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Spürhunde finden Brandbeschleuniger in Bautzner Asylunterkunft

Abgefackelt Spürhunde finden Brandbeschleuniger in Bautzner Asylunterkunft

In Bautzen ist in der Nacht zum Sonntag eine vorbereitete Flüchtlingsunterkunft abgebrannt. Schaulustige applaudierten. Spürhunde der Polizei haben mittlerweile Spuren von Brandbeschleunigern gefunden.

Dieses ehemalige Hotel sollte Flüchtlingsunterkunft werden.
 

Quelle: dpa-Zentralbild

Bautzen. Nach dem Feuer in einer geplanten Flüchtlingsunterkunft in Bautzen haben die Ermittler Spuren von Brandbeschleuniger in dem Gebäude entdeckt. Das teilte die Görlitzer Polizei am Sonntagnachmittag mit. Bei den Untersuchungen kam ein Brandmittel-Spürhund zum Einsatz. Unterdessen geht die Suche nach den Brandstiftern weiter, die das Feuer in einer geplanten Flüchtlingsunterkunft gelegt haben. Die Polizei will auch gegen Gaffer vorgehen, die den Brand johlend verfolgt oder die Arbeit der Feuerwehr behindert hatten. Inzwischen wurde auch das von Leipzigs Polizeipräsident Bernd Merbitz geleitete und auf rechtsextreme Straftaten spezialisierte Operative Abwehrzentrum (OAZ) eingeschaltet. Ein fremdenfeindlicher HIntergrund werde nicht ausgeschlossen, teillte Innenminister Markus Ulbig (CDU) mit. Merbitz befand sich in Bautzen bereits vor Ort.

Feuer in geplanter Flüchtlingsunterkunft

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Die Beamten berichteten von einigen teils alkoholisierten Schaulustigen - manche hätten das Brandgeschehen mit „abfälligen Bemerkungen oder unverhohlener Freude“ kommentiert. Nach einem Bericht der Sächsischen Zeitung waren auch Kinder unter den Zuschauern. Aus den angrenzenden Straßen sei: „Wir wollen keine Asylantenheime“ zu hören gewesen. Nach Polizeiangaben versammelten sich zwischen 20 und 30 Menschen im Umfeld des Hotels.

Die Polizei erteilte Platzverweise gegen drei Bautzener im Alter von 19 und 20 Jahren, die die Arbeit der Feuerwehr massiv behindert hätten. Zwei junge Männer seien in Gewahrsam genommen worden, weil sie den Anordnungen der Beamten nicht folgten. Die Feuerwehr war mit rund 70 Kameraden im Einsatz. Sie verhinderten ein Übergreifen der Flammen auf angrenzende Wohnhäuser und Supermärkte in der engen Stadtbebauung.

Verletzt wurde nach derzeitigem Erkenntnisstand offenbar niemand, so die Polizei. Das L-förmige Gebäude war zuletzt als Hotel "Husarenhof" genutzt worden. Im März sollten dort rund 300 Asylbewerber eine neue Unterkunft finden.

Die Band Silbermond aus Bautzen hat sich nach dem Brand in einer geplanten Flüchtlingsunterkunft erschüttert gezeigt. „Es macht uns traurig und wütend, sowas zu lesen. Jetzt also auch in Bautzen“, schrieb die Band um Sängerin Stefanie Kloß („Das Beste“, „Leichtes Gepäck“) am Sonntag bei Facebook. „In 3 Tagen werden wir zwei Konzerte in unserer Heimatstadt spielen und wir wissen, dass in dieser Stadt viele Menschen leben, die nicht vor diesem brennenden Haus gestanden und Müll von sich gegeben haben. Wir müssen wach bleiben, wir müssen die Augen offen halten und dürfen solchen Menschen mit ihrer Gesinnung keinen Platz geben.“

"Ich bin schockiert, dass so etwas in Bautzen möglich ist. In den letzten Monaten wurde die Diskussion um die Unterbringung von Asylbewerbern fast ausnahmslos sachlich geführt. Was hier und heute geschehen ist, macht mich sehr wütend", sagte Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens (perteilos).

Der Blog Lauter Bautzner dokumentierte bereits am 30. Dezember 2015 Einträge auf der Facebook-Seite "Bautzen steht auf". Geplante Angriffe auf die Flüchtlingsunterkunft wurden demnach unter anderem so angedeutet: 
"Hurra! Alle freuen sich, die Gutmenschen sind orgastisch happy. Leider muss der Dachstuhl noch etwas verschönert werden... Das wäre perfekt." Autor des Blogs ist Veselin Popovic, geboren in Bautzen und inzwischen in Berlin lebend.

Der ehemalige Besitzer des Hotels, Michael Pfützner, zeigte sich schockiert über die Vorgänge. Er sagte Mopo 24, er sei von der Polizei informiert worden und frühzeitig vor Ort gewesen, um seinen am Gebäude geparkten Transporter in Sicherheit zu bringen. Dabei habe er beobachtet, wie die Schaulustigen den Brand bejubelten. "Die haben dort gefeiert, während das Gebäude in Flammen aufging. Schrecklich", sagte Pfützner. Er glaube nicht an einen technischen Defekt als Brandursache. Alle Gasleitungen und die meisten Stromanschlüsse seien abgestellt gewesen.

Tillich: „Das sind keine Menschen"

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) hat die fremdenfeindlichen  Vorfälle in Clausnitz und Bautzen als „widerlich und abscheulich“ bezeichnet. In Clausnitz hatte ein aufgebrachter Mob am Donnerstagabend stundenlang einen Bus mit ankommenden Flüchtlingen blockiert. Die Vorfälle seien erschreckend und schockierend zugleich, sagte Tillich am Sonntag den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Das sind keine Menschen, die sowas tun. Das sind Verbrecher.“

Die Strafverfolgungsbehörden würden konsequent ermitteln und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Solche Taten besudelten „das, was die Menschen an Mut in der friedlichen Revolution aufgebracht haben und den Fleiß beim Wiederaufbau Sachsens“. Auch Innenminister Ulbig verurteilte die Vorfälle in Bautzen scharf. „Was mich besonders betroffen macht, ist die Tatsache, dass mehrere betrunkene Bautzener vor Ort pöbelten“, sagte Ulbig. Es sei „unerträglich, wie offen und respektlos der Hass auf Ausländer zur Schau getragen wird“, fügte er hinzu. „Wir stehen vor einer großen gesamtgesellschaftlichen Aufgabe, diesen Hass aus den Köpfen der Menschen zu bekommen.“ 

Matthias Roth (mit dpa)

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