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Sieben Jahre auf Prozess gewartet: Richterin entschuldigt sich

Totschlag Sieben Jahre auf Prozess gewartet: Richterin entschuldigt sich

Das ist ungewöhnlich: Weil eine 37 Jahre alte Frau aus Meißen gut sieben Jahre auf ihren Prozess wegen Totschlags gewartet hat, entschuldigte sich am Dienstag die Richterin.

Eine 37 Jahre alte Frau muss sich vor dem Landgericht Dresden verantworten.

Quelle: dpa

Dresden. Mit einer Entschuldigung der Schwurgerichtskammer für die lange Wartezeit bis zur Verhandlung hat in Dresden der Prozess um den Tod eines Neugeborenen im Mai 2008 begonnen. „Es ist ein Unding, dass der Sachverhalt so lange zurückliegt“, sagte die Vorsitzende Richterin Birgit Wiegand am Dienstag im Landgericht. Sie machte fehlende Stellen bei Staatsanwaltschaft und Gericht und eine Reihe großer Verfahren dafür verantwortlich. „Haftsachen müssen wir vorrangig behandeln“, sonst kämen Straftäter auf freien Fuß, erklärte sie der 37-Jährigen aus Meißen. Der Kammer sei bewusst, dass die Sache „wie ein Damoklesschwert“ über ihr schwebte. „Das ist nicht in unserem Sinne; es tut uns wirklich leid.“  

Die dreifache Mutter ist wegen Totschlags durch Unterlassen an ihrem vierten Baby angeklagt. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft fuhr die im siebten Monat Schwangere um Mitternacht nach der Arbeit an der Bar einer Diskothek mit ihrem Freund nach Hause. Der habe das Auto dann an der Bundesstraße 101 bei Frauenhain (Landkreis Meißen) gestoppt, weil sie austreten wollte. Stattdessen habe sie auf dem Randstreifen ein lebensfähiges Frühchen geboren, die Nabelschnur abgerissen und das nackte Kind liegenlassen. „Sie wollte, dass es stirbt“, sagte Staatsanwältin Karin Dietze. Sie habe durch Unterlassen einen Menschen getötet, ohne Mörderin zu sein. Der Junge starb eine halbe Stunde danach an Unterkühlung und weil er nicht versorgt wurde. Seine Leiche war am nächsten Morgen entdeckt worden, die Mutter fanden die Ermittler erst zwei Monate später - die DNA von Zigarettenkippen am Fundort führte zu ihrem Freund. Warum die Frau ihr Baby hilflos zurückließ, ist unklar.

Zum Prozessauftakt machte die Frau, die als Adoptivkind aufwuchs, keine Angaben zur Sache. „Das Problem ist, ich kann nicht darüber sprechen“, sagte sie unter Tränen. Sie war Ende August 2008 aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Mit 15 war sie das erste Mal schwanger, die Tochter kam 1994 zur Welt. Nach der Schule machte sie eine Kellnerausbildung. Mit einem neuen Partner bekam sie zwei weitere Kinder, machte sich mit einer Kneipe selbstständig und managte die Familie. 2007 trennte sie sich von dem arbeitslosen Vater, dessen Schulden sie noch immer abzahlt.

Das vierte Kind stammte laut DNA von einem weiteren Mann, mit dem Yvonne nach eigenen Angaben keine Beziehung haben wollte. Er war als Zeuge geladen, aber nicht gekommen. Nach Angaben einer Freundin war sie eine gute Mutter, die sich trotz Geldknappheit bemühte, ihr eigenes und das Leben ihrer Kinder auf die Reihe zu bekommen. Von einer Schwangerschaft habe sie nichts bemerkt, sagte sie vor Gericht. Die Frau, die teilweise von Weinkrämpfen geschüttelt wurde, äußerte sich nicht zu den Vorwürfen. Die Hartz-IV-Empfängerin wirkte sichtlich mitgenommen. Sie hat ihre Umschulung zur Altenpflegerin unterbrochen - wegen der psychischen Belastungen durch den Prozess. Für den sind noch zwei weitere Verhandlungstage bis zum 19. Juni terminiert. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

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