Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Polizeischutz für Landrat und Ex-Bürgermeister: Morddrohungen nach Brandanschlag in Tröglitz

Polizeischutz für Landrat und Ex-Bürgermeister: Morddrohungen nach Brandanschlag in Tröglitz

Nach dem Brandanschlag auf ein noch nicht bezogenes Flüchtlingsheim in Tröglitz in Sachsen-Anhalt steht der zuständige Landrat Götz Ulrich (CDU) unter besonderem Schutz.

Voriger Artikel
Droge Crystal Meth fordert Todesopfer in Sachsen-Anhalt
Nächster Artikel
Drogen und Alkohol: 18-jähriger Autofahrer rast mit Tempo 150 durch Magdeburg

Landrat Götz Ulrich (CDU) steht nach dem Brandanschlag von Tröglitz unter besonderem Schutz.

Quelle: Christian Modla

Tröglitz. Das sagte Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) am Montag. Zuvor hatte der Landrat des Burgenlandkreises in einem Interview von n-tv.de berichtet, dass sein Leben bedroht werde: „Das nimmt unangenehme Formen an. Das geht sogar so weit, dass die Methoden der Französischen Revolution angedroht werden“, sagte Ulrich.

Der Landrat ist zuständig für die Unterbringung von Asylbewerbern im Burgenlandkreis. Noch am vergangenen Dienstag der CDU-Politiker auf einer Einwohnerversammlung in Tröglitz über die Pläne für die Asylbewerberunterkunft informiert. Der Dachstuhl des Hauses ging in der Nacht zum Samstag in Flammen auf. 

Nach dem Brandanschlag in Tröglitz wird auch die Familie des Ex-Bürgermeisters Markus Nierth (parteilos) bedroht. Seine Frau Susanna Nierth sagte der Zeitung „Welt“: „Wir mussten davon ausgehen und hatten auch damit gerechnet, dass wir jetzt neue Drohungen erhalten.“ Die Einschüchterungsversuche seien per E-Mail geschickt worden. Innenminister  Stahlknecht sagte am Montag der Deutschen Presse-Agentur, dass die Schutzmaßnahmen für den Ex-Bürgermeister erhöht worden seien.

Haus soll trotzdem als Asylunterkunft genutzt werden

Wer das Haus in Brand gesetzt hat, ist weiter unklar. Die Staatsanwaltschaft fahndet nach den Tätern und ermittelt wegen schwerer Brandstiftung, der Staatsschutz ist eingeschaltet. Bislang gebe es noch keinen Tatverdächtigen, hieß es am Montag. Die Ermittler halten einen politischen Hintergrund für naheliegend. In dem Haus hätten 40 Flüchtlinge im Mai vorerst ein Zuhause finden sollen. Bereits Anfang März geriet der Ort in die Schlagzeilen, weil der ehrenamtliche Bürgermeister Markus Nierth (parteilos) wegen rechtsextremer Anfeindungen zurückgetreten war.

Trotz des Brandanschlags sollen im Ort sobald wie möglich erste Asylsuchende aufgenommen werden. Vorerst sei geplant, zehn bis zwölf Flüchtlinge in privaten Wohnungen unterzubringen, sagte Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU). Das teilweise ausgebrannte Haus solle nach einer Sanierung künftig wie geplant als Flüchtlingsheim genutzt werden. Dazu habe es bereits Gespräche mit dem Eigentümer gegeben. Am Dienstag will sich Stahlknecht mit Landrat Ulrich treffen, um die Unterbringung der ersten Flüchtlinge in Tröglitz in Privatwohnungen abzustimmen. Damit solle deutlich gemacht werden, „dass die Menschen vor Ort sich durch so ein Geschehen nicht abschrecken lassen“, sagte Stahlknecht.

Kauder: „Anschlag auf unseren Rechtsstaat"

 

Der Brandanschlag löste große Empörung aus - auch über Deutschland hinaus. Der Generalsekretär des Europarates, Thorbjørn Jagland, mahnte, ein solcher Vorfall sollte die Alarmglocken in Europa angehen lassen. „Die Demokratie wird zunehmend bedroht durch rassistischen, fremdenfeindlichen, politischen und religiösen Extremismus.“ 

Unionsfraktionschef Volker Kauder sprach in der „Welt“ von einem „Anschlag auf unseren Rechtsstaat.“ Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) appellierte in der „Bild am Sonntag“: „Wir dürfen beim Kampf gegen Rechtsradikalismus nicht nachlassen.“ Die Migrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), erklärte: „Wir alle müssen den Tätern zeigen, dass sie mit ihrem Hass alleine stehen.“

dpac86cdfba0e1428172211.jpg

Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei stehen vor der zukünftigen Unterkunft für Asylbewerber in Tröglitz.

Quelle: Hendrik Schmidt

Der evangelische Pfarrer von Tröglitz, Matthias Keilholz, berichtete am Sonntag, dass es eine „große Betroffenheit“ unter den Gemeindemitgliedern gebe. In der Begrüßung zum Ostergottesdienst sei er auf den Brandanschlag eingegangen. „Unter dem dunklen Eindruck der Geschehnisse ist es umso wichtiger, Ostern zu feiern und den Mut und die Hoffnung für die Weiterarbeit neu zu gewinnen“, fügte er hinzu. Am Samstagnachmittag hatten bereits mehrere hundert Menschen in dem Ort für ein weltoffenes Tröglitz demonstriert. Auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) nahm daran teil. 

Das Internationale Auschwitz Komitee und die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, forderten eine Beschleunigung des NPD-Verbotsverfahrens. „Die Partei ist der staatlich subventionierte Nährboden der nationalsozialistischen Ideologie“, erklärte Knobloch. Sie reagierte damit nicht nur auf den Anschlag von Tröglitz, sondern auch auf die Beschädigung einer Gedenktafel an der KZ-Gedenkstätte Jonastal in Thüringen durch Unbekannte.

LVZ

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Polizeiticker Mitteldeutschland
  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Digital Abo

    "LVZ Digital Abo" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kön... mehr

  • Farbspiele
    Die Sparkasse Leipzig sucht für Ihren Kalender 2018 farbenfrohe Fotos

    Beim Fotowettbewerb der Sparkasse Leipzig kann nun über die zwölf Kalendermotive abgestimmt werden. Das Voting endet am 31. August 2017. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Gutes von hier

    Das regionale Schaufenster mit Produkten und Dienstleistungen aus dem Leipziger Raum - von traditionell bis innovativ. Gutes von hier eben! mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr