Maschendraht durchschneidet den örtlichen Sportplatz im kleinen Dorf Kusey.

Maschendraht durchschneidet den örtlichen Sportplatz im kleinen Dorf Kusey.

Quelle: dpa

„Es haben viele geschlafen“, kommentiert Klaus Vohs, der Ortsbürgermeister von Kusey. Bierstedt habe mehrere Jahre lang versucht, das Grundstück zu kaufen. Es sei keine klare Antwort von Bürgermeister Mann gekommen, ob die Stadt kaufen wolle oder nicht.

Da würde Bierstedt zustimmen. „Die haben 20 Jahre Zeit gehabt, das Stück zu sichern, wenn das so wichtig war“, sagt er im Arbeitszimmer seines Bauernhofs, rund zweihundert Meter entfernt vom Sportplatz. Er brauche das Grundstück, weil es so nah an seinem Hof liege.

Vor sich ausgebreitet hat der Landwirt stapelweise Anwaltsbriefe und Dokumente, die von seinem erbitterten Kampf mit der Gemeinde zeugen. Aus Rache für vergangene Rechtsstreitigkeiten mit der Gemeinde solle er jetzt als Buhmann dargestellt werden, glaubt Bierstedt. „Aber ich kann das ab“, sagt er und haut mit der Faust auf den Tisch. „Wer durch die DDR gegangen ist, der weiß, wie er sich zu verhalten hat.“

In Wahrheit sei außerdem alles gar nicht so schlimm: In Kusey gebe es noch einen weiteren Sportplatz, auf dem Fußballer trainieren könnten. Und so ungepflegt wie der jetzt geteilte Platz immer gewesen sei, hätten dort sicher keine Kinder regelmäßig Sportunterricht gehabt.

Der Vize-Vorsitzende des Kuseyer Sportvereins, Wolfgang Mosel, hat die Geschichte mittlerweile abgehakt. „Hier gibt es kein Zurück mehr“, sagt er und blickt durch den Maschendrahtzaun. Jetzt heiße es, sich auf die Zukunft zu konzentrieren. Erst einmal müsse der Platz als Spielstätte abgemeldet werden. Vor allem aber soll der Fall Kusey anderen Gemeinden der Ex-DDR eine Lehre sein, sagt Mosel. „Die sollen nicht unsere Fehler machen.“

Von Violetta Kuhn

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