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Zwickauer Terror-Zelle: Ermittler prüfen Verbindungen zur Leipziger Neonazi-Szene

Zwickauer Terror-Zelle: Ermittler prüfen Verbindungen zur Leipziger Neonazi-Szene

Die Verflechtungen der kriminellen Neonazi-Gruppe aus Zwickau reichen offenbar bis in die Region Leipzig. Nach Informationen von LVZ-Online gibt es Hinweise, wonach der Kameradschafter Thomas G.

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Die Gruppe der NSU pflegte ein enges Netzwerk in Sachsen und Thüringen. Indizien führen nun auch in das Neonazi-Zentrum in der Leipziger Odermannstraße.

Quelle: Regina Katzer

Leipzig. aus der Nähe von Altenburg sowie der hochrangige sächsische NPD-Funktionär Maik S. aus Delitzsch Kontakte zur Gruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) hatten.

Beide beeinflussen bis heute das Geschehen im sogenannten Nationalen Zentrum in der Leipziger Odermannstraße und unterhielten enge Verbindungen zum Jenaer Ralf Wohlleben, der mittlerweile in Untersuchungshaft sitzt. Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft erklärte am Montag auf Anfrage von LVZ-Online, dass das Umfeld des NSU derzeit „intensiv durchleuchtet“ werde. Dazu gehöre auch das bis nach Leipzig reichende Kontaktnetzwerk Wohllebens.

Hinweise zu einer möglichen Verbindung zwischen S., G. und der Zwickauer Terror-Zelle könnte den Ermittlern eine CD liefern, die dem LKA übergeben wurde. Sie enthält das interne Online-Forum des Freien Netzes, der wichtigsten Kameradschafts-Verbindung in Mitteldeutschland, die nun auch in Zusammenhang mit dem NSU gebracht wird. Die 21 Mitglieder des passwortgeschützten und mittlerweile abgeschalteten Untergrund-Forums mit dem Codenamen „Hard to Hate“ waren neben Wohlleben auch G. und S..

"Polizisten abstechen" als "sarkastische Unterhaltung"

Eine Kopie der CD mit rund 1300 Foren-Beiträgen aus den Jahren 2008 und 2009 wurde auch LVZ-Online zugespielt. Die Aussagen darin lassen erahnen, welches Gewaltpotenzial unter den führenden Kameradschaftern herrscht. Sie bezeichnen sich selbst als „Nationalsozialisten“, preisen Adolf Hitler als ihren „Chef“ und tauschen sich unter dem Schutz der Anonymität über potenzielle Gewalttaten aus.

Der Sicherheitsbeauftragte des sächsischen Landtages, Uwe Friedrich, der die CD von der Grimmaer Landtagsabgeordneten Kerstin Köditz (Linke) erhalten und an das LKA weitergeleitet hat, hält das Material für authentisch. Als wichtigen Grund nennt er gegenüber LVZ-Online „Diskussionen über bereits veröffentlichte Inhalte dieses Forums im Internet“.

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Mittlerweile abgeschaltet: Das LVZ-Online vorliegende interne Online-Forum "Hard to Hate" des Freien Netzes offenbart die Gewaltbereitschaft innerhalb der Kameradschaftsszene.

Quelle: Screenshot

So berichtet Forumsnutzer „Hugo“, der Wohlleben mit „Heil Wolle!“ im Forum begrüßt, vor dem Neonazi-Aufmarsch im Februar 2009 in Dresden von einem Anschlagsplan. „Wir haben uns überlegt die Polizeiwache anzugreifen und abzufackeln!“, schreibt User „Hugo“, der sich an anderer Stelle im Forum selbst als Thomas G. zu erkennen gibt, „Ohne einen abzustechen? Ist ja langweilig“, erwidert darauf ein gewisser „Sibelius“ aus Delitzsch. S. macht keinen Hehl daraus, dass die Aussagen von ihm stammen und nennt sie in einem aktuellen Interview, das auf seiner Website nachzulesen ist, „eine ironisch bis sarkastische Unterhaltung“.

NSU pflegte enges Netzwerk bis nach Leipzig

Für den Rechtsextremismusforscher Hajo Funke von der Freien Universität Berlin ist das Freie Netz deutlich mehr als bloß ein Internetportal und „Schaufenster zur Szene“, wie es Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) nach wie vor einschätzt. „Es handelt sich um ein weit gespanntes strategisches und politisch operatives Netz mit hohem Gewaltpotenzial“, so Funke. Dass die Mitglieder nicht nur zu zynischen Äußerungen, sondern auch zu brutalen Übergriffen bereit seien, könne belegt werden. „Wir wissen aus der Vergangenheit, dass aus dieser neonazistischen Gruppenstruktur, die bis in die NPD hineinreicht, schwerste Gewalttaten verübt werden.“

Bekannt ist: Sowohl der Delitzscher Maik S. als auch der vorbestrafte Thomas G. waren im Thüringer Heimatschutz (THS) aktiv – ebenso wie das Zwickauer Neonazi-Trio Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Aus dem THS ging 2007 das Freie Netz hervor, auf das S. sichtlich stolz ist. „Es ist keine Organisation, sondern eine Marke, die in Sachsen geprägt wurde“, sagt er in dem genannten Interview.

„Ich kann mit reinem Gewissen eine eidesstattliche Versicherung abgeben, dass ich weder Mundlos noch Böhnhardt oder die Zschäpe kannte“, gibt S. ebenfalls zu Protokoll. Nach Informationen der Landtagsabgeordneten Köditz sollen sich S. und G. vor Jahren jedoch mehrfach in Zwickau mit Neonazis getroffen haben, um ihr Kameradschafts-Netzwerk auszubauen. Einige dieser Personen, wie der ehemalige sächsische NPD-Landtagsabgeordnete Peter K., werden mittlerweile ebenfalls verdächtigt, Kontakte zum NSU gehabt zu haben. Bis vor Kurzem nannte sich K. auf Facebook noch „Peter Panther“ – die rosarote Comicfigur verwendete das Terror-Trio aus Zwickau auch in seinen Bekennervideos. „Es ist anzunehmen, dass die Mordgruppe ein breites Kontaktnetz hatte“, sagt Extremismusforscher Funke. „Fraglich ist nur, wer davon die Unterstützer waren.“

Mutmaßliches Foto von Zschäpe führt zum Freien Netz

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Umso mysteriöser erscheinen in diesem Zusammenhang die Spekulationen um ein Foto, das Beate Zschäpe am 3. Oktober 2008 bei einer Demonstration in Geithain bei Borna (Kreis Leipzig) zeigen soll. Sie demonstrierte damals trotz massiver Polizeipräsenz offenbar unbehelligt zusammen mit knapp 200 Gesinnungsgenossen des Freien Netzes.

Der Bornaer NPD-Stadtrat und ebenfalls aktive Forums-User Manuel Tripp bestreitet die Anwesenheit der mutmaßlichen Zwickauer Neonazi-Terroristin. Die Zschäpe zum Verwechseln ähnlich sehende Frau sei eine ihm „bekannte Aktivistin“. Dafür, dass zwei Tage später bei einem Leipziger Pressefotografen, der die Demonstrantin abgelichtet hatte, eingebrochen und Speicherkarten entwendet wurden, kann Tripp keine Erklärung liefern. Die Polizei konnte den Fall bis heute nicht aufklären.

Robert Nößler

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