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BMW-Belegschaft in Leipzig wächst - Zahl der Leiharbeiter auch

BMW-Belegschaft in Leipzig wächst - Zahl der Leiharbeiter auch

Die rasante Modelloffensive von BMW in Leipzig lässt die Belegschaft kräftig wachsen - und bremst auch den zugesagten Abbau der Leiharbeit: Weil für i3, i8, 2er und Co.

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Die Fertigung des neuen Elektroautos i3 hat im Leipziger BMW-Werk.

Quelle: dpa

Leipzig. auch neue Zeitarbeiter ins Haus geholt wurden, stehen am Band heute sogar mehr von ihnen als vor zwei Jahren. Doch während der Betriebsrat damals vor Gericht dagegen vorgegangen war, sieht er heute kein Problem. Denn die Belegschaft wuchs noch schneller - und fast alle Leiharbeiter von einst haben inzwischen einen festen Vertrag.

Vor zwei Jahren sorgte Leipzigs BMW-Betriebsratschef Jens Köhler bundesweit für Schlagzeilen: Weil rund 30 Prozent der gesamten Belegschaft aus Leiharbeitern bestand, hatte er sich im Dezember 2011 erstmals quer gestellt - und die Sache vors Arbeitsgericht gebracht. Nach monatelangem Ringen lenkte BMW ein und verpflichtete sich, den Anteil der Zeitarbeiter bis Ende 2015 im Konzernschnitt auf rund die Hälfte herunterzufahren.

Die erste Zwischenbilanz nach anderthalb Jahren fällt durchwachsen aus: Im Leipziger Werk, das traditionell den mit Abstand höchsten Leiharbeiterstand im Konzern hat, ging die Zahl nicht zurück - sie stieg sogar noch kräftig: Per Ende November seien 1500 Kollegen von Personaldienstleistern an Bord gewesen, berichtet Köhler - 400 mehr als vor zwei Jahren, als er vor Gericht gezogen war. Doch anders als damals bleibt Köhler dieses Mal gelassen. "Wir sehen das ganz entspannt", sagte er der LVZ. "Die Zahl sieht nur auf den ersten Blick unerfreulich aus." Denn die Belegschaft sei in den zwei Jahren noch schneller gewachsen. "Dadurch kommen wir heute trotzdem auf einen geringeren Leiharbeiteranteil." Und er habe keinen Zweifel, dass BMW auch die Zusage für Ende 2015 einhalten werde. "Bis dahin sind ja noch fast zwei Jahre Zeit."

Grund für den rasanten Personalaufbau sind die zahlreichen neuen Modelle, die BMW gerade an den Start schickt: Im September ging der kleine Stromer i3 in Serie, im November dann das neue 2er Coupé. Anfang März feiert auf dem Autosalon in Genf der Minivan Active Tourer Premiere, im Mai schickt BMW dann den Hybrid-Sportwagen i8 an den Start. Und gebaut werden alle vier Modelle in Leipzig. Dafür habe man die Belegschaft kräftig aufgestockt, berichtet Werkssprecher Jochen Müller. "Wir haben in den vergangenen zwei Jahren mehr als 1300 Mitarbeiter eingestellt, liegen jetzt bei über 3900 Mitarbeitern." Und da sind die Leiharbeiter, zu deren Zahl das Unternehmen selbst keine Angaben macht, noch gar nicht mitgerechnet. Nach Berechnungen des Betriebsrats sind einschließlich Zeitarbeiter derzeit 5400 Kollegen an Bord. Vor zwei Jahren waren es nur 3700. Dadurch sei der Anteil der Leiharbeiter sogar leicht gesunken: von knapp 30 auf gut 27 Prozent.

Was den Betriebsrat besonders freut: Das Gros der neuen Stellen wurde mit ehemaligen Leiharbeitern besetzt, fast alle. "Zwei Drittel der neuen Mitarbeiter waren vorher Zeitarbeiter", sagt Müller. Nahezu alle der 1100, für die vor zwei Jahren gekämpft wurde, seien dadurch inzwischen fest eingestellt, ergänzt Köhler. "800 wurden übernommen. Und bei den anderen sind wir zuversichtlich, dass es bis Jahresende auch noch klappt."

Um die Reihen wieder zu schließen, hat BMW nun neue Leiharbeiter an Bord geholt. "Bei den ganzen neuen Modellen, die hier gerade an den Start gehen, ist das aber auch völlig normal", sagt Köhler. Und anders als bei anderen Unternehmen gebe es dafür auch den gleichen Grundlohn wie für die Stammbelegschaft.

Die Situation sei heute eine ganz andere als vor zwei Jahren. Damals hatte sich der Betriebsratschef darüber aufgeregt, dass viele Mitarbeiter seit Jahren per Leiharbeit im Werk sind, ohne je übernommen zu werden. "Die meisten der Leiharbeiter, die wir jetzt haben, sind dagegen wirklich erst seit ein paar Monaten dabei. Und auch die sind völlig entspannt: Sie sehen ja, wie es bei ihren Vorgängern lief, die jetzt alle einen Festvertrag haben." Das gebe auch den neuen Kollegen nun eine Perspektive - und mache Leiharbeit wieder zu dem, wozu sie gedacht war: zum Abfedern von Spitzen.

"Wir hatten ja nie etwas gegen Leiharbeit an sich", sagt Köhler. "Wir hatten etwas dagegen, dass sie für die Betroffenen zum Dauerzustand wird." Das habe sich nun geändert. "Wir haben alles erreicht, was wir gefordert haben", so sein Fazit. Und auch die Zusage von BMW, den Leiharbeiteranteil bis Ende 2015 konzernweit auf acht Prozent zu drücken, sieht er nicht in Gefahr. "BMW hat immer alles eingehalten, was zugesagt war. Und das wird auch dieses Mal so sein."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.02.2014

Frank Johannsen

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