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Rechtsextreme weichen zu NPD-Abgeordnetem aus - Mutzschener Bürgermeister ist sauer

Rechtsextreme weichen zu NPD-Abgeordnetem aus - Mutzschener Bürgermeister ist sauer

Das neue Ziel wurde am Samstagmittag schnell über das Internet verbreitet. Rechtsextremistische Gruppen verkündeten beim Kurznachrichtendienst Twitter, dass es spontan zu einer Ersatzveranstaltung für die vom Sächsischen Oberverwaltungsgericht verbotene Demonstration in Leipzig komme.

Mutzschen. Sie legten sich aber Geheimhaltung auf: „Infos bei bekannten Kameraden“, hieß es nur. Oder: „Meldet euch bei den Kontaktpersonen!“ Zwei Stunden später waren die Neonazis nicht mehr vorsichtig: Roda wurde nun auch offiziell als Ziel ausgegeben. Auf dem Privatgrundstück des NPD-Landtagsabgeordneten Winfried Petzold soll am Abend im Mutzschener Ortsteil ein Konzert mit drei Neonazi-Bands stattfinden.

Am Nachmittag war die Lage in der kleinen Ortschaft zwar noch ruhig. Auf dem Gelände in der Ortsmitte sammelten sich aber schon die ersten Rechtsextremisten. Mehrere Autos  - selbst ein Reisebus - hatten bis dahin den Ort angefahren. Fahnen wurden entrollt. Die Polizei, die über die Veranstaltung seit dem Mittag Kenntnis hatte, war zunächst nicht zu sehen. Lediglich ein Streifenwagen steuerte kurz durch den Ort.

Die Einsatzkräfte haben nach eigener Aussage keine Möglichkeit, das Konzert zu verhindern. Auch die fehlende Anmeldung sei kein Grund, hieß es aus dem Lagezentrum der Polizeidirektion Westsachsen: „Wenn eine Person auf einem Privatgrundstück ein Konzert abhalten möchte, können wir das nicht stoppen.“

Es habe sich aber eine „verantwortliche Person“ auf den Weg nach Roda gemacht, um sich ein Bild über die Lage zu machen. „Er wird das Gespräch mit dem Veranstalter suchen“, sagte der Einsatzleiter. Unter anderem soll er diesem verdeutlichen, dass die Polizei Straftaten während des Konzertes - wie verfassungsfeindliche Texte – nicht dulden werde.

Zahlen, wonach rund 300 Neonazis am Abend erwartet wurden, wollte die Polizei nicht bestätigen. Die Rechtsextremen rechnen anscheinend mit einer großen Anzahl von Besuchern. Auf dem Gelände wurden rund zehn bewegliche Toiletten aufgestellt. Zudem wird immer noch stark im Internet zur Teilnahme aufgerufen: „Eure Solidarität ist nun gefragt!“, heißt es etwa in einer Kurznachricht. Die Polizeidirektion will trotz dieser Aktivitäten keinen Teil der Einsatzkräfte von Leipzig ins südliche Muldental verlegen.

Der  Mutzschener Bürgermeister Carsten Graf (parteilos) zeigte sich irritiert, dass die Polizei ihn am späten Nachmittag noch nicht verständigt hatte. Er war auf einer privaten Feier von den Entwicklungen überrascht worden. „Ich bin von niemanden angerufen oder informiert worden“, sagte er. Die Polizei kündigte allerdings auf LVZ-Nachfrage an, dass der Beamte, der in Mutzschen-Roda mit den Rechtsextremen verhandelt, auch das Gespräch mit der Stadtspitze suchen würde.

Kai Kollenberg

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