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Unfallforscher: Feuer im Bus auf der A9 kann Kollision erst verursacht haben

Unglück mit vielen Toten Unfallforscher: Feuer im Bus auf der A9 kann Kollision erst verursacht haben

War der verheerende Brand im Bus einer sächsischen Reisegruppe möglicherweise die Ursache und nicht die Folge des Unfalls auf der A9? Der Unfallforscher der Versicherer hält das für wahrscheinlich.

Von dem Bus blieb nach dem Feuer auf der A9 nur ein Gerippe.

Quelle: dpa

Leipzig. Stand der Unglücksbus auf der Autobahn 9 womöglich schon in Flammen, als er auf den Lkw auffuhr? Diese These vertritt der Berliner Unfallforscher Siegfried Brockmann. „Nach allen Aufnahmen, die mir vom Unglücksort vorliegen, könnte die Kollision nicht die Ursache, sondern eine Folge des Brandes an Bord gewesen sein“, sagte er am Montag gegenüber der Leipziger Volkszeitung.

Auf der A9 in Oberfranken ist am 3. Juni ein Reisebus mit einer Gruppe aus Sachsen nach einem Unfall völlig ausgebrannt. Mehr als 30 Menschen wurden verletzt. Fotos: dpa

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Demnach habe der Niederflur-Heckmotor zuerst Feuer gefangen, beispielsweise durch Öl aus einem Leck, das auf heiße Teile traf. Durch das Feuer könnte der Fahrer im entscheidenden Augenblick abgelenkt worden und mit dem vorausfahrenden Sattelschlepper kollidiert sein. Bestärkt sieht sich der Unfallforscher der Versicherer in dieser Annahme durch verbrannte Wrackteile, die weit hinter dem Fahrzeug lagen zu einem Zeitpunkt, als die Feuerwehr noch gar nicht vor Ort war. „Für einen ursächlichen Auffahrunfall spricht das nicht.“ Er sehe eine aufwendige Unfallursachenermittlung voraus, so Brockmann.

Bei dem Unfall in den Morgenstunden auf der A9 in Oberfranken wurden 30 Menschen zum Teil schwer verletzt. 18 Menschen kamen in dem brennenden Bus ums Leben kamen. Bis zum Nachmittag waren ihre sterblichen Überreste geborgen.

Leicht brennbare Materialien

Dass Busse binnen weniger Minuten in Flammen stehen, sei leider kein Einzelfall, kritisiert der Berliner Unfallforscher Siegfried Brockmann. „Weil Hersteller in Reisebussen noch immer leicht brennbare Materialien verbauen dürfen, haben eingeschlossene Passagiere im Brandfall keine Chance.“ Busse stünden binnen weniger Minuten komplett in Flammen. „Und die enorme Hitze verbraucht sämtlichen Sauerstoff.“

Experte: Automatische Löscheinrichtung hätte nicht geholfen

Johannes Hübner, Sicherheitsexperte vom RDA Internationalen Bustouristik Verband in Köln vertritt die Ansicht, dass auch eine automatische Löscheinrichtung bei dem Busunfall in Oberfranken die Katastrophe kaum hätte verhindern können. „Selbst eine moderne Löscheinrichtung im Bus löscht im Motorraum, im Zweifelsfall auch noch im Gepäckraum und auch noch in der Bustoilette, darf aber nicht im Innenraum löschen“, sagte er am Montag. Die chemischen Löschmittel könnten Passagiere sonst beeinträchtigen.

Generell seien laut Hübner die deutschen Busunternehmen vorbildlich bei der Einhaltung europaweit einheitlicher Sicherheitsstandards. Zwar seien Abstandswarner und Notbremsassistenten noch nicht in Serie eingebaut. Aber Busse müssten alle sechs Monate zu einer Zwischenuntersuchung und jährlich zum TÜV. Busfahrer könnten wegen auch technischer Kontrollsysteme keine Lenk- und Ruhezeiten mehr überschreiten. Zudem gebe es ein von der EU vorgeschriebenes Nachschulungsprogramm, wobei Fahrer alle fünf Jahre den Führerschein aktualisieren lassen müssen.

Von Winfried Mahr (mit dpa)

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