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Amazon-Streik in Deutschland - dafür läuft der Versand aus Polen auf Hochtouren

Amazon-Streik in Deutschland - dafür läuft der Versand aus Polen auf Hochtouren

Polnische Zeitungskommentare klingen süffisant: „Die Polen arbeiten, die Deutschen streiken.“ Die Rede ist von den Beschäftigten der drei polnischen Amazon-Zentren.

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Seit diesem Herbst gibt es in Polen drei Versand-Zentren von Amazon.

Quelle: dpa

Breslau/Posen. Die 4500 ständigen und die 7500 für die Weihnachtssaison eingestellten Mitarbeiter haben reichlich zu tun - auch mit dem Versand der Weihnachtsbestellungen aus dem Nachbarland.

Ende September wurde das erste Paket aus einem der polnischen Amazon-Zentren nach Deutschland verschickt. Einige Wochen lang hatten die Mitarbeiter in den beiden Zentren im niederschlesischen Breslau (Wroclaw) und in dem dritten in Posen (Poznan) geübt, bis die Arbeitsabläufe klappten. „Aus Polen werden Kunden in ganz Europa beliefert“, kündigte Tim Collins, Logistikchef von Amazon Europe, bei der Eröffnung an. Die zentrale Lage Polens in Europa sei entscheidend bei der Standortauswahl gewesen. Dank des europaweiten Netzwerks mit insgesamt 28 Logistikzentren, darunter auch in Polen und der Tschechischen Republik, werde trotz Arbeitsniederlegungen in Deutschland pünktlich geliefert, betont der Online-Versandhändler regelmäßig.

Auch die im Vergleich zum Westen deutlich niedrigeren polnischen Löhne dürften eine Rolle für die Standortentscheidung gespielt haben. Durchschnittlich 13 Zloty (gut drei Euro) verdienen die Lagermitarbeiter pro Stunde. In Deutschland sind es etwa zehn Euro. Für polnische Verhältnisse ist der Stundenlohn für niedrig qualifizierte oder ungelernte Arbeitskräfte allerdings überdurchschnittlich. Auch mit kostenlosem Transport zur Arbeit bietet das Unternehmen ungewöhnliche Extraleistungen.

Fotos vom Streik zur Weihnachtszeit bei Amazon in Leipzig

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Uneingeschränkte Zufriedenheit herrscht aber auch in den polnischen Amazon-Zentren nicht. In Medienberichten ist von Klagen unter anderem über die langen Wege in den Lagerhallen die Rede. „Das ist nicht durchzuhalten“, beschwerte sich ein Amazon-Mitarbeiter in einer E-Mail an das Nachrichtenportal „Wirtualna Polksa“. Jedes der Zentren hat eine Fläche von rund 95.000 Quadratmetern - das entspricht 13 Fußballfeldern.

Nach den Amazon-Plänen sollen täglich zwischen 500.000 bis 600.000 Pakete aus den polnischen Zentren verschickt werden. Wirtschaftsminister Janusz Piechocinski nannte die Investition des Online-Versandhändlers - pro Standort rund 100 Millionen Euro - einen „Meilenstein für das Wirtschaftswachstum Polens.“

Für das Weihnachtsgeschäft wurden zusätzliche Saisonkräfte eingestellt. Einige von ihnen können, je nach Auslastung, auch mit einer längeren Beschäftigung rechnen. In den polnischen Zentren gilt für die Arbeiter eine Vier-Tage-Woche, allerdings mit einer Arbeitszeit von zehn Stunden.

Der Warschauer Wirtschaftswissenschaftler Grzegorz Gorzelak beurteilt den Nutzen Amazons für den polnischen Arbeitsmarkt allerdings gering: „Das sind Arbeitsplätze von geringer Qualität, die wenig Vorteile für die Region schaffen“, meint der Experte für Regionalentwicklung. Er zieht Vergleiche zu den großen Supermarktketten: „Es werden Billigjobs geschaffen, aber aufgrund der Preise gehen kleine Läden kaputt.“

In Polen selbst ist Amazon als Internethändler nicht aktiv - zur Erleichterung sowohl der traditionellen als auch der Online-Händler. Rafal Brzoska von Versanddienstleister InPost warnte vor einigen Monaten auf einer Konferenz vor den Folgen für den Handel, sollte Amazon auch in Polen Waren versenden: „Die polnischen Onlinehändler drohen Bankrott zu gehen, mit Margen wie bei Amazon können sie nicht konkurrieren.“

Eva Krafczyk, dpa

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