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Razzia bei Rockerclubs: Gremium MC in Sachsen verboten – Waffen sichergestellt

Razzia bei Rockerclubs: Gremium MC in Sachsen verboten – Waffen sichergestellt

Nach den Verboten mehrerer Rockergruppen, darunter auch in Sachsen, haben am Mittwoch etwa 1000 Polizisten fast 100 Objekte durchsucht. Das teilte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) in Berlin mit.

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Durchsuchung beim Rockerclub Gremium MC in Dresden am Mittwoch.

Quelle: dpa

Leipzig/Berlin. Bei den Razzien im Freistaat wurden unter anderem Waffen und Motorräder sichergestellt, es gab bundesweit laut Friedrich allerdings keine einzige Festnahme. „Es geht darum, eine Struktur zu zerstören“, erklärte er.

Zuvor hatte das Bundesinnenministerium die Rockergruppe „Regionalverband Gremium Motorcycle Club (MC) Sachsen“ verboten. Dazu gehören unter anderem lokale Gruppen in Dresden, Chemnitz und Plauen. Gleichzeitig verbot das Brandenburger Innenministerium zwei Gruppierungen der konkurrierenden Hells Angels. Ihnen werden zahlreiche Straftaten zur Last gelegt, wie Körperverletzung, Geiselnahme, Erpressung und Betrug. „Rockerclubs sind kriminelle Parallelgesellschaften, die wir nicht dulden“, sagte Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU).

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Leipzig/Berlin. Nach den Verboten mehrerer Rockergruppen, darunter auch in Sachsen, haben am Mittwoch etwa 1000 Polizisten fast 100 Objekte durchsucht. Bei den Razzien im Freistaat wurden unter anderem Waffen und Motorräder sichergestellt, es gab bundesweit laut Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) allerdings keine einzige Festnahme. „Es geht darum, eine Struktur zu zerstören“, erklärte er. 

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SEK stürmt Vereinsheime

Hunderte Beamte durchsuchten in Sachsen und Brandenburg, aber auch in Berlin, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt Wohnungen und Vereinsheime. Laut sächsischem Innenministerium waren rund 350 Spezialeinsatzkräfte am Morgen in die Gremium-Clubhäuser in Dresden und Chemnitz sowie in 67 Wohnungen und bekannte Aufenthaltsorte der Mitglieder eingedrungen. Auch das SEK war im Einsatz, "aufgrund der Gefährlichkeit einzelner Vereinsmitglieder", wie es hieß.

Bei den Durchsuchungen in Sachsen wurde zahlreiches Beweismaterial sichergestellt, darunter auch mehrere Waffen. Neben einer Pistole fanden die Beamten mehr als 200 Schuss Munition, 99 Platzpatronen, zwölf Hieb- und Stichwaffen und 31 pyrotechnische Sprengkörper. Auch 7000 Euro Vereinsvermögen, ein Grundstück, Computertechnik und Handys wurden beschlagnahmt. Bei der Razzia stießen die Ermittler auch auf rechtsextremistisches Material und Betäubungsmittel. 17 Motorräder wurden bis 13 Uhr ebenfalls sichergestellt.

Ziel der Durchsuchungen sei es gewesen, das Vereinsvermögen zu beschlagnahmen und damit die Infrastruktur zu zerschlagen, so das Innenministerium. "Der in seiner Freizeit gemeinsam mit anderen Motorrad fahrende, unbescholtene und freiheitsliebende Familienvater ist eine gern bemühte Legende", sagte Ulbig. "Das Verbot entzieht solch kriminellen Vereinigungen nicht nur die finanzielle und die organisatorische Struktur, sondern nimmt ihnen auch jede Möglichkeit der Außendarstellung.“

Racheakt gegen Hells Angels wurde in Sachsen geplant

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Beschlagnahmt: Polizeibeamte mit Beweismitteln bei der Razzia im Rockermilieu.

