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Razzia gegen "kino.to": Chefs des illegalen Film-Portals saßen in Leipzig

Razzia gegen "kino.to": Chefs des illegalen Film-Portals saßen in Leipzig

Tausende Kinofilme und TV-Serien stellten die Betreiber von „kino.to“ illegal im Netz zur Verfügung – am Mittwoch ist der Staatsanwaltschaft ein internationaler Großschlag gegen die Betreiber des Online-Portals gelungen.

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Großrazzia gegen "kino.to": In Leipzig soll sich die Zentrale des illegalen Film-Portals befunden haben.

Quelle: LVZOnline Montage

Leipzig/Dresden. Insgesamt 13 Personen wurden bei Razzien unter anderem in Leipzig festgenommen. Einem Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Dresden zufolge sollen die Chefs der Kino-Website ihren Sitz in der Messestadt gehabt haben.

„Von hier aus wurde ‚kino.to’ gesteuert“, sagte Oberstaatsanwalt Wolfgang Klein am Nachmittag gegenüber LVZ-Online. „Die Köpfe des Portals saßen in Sachsen und auch in Leipzig.“ Insgesamt zwei Objekte – eine Wohnung und ein Büro – waren am Morgen hier von der Integrierten Ermittlungseinheit Sachsen (INES) durchsucht worden. Drei Personen nahmen die Beamten fest. „Wir waren seit 9 Uhr aktiv“, erklärte Klein.

Informationen, wonach sich die durchsuchten Objekte im Leipziger Stadtzentrum und im Stadtteil Grünau befunden haben sollen, konnte Klein nicht bestätigen. Auch zum Alter und zum Geschlecht der Beschuldigten machte er keine Angaben. Sie sollten noch am Mittwoch einem Ermittlungsrichter vorgeführt werden, hieß es.

Mehr als 30.000 illegale Filme und Serien im Netz

Bei der großangelegten Razzia waren seit dem Vormittag 20 Geschäftsräume und Rechenzentren von „kino.to“ durchsucht worden, darunter in Berlin, Hamburg, Bremen, Frankfurt, Nürnberg und München. 250 Polizisten und Steuerfahnder waren allein in Deutschland beteiligt. Unterstützt wurden sie von 17 Datenspezialisten. Zeitgleich erfolgten Durchsuchungen in Spanien und Frankreich.

In Sachsen schlugen die Ermittler neben Leipzig auch in Zwickau zu. „Es wurden Dateien und Dokumente sichergestellt“, so der Oberstaatsanwalt. Insgesamt 13 von 21 Beschuldigten hätten die Ermittelt bundesweit festgenommen, nach einer weiteren Person werde noch gefahndet.

Über die Internetseite „kino.to“ wurden Raubkopien von Spielfilmen und Serien per Stream illegal verbreitet. „Es standen mehr als 30.000 verschiedene Titel zur Verfügung, darunter alleine 2600 komplette TV-Serien, aber auch aktuelle Filme teilweise parallel zum Start im Kino“, sagte Christine Ehlers von der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU).

Der Verein hatte am 28. April diesen Jahres einen Strafantrag wegen Urheberrechtsverletzungen und dem Verdacht auf Gewerbsmäßigkeit gestellt. Die Oberstaatsanwaltschaft konnte die Vorwürfe konkretisieren und ermittelt nun wegen der „Bildung einer kriminellen Vereinigung zur gewerblichen Begehung von Urheberrechtsverletzungen“.

Vorerst keine Ermittlungen gegen Nutzer

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Die Webseite von kino.to war am Mittwoch nicht mehr zu erreichen.

Quelle: Screenshot

Sowohl der Schaden für die Filmwirtschaft als auch die Gewinne der Hauptbeschuldigten durch Werbung und Premium-Accounts auf dem Online-Portal habe im einstelligen Millionen-Bereich gelegen, teilten die Ermittler mit. „’Kino.to’ war der Platzhirsch im Bereich der deutschsprachigen Raubkopienportale für Filme im Internet“, erklärte GVU-Sprecherin Ehlers. Bereits seit dem Start des Portals im April 2008 sei deshalb gegen die Betreiber ermittelt worden – mit geringem Erfolg. Die Server sollen unter anderem in Russland stehen, die Domain „kino.to“ selbst war im Südsee-Staat Tonga angemeldet.

Nach neuen Erkenntnissen habe sich die Beweislage nun so weit entwickelt, dass eine großangelegte Durchsuchung möglich geworden sei, wie Generalstaatsanwalt Wolfgang Klein sagte. Die Start-Webseite von „kino.to“, die etwa vier Millionen Nutzer täglich hatte, wurde noch am Mittwoch durch die Ermittler abgeschaltet. Auch mehrere so genannte Streamhoster, bei denen die auf den Portalen verlinkten Raubkopien abgelegt waren, deaktivierten die Beamten. Auf dem Bildschirm des Portals erschien ein Hinweis zu den laufenden Ermittlungen der Kriminalpolizei.

Ob auch die Nutzer der Seite mit Ermittlungen rechnen müssen, war am Mittwoch noch unklar. Dies solle zu einem späteren Zeitpunkt geprüft werden. Unter Juristen ist die Strafbarkeit der Nutzung von Stream-Angeboten im Internet wie „kino.to“ umstritten, da in der Regel keine Daten auf den Computer heruntergeladen werden. „Wir konzentrieren uns momentan voll und ganz auf die Anbieterseite“, hieß es dazu von Seiten der Staatsanwaltschaft.

Unterdessen gab es am Abend offenbar einen anonymen Angriff auf das Internet-Angebot der GVU. "Unsere Webseite www.gvu.de wurde attackiert und ist derzeit nicht erreichbar", sagte Sprecherin Ehlers. Ob der Ausfall im Zusammenhang mit der Abschaltung von "kino.to" steht, ist derzeit noch unklar.

Robert Nößler / Matthias Roth / dpa

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