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BMW holt 400 Mitarbeiter von Subunternehmen ins Team

Tariflohn statt Werkvertrag BMW holt 400 Mitarbeiter von Subunternehmen ins Team

400 Kollegen, die bisher per Werkvertrag arbeiten, sind ab 1. Mai echte BMW-Mitarbeiter. Statt für die Subunternehmen HQM und SAS arbeiten sie künftig direkt beim Konzern – und erhalten mehr Geld für dieselbe Arbeit. Durch die neuen Kollegen wird die Marke von 5000 Mitarbeitern genommen.

400 Kollegen, die bisher per Werkvertrag arbeiten, sind ab 1. Mai echte BMW-Mitarbeiter. (Archivbild)

Quelle: dpa

Leipzig. Der Jubel war auf dem BMW-Gelände nicht zu überhören. „Die Leute sind uns vor Freude um den Hals gesprungen“, berichtete Betriebsratschef Jens Köhler. In zwei Versammlungen hatte er den 400 Kollegen, die bisher per Werkvertrag auf dem Gelände arbeiten, verkündet, dass sie ab 1. Mai echte BMW-Mitarbeiter werden. Statt für die Subunternehmen HQM und SAS arbeiten sie künftig direkt beim Konzern – und erhalten mehr Geld für dieselbe Arbeit.

Das gibt auch der Belegschaftsstärke einen kräftigen Schub: Dank der neuen Kollegen wird die Marke von 5000 Mitarbeitern genommen. Die Zahl der BMW-Mitarbeiter in Leipzig steigt auf einen Schlag von 4900 auf 5300. Weil sich nicht feststellen lässt, wer genau Mitarbeiter Nummer 5000 ist, verzichtet BMW aber auf die eigentlich übliche Feier.

Verträge mit HQM und SAS laufen planmäßig aus

HQM und SAS waren bisher die beiden wichtigsten Vormontage-Partner auf dem Gelände. Beide sind seit der Eröffnung des Werks vor 12 Jahren dabei. SAS lieferte zuletzt Dachhimmel, Cockpit und die Frontend-Module – bestehend aus Stoßfänger, Kühlerniere und Scheinwerfern. Von HQM kamen Türen für 1er und 2er – und das eigentliche Herzstück eines jeden Autos: Motor, Fahrwerk und Getriebe setzte HQM zum Antriebsstrang zusammen, der dann für die als „Hochzeit“ bezeichnete Vermählung mit der Karosse direkt ans Band gestellt wurde.

Ende April laufen die Verträge mit HQM und SAS nun planmäßig aus. Und anders als früher entschied sich BMW, die nicht neu auszuschreiben, sondern die Arbeiten künftig selbst zu übernehmen – und zwar „aus strategischen Gründen“, wie Werksleiter Hans-Peter Kremser erläuterte. „Mit diesem Betriebsübergang folgen wir der strategischen Ausrichtung unseres Produktionsnetzwerks, nach der wir bestimmte Vormontageumfänge künftig übergreifend in Eigenregie fertigen.“ Das habe mehrere Vorteile, fügte sein Sprecher hinzu: kürzere Wege, schnellere Kommunikation – und bessere Möglichkeiten, sich mit individuellen Teilen von der Konkurrenz abzugrenzen.

"Wie Ostern und Weihnachten zusammen"

„Die Leute haben leuchtende Augen gehabt“, erzählte Köhler, der den neuen Kollegen die gute Nachricht am Gründonnerstag überingen durfte. „Für die war das wie Ostern und Weihnachten zusammen. Das war Freude pur.“ Viele arbeiten schon seit Jahren für BMW – bisher als Mitarbeiter zweiter Klasse. Jetzt werden sie den Kollegen, denen sie bisher schon die Teile ans Band gestellt haben, auch finanziell gleichgestellt.

„Das macht mehrere Huntert Euro im Monat aus“, rechnete Köhler vor. Dabei hatten sich die Löhne in den vergangene Jahren bereits deutlich angenähert: Vor knapp zwei Jahren hatten Betriebsrat und IG Metall dem Konzern bereits die Zusagen abgerungen, bei der Neuausschreibung nur noch Firmen zu akzeptieren, die eine Tarifvertrag mit der IG Metall haben. Auch HQM, wo vorher Textiltarif galt, und SAS schlossen Haustarifverträge mit der IG Metall – die aber weiter unter den BMW-Konditionen lagen.

Zahl der Leiharbeiter bei BMW Leipzig steigt wieder

Noch mehr profitieren die 150 Leiharbeiter von SAS und HQM, die BMW ebenfalls weiter beschäftigt. „Die sind zwar weiter Leiharbeiter, aber zu deutlich besseren Konditionen.“ Denn bei BMW gelte für Leiarbeiter der gleiche Grundlohn wie in der Stammbelegschaft – wenn auch ohne Zulagen. „Die machen da jetzt einen richtigen Sprung.“ Die Zahl der Leiharbeiter bei BMW Leipzig steige dadurch wieder auf 1200, sagte Köhler. Das sei aber deutlich weniger als vor zweieinhalb Jahren. „In der Spitze waren es da ja 2500.“

Das Leipziger BMW-Werk galt lange als Vorreiter bei der Auslagerung von Arbeiten an Subunternehmen. Das 2005 eröffnete Werk war bereits so angelegt worden, dass Zulieferer und Dienstleister direkt mit einziehen konnten. Das ist nach wie vor zu spüren: An die 2000 Mitarbeiter dürften auf dem Gelände nach wie vor bei den 20 Fremdfirmen beschäftigt sein, schätzt Köhler. „Dazu gehören aber auch Reinigungskräfte und Wachschutz.“

Das Gros entfalle mit rund 1500 Kollegen auf die drei Logistikpartner BLG, Schnelleck und Rudolph. Auch einen Vormontage-Partner gibt es noch: Thyssen-Krupp fertigt mit rund 80 Mitarbeitern die Achsen. Die gingen bisher an HQM, als Vorprodukt des Antriebsstrangs. Künftig liefert Thyssen-Krupp direkt an BMW.

Von Frank Johannsen

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