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Amazon in Leipzig bereitet sich auf Arbeitskampf vor: Leiharbeiter als Streikbrecher

Amazon in Leipzig bereitet sich auf Arbeitskampf vor: Leiharbeiter als Streikbrecher

Amazon bereitet sich in Leipzig auf den bundesweit ersten Streik bei dem Versandhändler vor. Nach LVZ-Informationen hat das Unternehmen bereits im März begonnen, wieder Leiharbeiter an Bord zu holen - um so im Ernstfall streikende Verdi-Mitglieder ersetzen zu können.

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Amazon bereitet sich in Leipzig auf den bundesweit ersten Streik bei dem Versandhändler vor.

Quelle: Christian Nitsche

Leipzig. Noch bis Donnerstag läuft die Urabstimmung.

Offiziell hält sich Amazon mit Kommentaren zu den Streikdrohungen zurück. Man sehe nach wie vor zu wenige Gemeinsamkeiten, um mit Verdi in Tarifverhandlungen einzutreten, wiederholte eine Sprecherin nach dem Start der ­Urabstimmung vor einer Woche. Mit derselben Aussage hatte das Unternehmen bereits den Abbruch der Sondierungsgespräche Ende Februar begründet. Intern laufen aber offenbar längst die Vorbereitungen auf den bundesweit ersten Streik: Bereits kurz nach dem Abbruch der Gespräche mit Verdi habe Amazon damit begonnen, in Leipzig wieder Leiharbeiter an Bord zu holen, berichteten Mitarbeiter. Mit ihnen wolle man offenbar im Ernstfall streikende Kollegen ersetzen. Das Unternehmen selbst wollte sich nicht dazu äußern.

Erst vor einer Woche hatte eine Sprecherin aber betont, dass Amazon Leiharbeiter wirklich nur bei Saisonspitzen ins Haus hole, wenn man selbst einfach nicht genügend Aushilfen finde. Im Jahresschnitt habe der Leiharbeiteranteil 2012 bei nur drei Prozent gelegen, nur im November und Dezember sei er auf mehr als zehn Prozent gestiegen. In Leipzig waren zuletzt im Dezember Leiharbeiter im Einsatz, als die Belegschaft kurzzeitig von 2000 auf mehr als 5000 Mitarbeiter anwuchs. Zu den 3000 Aushilfskräften, die Amazon direkt anheuerte, kamen noch 300 Leiharbeiter aus dem EU-Ausland hinzu.

Ergebnis der Abstimmung am Freitag

Der drohende Streik in Leipzig könnte nun eine neue Leiharbeitsspitze im Frühjahr bringen. Noch bis Donnerstag stimmen die gut 500 Verdi-Mitglieder in der Leipziger Belegschaft darüber ab, ob es zu Arbeitsniederlegungen kommen soll. Das Ergebnis will Verdi am Freitag ver­künden. Gewerkschaftssekretär Thomas Schneider zeigte sich überzeugt, dass die erforderliche Mehrheit von 75 Prozent zusammenkommen wird. Wann genau es dann zum Streik kommen könnte, ließ er noch offen. An eine Einigung ohne Arbeitskampf glaubt Verdi-Verhandlungsführer Jörg Lauenroth-Mago aber nicht mehr. "Und ich fürchte, dass dann ein Tag Warnstreik nicht reichen wird. Das dürfte schon länger gehen. Wir müssen wohl erheblichen Druck machen."

Amazon lehnt Tarif ab

Während Verdi bei Amazon den Tariflohn für den Einzel- und Versandhandel durchsetzen will, orientiert sich das Unternehmen an der günstigeren Logistikbranche. Tarifverträge lehnt der Versand­riese generell ab. "Als Unternehmen, das immer noch schnell wächst, brauchen wir aber mehr Flexibilität, als uns ein Tarifvertrag lassen würde", bekräftigte Deutschland-Chef Ralf Kleber im Februar. Zudem zahle Amazon schon jetzt besser als andere Logistiker.

Derzeit bekommen Einsteiger und Aushilfen in Leipzig nach Angaben Betroffener 9,26 Euro pro Stunde. Das Unternehmen selbst spricht von "rund 9,30 Euro". Wer mindestens zwei Jahre dabei ist, erhält 10,57 Euro. Verglichen mit anderen Logistikern sei das in der Tat nicht schlecht, räumte Lauenroth-Mago ein. Den Vergleich will er nicht gelten lassen. "Amazon macht klassischen Versandhandel. Unsere Latte ist daher der Tarif für den Versand- und Einzelhandel." Und der liegt deutlich höher: Einsteiger bekommen in Sachsen 10,66 Euro pro Stunde, nach einem Jahr sind es 11,39 Euro.

Mit der bisherigen Bezahlung zeigten sich viele der inzwischen entlassenen Weihnachtsaushilfen aber keineswegs unzufrieden. "Ich wäre gern noch länger geblieben", sagte ein Ehemaliger, der nach eigenen Angaben schon zum dritten Mal bei Amazon gejobbt hatte. "Und ich bewerbe mich nächstes Mal garantiert wieder." Denn so gut wie Amazon zahle keiner der Logistiker, bei denen er sich jetzt um einen Anschlussjob bemühe.

Bei denjenigen, die schon länger dabei sind, steigt dagegen der Unmut. Allein in den vergangenen sieben Tagen habe Verdi bei Amazon mehr als 20 Beitritte verzeichnet, berichtete Schneider. Damit seien nun mehr als 540 der 2000 Mitarbeiter in Leipzig in der Gewerkschaft - und könnten bei einer Arbeitsniederlegung mit Streikgeld rechnen. Von den 1200 Amazon-Kollegen mit unbefristetem Vertrag sei inzwischen fast die Hälfte in der Gewerkschaft. "Und jeden Tag bekommen wir neue Aufnahmeanträge."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.04.2013

Frank Johannsen

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