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Neue Razzia bei mutmaßlichen NSU-Helfern in Dresden, Chemnitz und dem Erzgebirge

Neue Razzia bei mutmaßlichen NSU-Helfern in Dresden, Chemnitz und dem Erzgebirge

Karlsruhe/Dresden/Leipzig. Neuer Fahndungsschlag gegen den Neonazi-Terror: Die Bundesanwaltschaft hat am Mittwoch bundesweit Wohnungen und Geschäftslokale von mutmaßlichen Unterstützern der Zwickauer Terrorzelle durchsucht, darunter auch in Sachsen und Thüringen.

Wie die Behörde am Mittwoch mitteilte, sollen die Beschuldigten den mutmaßlichen Terroristen der Vereinigung Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) Schusswaffen und Sprengstoff verschafft haben.

Die Durchsuchungen hätten in Dresden, Chemnitz, im Erzgebirgskreis, in Ostthüringen und im Großraum Stuttgart stattgefunden, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft gegenüber LVZ-Online. Dabei seien Computer, Festplatten, diverse Dokumente sowie eine „CD mit rechtsradikaler Musik“ beschlagnahmt worden. Waffen wurden ersten Angaben zufolge nicht gefunden. Ziel der Razzia sei es gewesen, weitere Erkenntnisse über das Unterstützerumfeld der terroristischen Vereinigung und die Herkunft der Waffen zu gewinnen.

Vier weitere Beschuldigte im Visier der Ermittler

Die Zahl der Beschuldigten erhöhte sich im Zuge der Durchsuchungen von sieben auf elf, hieß es von der Bundesanwaltschaft. Die vier hinzugekommenen Personen ständen unter Verdacht, zum Helferkreis der mutmaßlichen Terroristen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) zu gehören, sagte Generalbundesanwalt Harald Range. Weitere Haftbefehle gab es am Mittwoch nicht.

Zwei der Beschuldigten sollen Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe bereits 1998 Sprengstoff und eine Schusswaffe zur Verfügung gestellt haben. Es bestehe der Verdacht, dass sie die Zwickauer Terrorzelle auch später unterstützt hätten, teilte die Bundesanwaltschaft mit. Zwei weitere Beschuldigte sollen den Mitgliedern des NSU 2002 und 2003 mehrere Schusswaffen verschafft haben, darunter mindestens eine sogenannte Pumpgun. Sie hätten dabei "Kenntnis der terroristischen Ziele der Gruppierung" gehabt, hieß es.

Rund 110 Polizisten aus drei Bundesländern im Einsatz

An den Durchsuchungen, die am Vormittag stattfanden, waren etwa 110 Polizeibeamte aus den Reihen des Bundeskriminalamts sowie aus Sachsen, Thüringen und Baden-Württemberg beteiligt. In Dresden war ein Spezialeinsatzkommando bei der Durchsuchung einer Wohnung im Stadtteil Gorbitz im Einsatz. In Thüringen wurde eine Wohnung in Laasdorf (Saale-Holzland-Kreis) durchsucht. „Nicht jeder, bei dem eine Durchsuchung durchgeführt wurde, muss zum Kreis der Beschuldigten zählen“, stellte der Behördensprecher gegenüber LVZ-Online klar. 

Das Neonazi-Trio um die mutmaßlichen Terroristen Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe soll für die Morde an neun Kleinunternehmern türkischer und griechischer Herkunft sowie an einer Polizistin in Heilbronn 2007 verantwortlich sein. Auch zwei Bombenattentate in Köln 2001 und 2007 und mehrere Banküberfälle sollen auf ihr Konto gehen.

Böhnhardt und Mundlos hatten sich Anfang November selbst getötet. Die einzige Überlebende des Trios, die 36-jährige Beate Zschäpe, sitzt in Untersuchungshaft. Außerdem wurden vier mutmaßliche Unterstützer des Trios in U-Haft genommen. „Es ist eine unserer vordringlichsten Aufgaben, den Kreis der Unterstützer des NSU umfassend zu ermitteln und sie gegebenenfalls zur Verantwortung zu ziehen“, sagte Generalbundesanwalt Range. „Auf dem Wege dahin sind wir in den letzten Wochen erheblich vorangekommen.“

"Mit Hakenkreuzen versehene Bombenattrappen

"

Range äußerte sich auch zu einer Haftbeschwerde, die Zschäpes Anwälte eingelegt haben. „Wir halten sie bereits nach den bisherigen Ergebnissen der Ermittlungen weiterhin für dringend verdächtig, sich an der terroristischen Vereinigung als Mitglied beteiligt zu haben.“ Die Ermittler haben dem Bundesgerichtshof 17 Aktenordner mit Beweisen vorgelegt, die dies belegen sollen. Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt hätten seit 1996 als Mitglieder des „Thüringer Heimatschutzes“ in wechselnder Besetzung Straftaten begangen, sagte Range. So hätten sie mit Hakenkreuzen versehene Bombenattrappen aufgestellt.

„Die vor zweieinhalb Monaten begonnenen Ermittlungen werden weiterhin mit Hochdruck geführt“, sagte Range. Mehr als 350 Beamte des Bundeskriminalamts und der Länderpolizeien sowie rund ein Dutzend Bundesanwälte seien mit dem Komplex befasst. Range betonte: „Angesichts der unfassbaren Grausamkeit und Menschenverachtung, die aus den Taten spricht, verbietet sich ein vorschnelles Ende der Ermittlungen.“

Robert Nößler/dpa

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