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Sachsens Polizei klärt fast alle Tötungsverbrechen - mit einzelnen Ausnahmen

Sachsens Polizei klärt fast alle Tötungsverbrechen - mit einzelnen Ausnahmen

Sachsen ist für Gewaltverbrecher kein ruhiges Pflaster. Bei Mord und Totschlag liegt die Aufklärungsquote sogar über dem Bundesdurchschnitt von rund 96 Prozent.

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Quelle: Tanja Tröger

Dresden. Die Statistik trüben jedoch mehr als ein Dutzend Einzelfälle, an denen sich die Ermittler bisher die Zähne ausbeißen - trotz aller Bemühungen und ausgelobter Belohnungen. Die ältesten dieser unaufgeklärten Verbrechen datieren noch aus DDR-Zeiten, die jüngsten aus dem vergangenen Jahr.

Laut polizeilicher Kriminalstatistik wurden 2012 die Täter in 28 von 29 Mordfällen und in allen 54 Totschlagsfällen gefasst. Mit einer Aufklärungsquote von 96,6 Prozent bei Mord und 100 Prozent bei Totschlag sei der Freistaat auch besser als andere Bundesländer, sagte Justizminister Jürgen Martens (FDP). Statistische Einzeldaten zu ungeklärten Todesfällen gebe es nicht, da oft unklar sei, ob es fahrlässige Tötung, Totschlag oder Mord war. So wie bei dem Mann, der Ende der 1990er Jahre vom berühmten Basteifelsen in der Sächsischen Schweiz zu Tode stürzte. Da wird vermutet, dass nachgeholfen wurde, sagte ein Sprecher der Dresdner Staatsanwaltschaft. Der Tod zweier Brüder bei Auseinandersetzungen im Rotlichtmilieu in Dresden Mitte der 1990er Jahre ist ebenso ein Rätsel wie der Tod der einer als „Katzenjule“ bekannten Rentnerin aus Nünchritz bei Riesa oder eines 26-Jährigen in Dresden. Die 66-Jährige war 2004 mit schweren Kopfverletzungen am Straßenrand gefunden, der junge Mann 1991 auf dem Weg zur Arbeit auf der Straße erstochen worden.

Trotz vieler Zeugen konnte der Täter unentdeckt bleiben. In Görlitz wird seit 1997 der Mörder eines Bauunternehmers gesucht. Der 32-Jährige hatte sich mit einer Schussverletzung in der Brust noch zur Polizei geschleppt, wo er starb. Noch nicht mal ein Jahr her ist der gewaltsame Tod eines 23-Jährigen im Gleisbett der S-Bahn, die Täter werden noch gesucht. Chemnitzer Ermittler bearbeiten noch fünf ungelöste Fälle aus den Jahren 1985 bis 2006, bei der Zwickauer Staatsanwaltschaft liegen Altakten von 1987 zum Tod einer 18-Jährigen in Plauen. Nach mehr als 20 Jahren birgt ein kürzlich am Haar des Opfers gesichertes DNA-Fragment neue Hoffnung, da es möglicherweise vom Täter stammt, wie Oberstaatsanwalt Holger Illing berichtete.

Illing kennt auch Fälle, in denen die Kripo alles unternahm, die Ermittler mangels Spuren aber gescheitert seien. So ist der gewaltsame Tod eines Zeitungsausträgers bisher ungesühnt, der nach der Wende in einem Zwickauer Hinterhof gefunden worden war. „Es hatte geschneit, es wurde gestreut und damit die meisten Spuren unwissentlich vernichtet.“ Nach Ausschöpfung aller technischen Möglichkeiten und mangels neuer Anhaltspunkte musste die Akte geschlossen werden. Das droht auch im Fall der 2011 und 2012 nach der Geburt getöteten Geschwisterbabys von Schwarzenberg (Erzgebirge) und Rotava (Tschechien). Nach drei Jahren stehen die Ermittlungen vor der Einstellung.

In solchen Fällen werde aber, sobald es neue Ansätze gebe, weiterermittelt, betonte Minister Martens. „Totschlag verjährt erst nach 20 Jahren, Mord gar nicht.“ Daher werden die Spuren so lange aufbewahrt, bis praktisch keine Wahrscheinlichkeit mehr besteht, einen Täter zu ermitteln. Das sei dann angesichts der Strafmündigkeit ab 14 Jahren und einer maximalen Lebenserwartung nach 60, 70 oder 100 Jahren der Fall. „Wenn man nicht weiterkommt, schauen zuvor mit dem Fall nicht befasste Ermittler mit unvoreingenommenem und ungetrübtem Blick auf die Dinge“, sagte Martens.

Manchmal haben die Kriminalisten auch Glück. So wurden Jahre nach dem gewaltsamen Tod eines Mannes in Ostsachsen die Täter doch noch gefasst. Eine Beteiligte, die mit ihnen und dem späteren Opfer im Auto unterwegs gewesen war, brach eines Tages doch noch ihr Schweigen. Manchmal helfe auch „Kommissar Zufall“, weiß Minister Martens. „Die Chance, dass ein Tötungsdelikt ungesühnt bleibt, ist in Sachsen sehr gering.“

dpa

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