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Prozess in Dresden: Angeklagter im Fall Khaled legt Geständnis ab

27-Jähriger spricht von Notwehr Prozess in Dresden: Angeklagter im Fall Khaled legt Geständnis ab

Der Tod eines Eritreers in Dresden macht Schlagzeilen, aber anders als zunächst befürchtet gibt es keinen rassistischen Hintergrund. Ein Mitbewohner steht jetzt wegen Totschlags vor Gericht - und beruft sich auf Notwehr.

Trauer um den getöteten Asylbewerber Khaled.

Quelle: dpa

Dresden. Knapp acht Monate nach der tödlichen Attacke auf den jungen Eritreer Khaled in Dresden hat der wegen Totschlags Angeklagte zu Prozessbeginn ein Geständnis abgelegt. Der 27-Jährige, ein Landsmann des Opfers, berief sich dabei am Montag im Landgericht auf Notwehr. Khaled habe ihn angegriffen und er sich aus dessen Schwitzkasten befreien wollen, hieß es in einer von seiner Anwältin verlesenen Erklärung.

Die Verteidigung betonte, dass Angaben aus der ersten Vernehmung nicht verwertet werden dürften. „Der Angeklagte ist zutiefst bestürzt und bedauert den Tod von Khaled, für den er bis heute keine Erklärung hat.“  Der Fall hatte zur Hoch-Zeit der islamfeindlichen Pegida-Bewegung  großes Aufsehen erregt und eine politische Debatte ausgelöst. Zudem standen die Ermittler in der Kritik, da sie zunächst keine Hinweise auf Fremdeinwirkung gefunden hatten und sich später korrigieren mussten.

Nach erstem Augenschein der Leiche war ein Fenstersturz vermutet worden, sagte eine Polizistin als Zeugin. Die sichtbare offene Wunde in der Brust hätte Folge einer Sturzverletzung sein können, berichtete ein Arzt, der am Fundort war. Laut Anklage waren die beiden Asylbewerber aus Eritrea am 12. Januar im Hinterhof einer Plattenbausiedlung im Stadtteil Leubnitz-Neuostra, wo sie wohnten, in Streit geraten. Mit einem Küchenmesser mit 15-Zentimeter-Klinge habe Hassan S. mindestens vier Mal auf Khaled eingestochen, „um die Auseinandersetzung für sich zu entscheiden“ - und dabei dessen Tod billigend in Kauf genommen. Der 20-Jährige, der als Vierjähriger mit seiner Mutter in den Sudan geflüchtet und im September 2013 als Asylbewerber nach Dresden gekommen war, verblutete und erstickte zugleich.

Khaled sei ein Freund gewesen, den er aus München kannte, gab S. im Gericht an. Der habe ihn an diesem Abend um ein Gespräch gebeten, dabei aber plötzlich auf ihn eingeschlagen, gab der Angeklagte vor Gericht an. Als er bei der Rauferei in Khaleds Hosenbund „einen Gegenstand“ ertastete, habe er damit zugeschlagen. Als der andere fiel, sei er weggelaufen. Erst später will er das Messer in der Hand bemerkt und weggeworfen sowie das Geschehene realisiert haben. S. war Tage später anhand der DNA-Spuren als Verdächtiger identifiziert und verhaftet worden. Nach Angaben der Verteidigung hatten Beamte ihn auf der Fahrt zur Vernehmung bedrängt, die Messerstiche zuzugeben.

Dem widersprach ein Ermittler vor Gericht. Seiner Aussage zufolge war S. bei der Festnahme in der Wohnung und im Auto über seine Rechte belehrt worden, was dieser auch verstanden habe. Gefragt, ob er es gewesen sei, habe S. genickt und gesagt, dass er sich in der Dienststelle äußern wolle, sagte der Beamte. „Von dem Messer wurde im Auto gar nicht geredet.“ Verteidiger Andreas Boine hatte zudem betont, dass der Dolmetscher bei S. erster Vernehmung dessen Muttersprache Tigrinya nicht ausreichend beherrscht habe. Der Angeklagte könne sich den Angriff von Khaled nicht erklären, sagte Boines Kollegin Elena Bogdanzaliew.

Vielleicht habe er sich bevormundet gefühlt, da die Älteren den 20-Jährigen stets ermahnt hätten, vom Alkohol zu lassen und zum Deutschkurs zu gehen. Zudem sei Khaled verärgert gewesen, da jemand seine fertige Wäsche zu Boden geworfen und die Waschmaschine neu befüllt hatte.

Die Schwurgerichtskammer hat weitere fünf Verhandlungstage bis zum 16. September angesetzt. Insgesamt sollen zwölf Zeugen, meist Polizisten und Ermittler, zwei Gutachter und ein Dolmetscher helfen zu klären, warum der 20-Jährige starb. Der Prozess, in dem Khaleds Mutter Nebenklägerin ist, wird am Donnerstag fortgesetzt.

dpa

Dresden 51.050409 13.737262
Dresden
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