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Lange Haftstrafe für Autoteile-Hehler

Kriminalität Lange Haftstrafe für Autoteile-Hehler

Informanten bei Polizei und Justiz, heimliche Telefonate aus der Haft und Druck auf Kronzeugen - ein Hehler kannte viele Wege, um sein Geschäft mit gestohlenen Autos zu machen.

Dem Autoteile-Hehler droht eine lange Haftstrafe.

Quelle: dpa

Dresden. Das Landgericht Dresden hat einen Händler, der Autoschieberbanden ihr Diebesgut abgekauft hat, zu acht Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Es sprach ihn am Donnerstag der gewerbs- und bandenmäßigen Hehlerei schuldig. Die Richter waren überzeugt, dass der Mann aus Usti nad Labem zwischen 2010 und 2014 mindestens 50 gestohlene Wagen gekauft und einen Schaden von gut 350 000 Euro verursacht hat.

„Professionelle Diebesbanden wussten, welche Fahrzeuge der Angeklagte ihnen abkauft“, sagte der Vorsitzende Richter Herbert Pröls. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Dem Mann drohen aber eine weitere Haftstrafe aus einem Berufungsverfahren am Dresdner Landgericht sowie Verurteilungen im Nachbarland Tschechien. Die Staatsanwaltschaft sieht in dem 40-Jährigen den „größten Autohehler im Norden der Tschechischen Republik“. Sie hatte sogar zehn Jahre Haft gefordert - die Höchststrafe.

Die angeklagten Taten seien „nur die Spitze des Fahrzeugbergs“. Der mehrfach Vorbestrafte war im April 2014 festgenommen worden und schwieg sich aus. Nach Überzeugung der Kammer hat er die Fahrzeuge, meist vom Typ Skoda, mit Helfern auf dem Gelände eines Steinbruchs in Usti nad Labem zerlegt, um die Einzelteile zu verkaufen. Noch aus der Haft heraus soll er einen Kronzeugen bedroht und sich immer wieder mit Komplizen abgesprochen haben. Mindestens fünf bis sechs Handys wurden bei ihm gefunden. Nach Angaben seiner Frau hatte der Mann sie angeleitet, die Geschäfte weiterzuführen. Die Polizei hörte ihr Telefon ab und fand bei einer zweiten Razzia den Steinbruch wieder mit gestohlenen Autos gefüllt.

Staatsanwalt Thomas Hellmich sprach von organisierter Kriminalität. Der nun Verurteilte habe seine eigenen Gesetze, selbst in der Haft Zeugen bedroht und dafür gesorgt, dass zwei verhaftete Mitarbeiter nicht aussagen. Zudem sei bewiesen, dass er über undichte Stellen bei Polizei und Justiz sehr früh über Ermittlungsmaßnahmen informiert wurde - in Tschechien und Deutschland, sagte Hellmich. Manche seien namentlich bekannt. Davon ist selbst Verteidiger Rolf Franek überzeugt. Auch mancher Polizist hatte bei dem 40-Jährigen Fahrzeugteile gekauft, wie tschechische Beamte als Zeugen vor Gericht aussagten. Franek hatte das als strafmildernd geltend gemacht und maximal fünf Jahre Haft gefordert.

Der Mann war 2013 ins Visier der Ermittler geraten, als sich ein auf frischer Tat gestellter Autodieb als Kronzeuge meldete. Im April hatten die Soko „Kfz“ aus Sachsen und eine Einheit für die Bekämpfung Organisierter Kriminalität aus Prag zugeschlagen: Im gut versteckten Steinbruch und dem Privatanwesen des Hehlers wurden Tausende Fahrzeugteile sichergestellt. Alle Fahrzeugidentifizierungs-Codes waren entfernt, unter anderem hatten Helfer Tinte in Airbags gespritzt, um auch in den fest verbauten Geräten Nummern zu zerstören. Die Teile gehörten zu etwa 170 gestohlenen Autos - 100 aus Tschechien und 70 aus Deutschland, vorwiegend Dresden und Umgebung.

dpa

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