Quelle: Bernd Settnik

Auslöser der am Mittwoch zugestellten Verbotsbescheide gegen die sächsischen Rocker könnte ein Racheakt gegen die Hells Angels gewesen sein. Laut Bundesinnenminister sei dieser von den sächsischen Gremium MCs geplant, veranlasst und durchgeführt worden. Im Zuge der gewalttätigen Revanche war am 31. Dezember 2011 in Königs Wusterhausen ein unbeteiligter 15-Jähriger schwer verletzt worden. Der Junge wurde in der Silvesternacht aus einer Gruppe von Männern heraus niedergestochen, die Ermittler gehen allerdings von einem Versehen oder einer Verwechslung aus.

Neben diesem konkreten Fall seien die Strukturen des Vereins mit seinen sächsischen Chaptern „Gremium MC Dresden“, „Gremium MC Chemnitz“, „Gremium MC Plauen“, „Gremium MC Nomads Eastside“ und „Härte Plauen“ auf die gewalttätige Gebiets- und Machtentfaltung ausgerichtet, um Straftaten in seinem Einflussgebiet in Sachsen und Brandenburg ausüben zu können, hieß es am Mittwoch.

Verbot zweier Hells-Angels-Gruppen in Brandenburg

Zeitgleich zu den Bemühungen im Freistaat gegen den Gremium MC ließ auch Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke (SPD) zwei rivalisierende Motorrad-Gangs verbieten. Dem „Hells Angels MC Oder City“ und dem „Hells Angels MC Oder City Kurmark“ werden Verstöße im Sinne des Strafgesetzbuches nachgesagt. Wie Woidke erklärte, versuchen auch diese Gruppen mit kriminellen Aktivitäten ihre regionale Vormachtstellung auszubauen und den Einfluss konkurrierender Gruppen zu dezimieren. Höhepunkt der Auseinandersetzungen sei ein versuchter Mord am 24. Dezember in Königs Wusterhausen gewesen, nachdem der Präsident der "Hells Angels Oder City" vermeintlich beleidigt worden war. Eine Woche nach dem Mordversuch soll es dann in der Kleinstadt zur Revanche des Gremium MC gekommen sein, bei dem der 15-Jährige schwer verletzt wurde.

Nach Bekanntwerden der Verbotsverfahren lobte der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) das konsequente Vorgehen gegen organisierte Kriminalität, Einschüchterung und Gewalt. BDK-Bundesvorsitzender André Schulz erklärte, Ermittlungs- und Sicherheitsbehörden müssten alle Möglichkeiten nutzen, um gegen Strukturen bei den Rockern vorzugehen. Vereinsverbote seien aber nur eine Seite. Die Politik müsse auch dafür sorgen, dass bei den Ermittlern kein Personal abgebaut wird. Viele dieser Spezialisten seien in Rocker-Verfahren an der Höchstgrenze ihrer Leistungsfähigkeit.

Weltweite Vernetzung des Gremium MC

Der Gremium MC wurde 1971 in Mannheim gegründet und ist heute der größte deutsche Motorradclub, der sich noch nicht den internationalen Szenegrößen Hells Angels, Bandidos oder Outlaws angeschlossen hat. Weltweit soll der Verein mehr als 100 lokale Ableger haben - unter anderem in Europa, Asien und in Übersee. In den vergangenen Jahren kam es in Deutschland immer wieder zu Auseinandersetzungen mit anderen Motorrad-Clubs, vor allem mit den Hells Angels, die im Umfeld des Gremium MC regionale Ableger eröffneten.

Der Gremium MC rechnet sich selbst zu den sogenannten Outlaw Motorcycle Clubs (OMCC) oder auch zu den „Onepercenter“ – in scherzhafter Anlehnung an eine historische Unterscheidung der Motorradclubs in den USA in 99 Prozent rechtschaffend und ein Prozent kriminell.

Matthias Puppe / dbr / dpa / nöß

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