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Verräterisches Passwort? NSU-Spur zu Altenburger Neonazi Thomas G. erhärtet sich

Verräterisches Passwort? NSU-Spur zu Altenburger Neonazi Thomas G. erhärtet sich

Sie nannte sich Mandy Struck oder Susann Dienelt. Mit nach außen hin unscheinbar wirkenden Decknamen tauchte die mutmaßliche Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe jahrelang im Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) ab.

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Uwe Mundlos und Beate Zschäpe alias "Mandy Struck": Der Deckname der mutmaßlichen Neonazi-Terroristin führt zu Thomas G. aus der Nähe von Altenburg.

Quelle: dpa

Leipzig. Nun erhärten sich die Hinweise, wonach der führende Thüringer Neonazi Thomas G. aus der Nähe von Altenburg bereits frühzeitig Verbindungen zur Zwickauer Terror-Zelle hatte und die Gruppe möglicherweise unterstützte.

In verschiedenen Neonazi-Foren soll der Meuselwitzer bereits im Jahr 2005 als Login-Passwort Zschäpes Decknamen „struck-mandy“ verwendet haben. Dies ergaben Recherchen eines Aktivisten-Netzwerks aus Leipzig, Dresden und der Schweiz, deren Ergebnisse LVZ-Online vorliegen.

Eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft sagte am Dienstag, dass dieser Spur – wie allen anderen – nachgegangen werde. Bereits am Montag hatte die Ermittlungsbehörde bestätigt, dass im bis nach Leipzig reichenden Umfeld des mittlerweile inhaftierten mutmaßlichen NSU-Helfers Ralf Wohlleben aus Jena ermittelt werde. Auch G. gehört zu diesem Kreis – waren doch beide enge Vertraute im sogenannten Freien Netz sowie im mittlerweile nicht mehr aktiven Thüringer Heimatschutz (THS), der als Keimzelle des NSU gilt.

Zusammen veranstalteten die beiden Kameradschaftsführer seit 2005 das Fest der Völker in Jena, Altenburg und Pößneck, ein Festival mit Rechtsrockbands aus ganz Europa. Und auch ihre Bekanntschaft zu Mandy Struck vereint die beiden Thüringer. Der Name existiert wirklich: Die Frau, die ihn trägt, kommt aus Schwarzenberg im Erzgebirge, soll Zschäpe recht ähnlich sehen und lieh dieser laut Dossier des Aktivisten-Netzwerks ihre Identität sowie ihre Ausweispapiere. Struck steht im dringenden Verdacht, das Neonazi-Trio unterstützt zu haben.

Innenminister vergleicht militantes Freies Netz mit einem „Telefon“

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Thomas G. soll schon früh Kenntnis von der Zwickauer Terror-Gruppe der NSU gehabt haben.

Quelle: Gamma LeipzigAntifa Rechercheteam Dresden

Der 32-jährige Thomas G. soll neben dem hochrangigen sächsischen NPD-Funktionär Maik S. aus Delitzsch, den die Bundesanwaltschaft ebenfalls im Visier hat, einer der Mitbegründer des Freien Netzes sein. Die straff organisierte Gruppierung, die ihre Fäden in Sachsen und Thüringen zieht, sehen Experten als Führungsnetzwerk der militanten Neonazi-Szene in der Region.

Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) erkennt jedoch keinen Anlass, die Organisation aufzulösen oder zu verbieten. Auf einen entsprechenden Antrag der Linken-Landtagsabgeordneten Kerstin Köditz antwortet Ulbig, dass es sich beim Freien Netz nicht um eine Vereinigung, sondern eher um einen „Chat-Room“ handele. Ein Verbot sei deshalb gar nicht möglich. „Den gleichen Effekt könnte auch ein Telefon oder eine Telefonkonferenz haben“, meint der Minister.

Dabei sprechen die Indizien dafür, dass das aus dem Raum Leipzig gesteuerte Netz eng mit der Zwickauer Terror-Zelle um Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt verwoben sein könnte. So soll  Thomas G. nach Köditz’ Informationen seinen Freund Daniel P. vor Jahren von Altenburg nach Zwickau geschickt haben, um die dortige Neonazi-Szene aufzubauen und Mitglieder für das Freie Netz zu rekrutieren. „Es ist davon auszugehen, dass es eine ganze Reihe von Unterstützern in diesem politischen Raum gegeben hat“ , ist der Rechtsextremismusforscher Hajo Funke von der Freien Universität Berlin überzeugt, „und erheblich mehr Mitwisser.“

Experte sieht in Thomas G. „rechtsextremen Strategen“

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Thomas G. und Ralf Wohlleben waren enge Vertraute im Thüringer Heimatschutz (THS), der als Keimzelle des NSU gilt.

Quelle: dpa

Der unter anderem wegen Volksverhetzung und gefährlicher Körperverletzung vorbestrafte Thomas G. beendete – wie er heute gerne betont – im Jahr 2008 seine Neonazi-Aktivitäten. Öffentlich distanzierte sich der Meuselwitzer jedoch nie von seiner rechtsradikalen Gesinnung. In der Neonazi-Musikszene ist er weiterhin präsent. Das zeigen die Enthüllungen der Antifa-Aktivisten mit einem Foto vom April 2011, auf dem G. mit „Hammerskins“-T-Shirt bei einem Konzert in Portugal zu sehen sein soll.

„Thomas G. ist nach wie vor einer der rechtsextremen Strategen im Großraum Leipzig“, ist Experte Hajo Funke überzeugt. „Alle seine politischen Aktivitäten finden in diesem Kontext statt.“ Auch seinen alten Freund Ralf „Wolle“ Wohlleben hat G. offenbar nicht vergessen. „Erstes Wochenende hinter Gittern! In Gedanken bei Wolle! S-O-L-I-D-A-R-I-T-Ä-T!”, schreibt er in einem aktuellen Eintrag im Online-Netzwerk Twitter. Angemeldet ist G. dort mit seinem Spitznamen „Ace“ – dem selben Namem, den er auch schon 2005 für seine Foren-Accounts mit dem Passwort „struck-mandy“ benutzte.

Robert Nößler

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