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Tödliche Schüsse auf Ehefrau in Mittelsachsen: Mildere Strafe für Angeklagten

Erneute Verhandlung Tödliche Schüsse auf Ehefrau in Mittelsachsen: Mildere Strafe für Angeklagten

Weil er die Trennung nicht verkraftete, erschoss ein 55-Jähriger seine Ehefrau. In einem ersten Urteil hatte der Mann lebenslang bekommen, nun muss er 15 Jahre wegen Totschlags ins Gefängnis. Die mildere Strafe verdankt er dem Grundsatz «in dubio pro reo».

Das Symbol der Gerechtigkeit: Die römische Göttin Justitia.

Quelle: dpa

Chemnitz. Eineinhalb Jahrzehnte Gefängnis statt lebenslang: Rund zwei Jahre nach den tödlichen Schüssen auf seine Ehefrau ist ein 55-Jähriger zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Der Prozess war am Landgericht Chemnitz neu aufgerollt werden, nachdem der Bundesgerichtshof ein erstes Urteil Chemnitzer Richter wegen «rechtlicher Bedenken» aufgehoben hatte. Der Mann war im Februar 2015 wegen besonders schweren Totschlags zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Nun verhängten die Richter eine mildere Strafe - wegen Totschlags.

Das Familiendrama hatte sich zu Pfingsten 2014 ereignet: Die Ehefrau hatte sich kurz zuvor von ihrem 14 Jahre älteren Mann getrennt, war mit der damals vierjährigen Tochter wieder zu ihren Eltern nach Rossau (Landkreis Mittelsachsen) gezogen. Dort tauchte ihr Ehemann plötzlich auf, schoss zunächst seiner Schwiegermutter ins Bein und dann seiner Frau in den Rücken. Die 39-Jährige starb vor den Augen der Eltern.

Der 55-Jährige hatte vor Gericht geschwiegen. Was genau in ihm vorgegangen sei, habe die Strafkammer nicht klären können, sagte der Vorsitzende Richter Kay-Uwe Sander am Freitag bei der Urteilsverkündung. «Im Zweifel für den Angeklagten, so steht es in unserer Rechtsordnung.» Dabei habe sich der Angeklagte die schlimmste Strafe selbst ausgesprochen: «Sie haben trotzdem lebenslang, denn Sie werden immer damit leben müssen, dass Sie Ihrer Tochter die Mutter genommen haben», so der Richter.

Auch die beiden Schüsse auf seine Schwiegermutter sind nach Ansicht des Gerichts als gefährliche Körperverletzung und nicht als versuchter Totschlag zu werten - dafür hatte der Staatsanwalt plädiert. Die Umstände der Tat ließen allerdings nur eine Verurteilung zur gesetzlich zulässigen Höchststrafe zu.

Damit hat der Mann aus Hessen nach acht Jahren zwar theoretisch die Chance auf Entlassung, praktisch sei jedoch mit der vollen Verbüßung zu rechnen, so die Einschätzung des Staatsanwalts. Zu einer Revision tendiere er im Interesse der Angehörigen «eher nicht».

Die Tochter lebt heute nach Auskunft des Rechtsanwalts der Familie bei Verwandten außerhalb Sachsens. Auch die Eltern der Getöteten haben demnach Rossau den Rücken gekehrt.

LVZ

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