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Tierquälerei: Thüringer Polizei sucht Armbrust-Schützen im Raum Jena

Tierquälerei: Thüringer Polizei sucht Armbrust-Schützen im Raum Jena

Mit einer Armbrust bewaffnet macht ein Tierhasser seit Monaten Jagd auf Kühe und Pferde im Raum Jena. Die Thüringer Polizei fahndet inzwischen mit einer Soko nach dem Schützen.

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Mit einer Armbrust bewaffnet macht ein Tierhasser seit Monaten Jagd auf Kühe und Pferde im Raum Jena.

Quelle: dpa

Jena. Womöglich besteht auch für Menschen eine Gefahr. Denn manche Gewaltverbrecher üben erst am Tier.

Er kommt immer abends, im Schutz der Dunkelheit. Er sucht sich eine abgelegene Koppel, weit und breit kein Mensch, nur die Rinder grasen friedlich vor ihm. Anfang Januar trifft es eine Herde Galloway-Rinder in der Nähe von Großlöbichau, östlich von Jena. Mit einer Armbrust schießt er auf vier Tiere, darunter ein Kalb. Die Pfeile sind etwa 40 Zentimeter lang. Als die Polizei am nächsten Tag mit Hubschrauber und 30 Beamten zur Spurensicherung anrückt, stecken noch Pfeile im Fleisch der Tiere. Es ist kein schöner Anblick. Eine Kuh ist am Auge getroffen, bei einer anderen ragt ein abgebrochener Bolzen aus der empfindlichen Nase.

Es ist nicht der erste Angriff dieser Art, und nicht der letzte. Allein seit Juni vergangenen Jahres schlug der Täter fünfmal zu - immer im Großraum Jena. 14 Rinder wurden seitdem verletzt. Am 1. März gehören erstmals Pferde zu den Opfern, und diesmal stirbt auch ein Tier. In Großbockedra wird ein Wallach von einem Pfeil schwer verletzt, ein Hengst bricht tot zusammen. Die Besitzerin hat 10000 Euro Belohnung ausgesetzt, der Tierschutzverein Jena legte weitere 4000 Euro drauf. "Es herrscht Verunsicherung und Angst bei den Haltern von Großtieren", sagt Vereinschefin Judith Kluger.

Sechs Beamte der Sonderkommission (Soko) Weide gehen bislang 63 Hinweisen nach. Auch "hilfreichen", heißt es, ohne ins Detail gehen zu wollen. Es liege ein anonymer Brief vor. "Momentan gibt es keine Anhaltspunkte für mehrere Täter. Es kann jedoch auch nichts ausgeschlossen werden. Die Spurenauswertung läuft noch, bislang gibt es kein verkündbares Ergebnis", sagt Sven Opitz, Leiter der Soko Weide. Inzwischen hat die Polizei ein Täterprofil erstellt. In der MDR-Sendung "Kripo Live" rief sie zur Mithilfe auf. Der Mann sei unauffällig, normal gekleidet und im Alter zwischen 35 und 50 Jahren. "Möglicherweise kompensiert er seine eigene Schwäche, indem er schutzlose Pferde und Rinder angreift. Vielleicht zieht er aber auch einen perversen Lustgewinn daraus, Tiere zu töten", hieß es. Alles in allem eine recht vage Beschreibung. Das Problem: Der Pferderipper sucht sich beliebige Tiere aus, abseits von Ortschaften, ein Muster ist nicht zu erkennen - und eine Armbrust kann jeder kaufen, der volljährig ist. Sie ist nicht waffenscheinpflichtig.

Auch die Motivation gehe nicht klar aus den Taten hervor, sagt Stefan Giebel, Leiter des Kriminologischen Dienstes für den Thüringer Justizvollzug. Man unterscheide normalerweise zwei Typen: "Bei der tierartspezifischen Quälerei und Tötung wird ein Trauma ausgelebt, etwa aus der Kindheit", so Giebel. Der Täter verwende Schusswaffen, um auf Abstand bleiben zu können. Dem Typ Sadist wiederum sei die Tierart egal. "Er sucht Nähe zum Opfer und nutzt andere Waffen, beispielsweise Seile, mit denen er die Tiere quälen kann. Manche haben eine Signatur und schneiden bestimmte Körperteile ab", erklärt Giebel. Sadisten steigern den Grad der Gewalt. "Die können sich weiterentwickeln und auch gegenüber Menschen gefährlich werden. Sie üben sozusagen am Tier." Dass es sich bei dem Ostthüringer Tierhasser um einen Sadisten handelt, sei wegen der Distanzschüsse eher unwahrscheinlich. Möglicherweise handelt es sich sogar um Jugendliche auf der Suche nach einem Kick, so Giebel.

Als Dummen-Jungen-Streich will Heike Wust vom Reit- und Fahrverband Thüringen die Angriffe nicht abtun. "Wer auf ein Pferd mit einer Armbrust schießt, der weiß, dass er es damit nicht nur schwer verletzen, sondern auch töten kann. Das sind für ein Pferd wahnsinnige Schmerzen, wenn beispielsweise Muskeln getroffen werden. Treffer der Lunge können zum Erstickungstod führen. Das Pferd kann auch an inneren Blutungen und Organschäden sterben", sagt die Tierschutzbeauftragte des Vereins.

Dass der Täter jederzeit wieder zuschlagen kann, bereitet dem Verein große Sorge. Sobald es wärmer wird, beginnt die Weidesaison. Die Tiere im Stall zu lassen, sei keine Alternative, sagt Wust: "Man kann sich schlecht schützen. Das Pferd ist ein Herden- und Lauftier und braucht deshalb den Weidegang zur artgerechten Haltung." Die Polizei ist verstärkt auf Streife.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.04.2013

Robert Büssow

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